Geschichte

Die wenigen Funde aus prähistorischen Zeiten beweisen die Gegenwart von Menschen in der Jungsteinzeit. Weitaus sicherer ist die Annahme, dass sich im 8. Jahrhundert v.u.Z. an der Stelle, an der Arno am leichtesten zu überqueren ist, und im Schutz der Hänge, eine menschliche Siedlung befand. Auf einem dieser Hügel entstand im 5. Jahrhundert v.u.Z. die etruskische Stadt Fiesole. Die hiesigen Wohngebiete der Etruskerzeit waren strategisch wichtig, auf Grund ihrer günstigen Lage für den Verkehr zum Appennin und ins Flusstal.

"Florentia" wurde offiziell im Jahre 59 v.u.Z. als römische Kolonie gegründet, geplant im typischen Stil der römischen castra, deren Spuren in der heutigen Stadtordnung noch immer zu erkennen sind: Zwei Achsen durchqueren die Stadt, eine erstreckt sich vom Battistero zur Via Roma und weiter auf die Via Calimala, die andere hingegen reicht von der Via del Corso über die Via degli Speziali bis zur Via degli Strozzi. Das Forum befand sich an dem Punkt, an dem sich die beiden Achsen kreuzten, an der heutigen Piazza della Repubblica. Florentia wurde somit zur wichtigsten Stadt des römischen Tuszien.

Im barbarischen Zeitalter war Florenz von den Goten besetzt, die schließlich von Stilicho besiegt wurden - der Meinung einiger Historiker zufolge war dies der Zeitpunkt, als sich das Christentum in diesem Gebiet verbreitete. Die ersten Kirchen außerhalb der Stadtmauern Florentias, wie San Lorenzo und Santa Felicita, stammen aus dem vorherigen, dem 4. Jahrhundert u.Z.. Im 5. Jahrhundert u.Z. wurde die Stadt von den Ostgoten erobert, dank dem byzantinischen Heer konnte sie sich aber befreien und wurde im darauf folgenden Jahrhundert in das Longobardenreich eingegliedert.

Das karolingische Zeitalter, als das Battistero di San Giovanni erstmals erwähnt wurde, war von einer Rückläufigkeit in der territorialen Ausdehnung geprägt. Im 9. und 10. Jahrhundert begann das wirtschaftliche und kulturelle Wachstum mit dem Bau zahlreicher religiöser Bauwerke, wie z.B. die Badia Fiorentina eingeweiht von der Marchesa Matilda, aber auch anderer wichtiger öffentlicher Bauwerke, wie z.B. dem Mauerring aus dem Jahre 1078, der von derselben Matilda als Zeichen der starken urbanen Ausdehnung in Auftrag gegeben wurde.

Der Reichtum und die Autonomie der Stadt wuchsen gleichermaßen, sodass 1173-1175 ein weiterer Mauerring gebaut werden musste, der zum ersten Mal auch das Viertel Oltrarno einschloss. Im Inneren der Stadt entwickelte sich der romanische Stil, besonders in den Kirchen San Miniato und SS. Apostoli. Der Handel mit Woll- und Seidenstoffen stellte die Hauptaktivität der Florentiner Handwerker dar, und war Voraussetzung für eine allmähliche Verstädterung, wahrscheinlich einer der Gründe für die Jahre der politischen Spannungen zwischen den beiden antagonistischen Parteiströmungen des 13. Jahrhunderts, den Guelfen (die Anhänger des Papstes) und den Gibellinen (oftmals Mitglieder der Florentiner Zunft für Kunst und Beruf, auf der Seite des Kaisers), zu welchen auch Dante zählte, ehe er sich zu den weißen Guelfen, die die schwarzen bekämpften, bekannte, als nach einer ersten schweren Niederlage mit darauf folgender Ausweisung der Gibellinen, sich die beiden Parteien in Ihren ursprünglichen Haltungen gegenübertraten; die weißen für den Kaiser und die schwarzen für den Papst.

Am Ende des 13. Jahrhunderts errang Florenz trotz ständiger interner politischer Auseinandersetzungen die territoriale Vorherrschaft über die angrenzenden Städte (Pisa, Arezzo, Siena, Volterra). Im Bereich der Architektur werden wichtige Bauwerke für das bürgerliche und religiöse Leben der Stadt errichtet. Der wichtigste Künstler in dieser kulturell wertvollen Zeit war der Architekt Arnolfo di Cambio, der den Palazzo dei Priori plante, welcher ein Jahrhundert später zum Palazzo della Signoria oder zum Palazzo Vecchio wurde, und er begann mit dem Wiederaufbau der Kathedrale Santa Maria del Fiore. Die Arbeiten zogen sich noch über die folgenden Jahrhunderte hin. Außerdem fuhr Arnolfo mit dem Bau des dritten Mauerringes fort. (1284-1333).

Nach der Pestepidemie von 1348, die die Bevölkerungszahl auf ein Zehntel reduzierte, setzten sich die sozialen und politischen Konflikte auf noch grausamere Weise fort. Den Gipfel dieser Auseinandersetzungen bildete der berühmte "Tumulto dei Ciompi", bei dem die ärmste Klasse der Florentiner Gesellschaft die Führung der Stadtregierung beanspruchte. Aber die Familien der mächtigen Oligarchie von Bankiers und Händlern sammelten bereits ihre Reichtümer und arbeiteten auf eine Eroberung des Adelsstandes hin. Insbesondere die Familie Albizi versuchte den wachsenden politischen Einfluss von Cosimo il Vecchio (der Ältere) de' Medici zu verhindern, welchem es in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelang, die Republik in eine Herrschaft der Oberschicht umzuwandeln, ohne dabei die Struktur der Republik abzuschaffen.

Lorenzo il Magnifico war ein würdiger Nachfolger und führte die Adelspolitik seines Großvaters weiter, er folgte gleichzeitig auch seiner Berufung für Kunst und Philosophie und schuf sich viele einflussreiche Verbündete innerhalb und außerhalb von Italien. Er umgab sich mit wichtigen Persönlichkeiten einer kulturellen Wiedergeburt, die unter dem Namen Humanismus bekannt wurde. Nach Lorenzos Tod im Jahre 1492 litt die Stadt unter der religiösen Strenge des Dominikanermönchs Girolamo Savonarola, der zum Republiksoberhaupt gewählt wurde und 1498 vom aufgebrachten Volk auf der Piazza della Signoria lebendig verbrannt wurde.

Nach Jahren turbulenter Instabilität wurde die Republik Florenz 1530 mit der Machtübernahme durch den ersten Herzog von Florenz, Alessandro de' Medici, offiziell aufgelöst. Die Macht wurde ihm von Papst Clemens VII, dem Sohn des Giuliano de' Medici, dem Bruder des Magnifico, Opfer der Verschwörung de' Pazzi (1478), und von Kaiser Karl V übertragen.

Dem Offiziersanwärter Cosimo de' Medici wurde der Titel des zweiten Herzogs von Florenz übertragen. Sein Ziel war es, das Gebiet auszudehnen und so Florenz und dem glorreichen Haus der Medici einen Platz in der internationalen Politik zu verschaffen. Daraufhin erhielt er 1569 den Titel des Großherzogs der Toskana. Sein Herrschaftsgebiet umfasste die Städte Pisa und Siena, deren Niederlagen im "Salone de' Cinquecento" im Palazzo della Signoria wieder gegeben werden. Der Palazzo della Signoria wurde zum Palazzo Vecchio, als Cosimo beschloss mit der gesamten Familie in den größeren Palazzo Pitti umzusiedeln.

Die Großherzöge de' Medici lassen sich bis ins 18. Jahrhundert verfolgen. Bis dahin verlor Florenz die zentrale Rolle, die es in den vorherigen Jahrhunderten gespielt hatte, ausländische Mächte kamen an die Macht, als die letzte Erbin Elettrice Palatina Macht und Reichtümer der Medici der Familie Lorena, die mit dem Kaiserhaus eng verbunden war, überließ.

Die Regierung Lorena, die Florenz versprach, das verlorene Ansehen bei den europäischen Mächten zurückzugewinnen, dauerte, abgesehen von der Unterbrechung durch die Napoleonische Regierung (1799-1814), bis zur Eingliederung der Stadt in das Reich Italien (1859). Florenz war einige Jahre lang (1865-1871) Hauptstadt des Reiches, der königliche Hof verlegte seinen Wohnsitz in den Palazzo Pitti.

Im 19. Jahrhundert werden zahlreiche Projektions- und Erneuerungsarbeiten im Bereich der Stadtplanung gemäß der zeitgenössischen Mentalität verwirklicht, darunter die Lungarni, die Piazze im Zentrum und die Wohnviertel Barbano und Mattonaia (die heutigen Piazze dell' Indipendenza und D'Azeglio). Eines der Projekte, die das vorherige Stadtbild am meisten veränderten, ist der Abriss der Arnolfianischen Mauern sowie der jüdischen Gettos, um die Umgehungsstraßen bauen zu können, über welche man den Piazzale Michelangelo und die Piazza della Repubblica erreicht.

Die jüngere Geschichte ist natürlich - abgesehen von einigen Bewegungen und kulturellen Persönlichkeiten - vor allem vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Die Wiederaufbauarbeiten im historischen Stadtzentrum, wo die Zerstörung hauptsächlich Brücken und den Bereich um den Ponte Vecchio betraf, dauerten lange. Die Überschwemmung im Jahre 1966 brachte weitere Probleme für die Bewahrung der wertvollen Florentiner Kunstschätze mit sich.

Heute hängt Florenz vielleicht noch zu sehr an der Geschichte der vergangenen Jahrhunderte. Trotz des großen Potenzials der Stadt scheint sein Schicksal immer noch vom Ruhm der Vergangenheit beeinflusst zu sein.

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