Attraktionen

Dublin wird als Urlaubsziel immer beliebter. Natürlich gibt es einige geführte Touren für Gäste, die sich mit der kulturellen und historischen Hinterlassenschaft der Stadt vertraut machen wollen. Wenn man jedoch abenteuerlicher veranlagt ist und lieber allein losziehen möchte, kann man auch nach diesen beiden Vorschlägen die Stadt unsicher machen: erst einmal eine Einführung in die Highlights des literary Dublin, und einen reizvollen train journey immer an der malerischen Ostküste entlang.

TOUR 1: Das Literarische Dublin Dublin bietet Bücherwürmern unzählige Möglichkeiten, wenn man den literarischen Figuren folgt, egal ob fiktive Gestalten oder reale Autoren. Würde man jede einzelne Sehenswürdigkeit mit literarischer Bedeutung an einem einzigen Tag besuchen wollen, wäre das physisch unmöglich. Deshalb gibt diese Tour nur einen kleinen Vorgeschmack auf die literarisch interessanten Plätze.

Die Einführung in Dublins literarische Welt und Ausgangspunkt der Exkursion ist – wie sollte es auch anders sein – das Dublin Writers Museum auf dem Parnell Square. Dieses Museum in einem restaurierten Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert gibt einen umfassenden Einblick in die Welt der Autoren und der literarischen Werke, die Dublin zu bieten hat. Es fängt mit der ersten gälischen Übersetzung des Alten Testaments an und geht bis zu den modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts. In der unteren Etage des Gorham Library findet man eine große Sammlung von Erstausgaben und verschiedene Ausstellungsstücke aus dem Privatleben der Schriftsteller, Dinge wie Briefe und andere Erinnerungsstücke. Im oberen Geschoss ist die Galerie der Schriftsteller untergebracht. Sie ist kostbar in Weiß und Gold ausdekoriert, mit verschnörkelten Türen und Stuck unter der Decke. Hier finden oft Gedichtvorträge und Lesungen statt.

Nun geht es die Great Denmark Street entlang, bis man auf die North Great George's Street kommt. Man kommt am Belvedere College vorbei – eine prestigevolle Schule, die als katholische Antwort auf das Trinity College gebaut wurde, und auf der Dublins heißgeliebter James Joyce (1882-1941) seine unglückliche Schulzeit verbrachte.

Wenn man nun die North Great George's Street zurückläuft, kommt man zum James Joyce Centre, ein absolutes Muss für jeden Joyce-Fan. Es befindet sich in perfekter Lage, im Norden der Stadt, wo auch Joyce seinerzeit schon herumtollte. Ein paar Schritte weiter wird einem ein Eindruck in 7 Eccles Street gewährt, das Zuhause von Leopold und Molly Bloom in Joyce's epischen Roman. Das Centre an sich ist ein wunderschön und verschwenderisch restauriertes georgianisches Stadthaus, es kommt auch einmal ganz kurz in Ulysses vor. Das Gebäude ist eines der seltenen Exemplare, die mit Michael Stapleton's Stuckformen verziert sind, was es allein schon zu einem prämierten Museum macht, sogar ohne die Ausstellung. Hier werden regelmäßig Gesprächsrunden gehalten, außerdem Ausstellungen, die Joyce's Literatur und sein Privatleben genau schildern, auch ausgezeichnete Familienporträts werden zur Schau gestellt.

Das Joyce Centre ist des weiteren die Hauptorganisation des jährlich stattfindenden Bloomsday Festes. Jedes Jahr am 16. Juni versammeln sich die Joyce-Enthusiasten, um zu den wichtigen Schauplätzen des Romans Ulysses zu pilgern. Außerdem gibt es eine Ulysses Porträtgalerie, die einige der vielen hundert Charaktere aus dem Roman ausstellt. In der Guinness Bibliothek sind verschiedene Ausgaben und Übersetzungen von Joyce's Werk untergebracht, so dass man sogar nachlesen kann um was der ganze Wirbel eigentlich gemacht wird.

Wenn man die Parnell Street überquert und weiter hinunter zur Malborough Street geht, erreicht man die Abbey Lower Street. Die Nummer 26 ist das Abbey Theatre, das tatsächlich Irlands Nationaltheater ist und das Irische Talente fördert. Es wurde als Irisches Literaturtheater 1904 von W.B. Yeats und anderen Mitgliedern der Irischen Literaturgesellschaft gegründet. Es behielt seinen schlechten Ruf, da es mit der Inszenierung von Sean O'Casey's The Plough and the Stars aus dem Jahr 1926 nationalistische wunde Punkte berührte. Auch mit den Jahren hielt sich der Ruf, das Theater produziere umstrittene Inszenierungen, und oft brauchte man ein großes Polizeiaufgebot, um Blutvergießen zu verhindern. Das Originalgebäude brannte 1955 nieder und wurde 1961 durch das heutige (architektonisch gewöhnliche) Abbey ersetzt.

Nun geht es weiter die Abbey Street hinunter bis man die O'Connell Street Lower erreicht, man geht links in die Straße hinein und überquert den Fluss. Jetzt ist man im historischen Herzen Dublins, weiter geradeaus zum Trinity College in der Mitte von College Green. Trinity College, ist wie Oxford oder Cambridge eine berühmte Bildungseinrichtung mit einer langen Liste außergewöhnlicher Ehemaligen wie Oscar Wilde – berühmt als Dramatiker und Autor von Importance of Being Earnest; Samuel Beckett, Autor von Warten auf Godot; Jonathan Swift, Autor von Gulliver's Reisen; Bram Stoker (Dracula); und J.M. Synge, der The Playboy of the Western World schrieb. Das letzte Stück verursachte derartige Empörung, dass die Polizei ernsthafte Gewalt verhindern musste.

Gegenüber vom College Green ist die West Front, die von den beiden Statuen zweier berühmter ehemaliger Studenten eingerahmt wird: Philosoph und Staatsmann Edmund Burke und der Dichter Oliver Goldsmith. Man sollte versuchen, die Touristenscharen am Trinity zu ignorieren und die schöne und inspirierende Umgebung zu genießen, indem man durch den Innenhof spaziert. Letztendlich muss man jedoch das Schicksal hinnehmen, dass man von größeren und breiteren Leuten zerquetscht wird, also lieber hier heraus und sich auf den Weg zur Old Library gemacht, das man vom Fellows Square aus betreten kann. Der größte Schatz der Old Library ist zweifellos das Book of Kells - das am reichsten verzierte Manuskript Irlands, in dem die Vier Evangelien in lateinischer Sprache stehen. Die schöne Kalligraphie und die komplizierten Details machen klar, warum das Buch einer von Irlands meist ausgezeichneten Schätzen ist. Die Legende sagt, dass Königin Victoria darin mit ihrem Namen unterschrieben hat!

Jetzt wird von College Green nach St Stephen's Green geschlendert, ruhig in entspannten Tempo – man muss nur die Nassau Street überqueren und gerade aus zur Dawson Street weitergehen. Diese schöne und geräumige Grünfläche war von den georgianischen Stadtplanern als Herzstück für die elegante Entwicklung der Stadt gedacht. Diese Eleganz spiegelt sich im Design von Fitzwilliam und Merrion Squares wieder. St Stephen's Green ist nicht nur ein schöner, inspirierender Ort zum Spazieren gehen, sondern zahlt auch Hommage an zwei Dubliner berühmtesten Literaturgrößen: Joyce und Yeats. W.B. Yeats (1865-1939) war sicher einer von Irlands größten Poeten, er gewann 1923 den Nobelpreis. Seine Statue in St Stephen's Green wurde von Henry Moore gefertigt.

Verlassen wir nun Green in Richtung Südwest, wo sich Cuffe Street und Harcourt Street treffen. Die Harcourt Street hinunter, bis man Camden Place zur Rechten erreicht. Nach der dritten Biegung kommt Synge Street. Die Nummer 33 war der birthplace des berühmten Dramatikers George Bernard Shaw (1856-1950), der Pygmalion schrieb, und auch Nobelpreisträger (er spendete einen wesentlichen Teil des Preisgeldes der Nationalgalerie). Das Haus, in dem Shaw mit seiner Familie lebte, bis er zehn Jahre alt war, wurde im authentischen viktorianischen Stil restauriert. Obwohl es nur wenige originale Stücke der Shaw-Familie gibt, gibt das Haus die düstere Stimmung der steifen Gesellschaft und des bröckelnden Familienfriedens wieder, was das Leben in Shaw's Haushalt so schwer machte.

TOUR 2: Ein Tagesausflug auf der DART-Strecke Verkehrsprobleme können in einer Stadt zu einem richtigen Stillstand in der Rush-hour führen, so dass nichts mehr geht. Deswegen können die Dubliner dankbar sein, dass sie die DART-Bahn haben. Das ist eine elektrische Stadtbahn, die auf einer Schiene fährt und deren Route 40 km vom Postkartenmotiv-Dorf Howth bis ganz nach Süden nach Bray geht. Eine Fahrt mit dieser fahrplanmäßigen und überraschend sauberen Bahn ist die angenehmste und stressfreiste Fahrt, die man durch die Dubliner Stadt machen kann. Die Dart hält auch in einigen hübschen Vororten, und auch mit einem Busticket (EUR6,60) kann man in die DART einsteigen. Einfach ideal, um die außerhalb liegenden Gebiete dieser sich ständig vergrößernden Stadt zu erkunden.

Wenn man im Stadtzentrum ist, kann man entweder an der Connolly oder der Tara Street Station in den DART-Zug einsteigen, beide sind in Laufweite der O'Connell Street. Alternativ gibt es die Pearse Street Station am Westland Row. Man hat die Wahl, nordwärts oder südwärts zu fahren, bei beiden Varianten gibt es vieles an Unterhaltungsmöglichkeiten und historischen Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Southbound (City Centre to Bray) Eine Fahrt von der Tara Street Station zu der am Meer liegenden Stadt Bray (an den Außenbezirken von Wicklow) dauert nicht mal eine Stunde. Wenn man einmal das Stadtzentrum verlassen hat, kommt man an Ringsend und am Fußballstadion an der Lansdowne Road vorbei, danach fährt der Zug an der Küste weiter, die Schienen kurven dann um die majestätische Dubliner Bucht. Wenn man durch Sandymount mit seinem feinen Strand und toller Sicht auf die Wicklow Berge gefahren ist, kommt man an Booterstown vorbei, ein wohlhabender Vorort von Dublin, der am ehesten für sein Bird Sanctuary bekannt ist. Fährt man weiter südlich, passiert man das geschäftige Städtchen Blackrock, berühmt für seine Restaurants und den Wochenend-market; dann geht es weiter, vorbei an den Orten Salthill, Monkstown und Dun Laoghaire. Letztere war ursprünglich als Kingstown bekannt, nun ist es eine elegante Hafenstadt mit imposanten Hafenmauern und einem felsigen Strand. Die Stadt ist ein beliebter Treffpunkt für Segelfans. Dun Laoghaire ist ein Gewerbegebiet, man kann in dem Kaufhaus in der Stadt halbwegs gut einkaufen.

Wenn man durch Seapoint fährt, ist unser nächster Stop Sandycove. In diesem Dorf am Meer leben einige der elegantesten Vorstädter von Dublin. In Sandycove befindet sich auch das Forty Foot Bad und der kuriose Martello Tower, der auch im Einleitungskapitel in Joyce's Ulysses vorkommt. Er wurde während der Napoleonischen Kriege von den Briten gebaut. Verteilt über Dublins Küste gibt es noch einige solcher Türme. Joyce hat im Jahr 1904 selbst hier gelebt. Heute ist im Turm ein Museum, welches Joyce's hervorstechenden Beitrag an der irischen Literatur ehrt.

Geht man durch das Hauptwohngebiet von Glenegeary, kommt man schnell nach Dalkey: eine historische Stadt, in die gern irische und internationale Stars kommen, deren Häuser auf dem Hügel eine beneidenswerte Sicht auf die Dubliner Bucht bieten. Dieses gut erhaltene mittelalterliche Dorf besteht schon seit gut 3.500 Jahren und wird für seine Fischrestaurants und charmante Pubs hoch angesehen. Ein Besuch im Dalkey Castle and Heritage Centre gibt einen faszinierenden Einblick in die reizende, aber auch exklusive Gegend. Wenn man besonders abenteuerlich veranlagt ist, kann man sich ein Boot leihen, sich zur menschenleeren Dalkey Island aufmachen und die Ruinen einer früheren Kirche erforschen.

Killiney ist der nächste Halt auf unserer Strecke, man sagt auch scherzhaft irische „Bucht von Neapel“ dazu. Der kieselsteinige beach ist bei den sonnenhungrigen Dublinern äußerst beliebt. Der DART hält am angrenzenden Strand. Das beliebte Killiney Court Hotel bietet eine herrliche Panoramasicht über das ganze Gebiet. Wenn man Shankhill verlässt, überquert man die Grenze und kommt nach Wicklow, das allgemein als „Garten von Irland“ bekannt ist. Bray, welches in Neil Jordan's Film The Miracle verewigt ist, ist schon eine sonderbare Stadt: es liegt wunderschön am Meer, es gibt einige Vergnügungen und jede Menge Bed & Breakfast-Pensionen, alles wirkt wie aus einer anderen Zeit. Aber mit den Hauspreisen im Stadtzentrum in dieser Höhe ist Bray immer noch eine geschäftige Stadt. Ein etwas anstrengender Spaziergang wird's, wenn man zum Bray Head hochläuft, aber es lohnt sich: die Aussicht von ganz oben ist den Tagesausflug wirklich wert.

Northbound (City Centre to Howth) Der Nordteil Dublins ändert sich schnell, am besten kann man sich die wirtschaftliche und soziale Vielfalt vom komfortablen Zug aus anschauen. Wie viele andere Sachen in Irland, ist auch die soziale Struktur im nördlichen Dublin sehr kontrastreich: schicke Vororte wie Howth und Malahide liegen dicht an dicht mit wirtschaftlich stagnierenden Orten wie Harmonstown und Killester. Für einen Fremden bietet die Zugfahrt im nördlichen Dublin vielleicht weniger Unterhaltung als der südliche Teil. Dennoch ist der Norden mit seinem faszinierenden Erbe sehenswert, und viele Dubliner sehen ihn als das echte Herz der Stadt an.

Fährt man weiter hinauf auf den Connolly, ist der erste Stop auf der Route die Clontarf Road. Obwohl die Haltestelle etwas vom Dorf entfernt ist, ist Clontarf eine Besichtigung wert, vor allem wegen seinem charakteristischen Gebäude, dem Castle, und dem Überfluss feiner Restaurants. Man wird auch am Dollymount Strand und Bull Island, das letzte UNESCO Biosphäre-Reservat in einer Hauptstadt, vorbeikommen. Hier leben viele verschiedene einheimische Tiere, Wild und Vögel. Bei einem Abstecher im umfassenden Interpretative Centre auf der Causeway Road lernt man viel über dieses Gebiet und die fesselnde Geschichte der Ureinwohner der Bull Insel.

Als nächstes kommen wir nach Killester, eine solide Ortschaft der Arbeiterklasse, wahrscheinlich bekannt aus Roddy Doyle's liebevoller Darstellung seines Volkes in der Barrytown Romantrilogie The Commitments, The Van und The Snapper. Die Dörfer Harmonstown, Raheny und Kilbarrack sind Wohngebiete. Da kann man getrost im Zug sitzen bleiben und weiter zu den Orten Bayside und Sutton fahren.

Wir kommen in Howth Junction an. Hier sind wir schon mal vorbeigekommen, als wir nach Portmarnock und Malahide fuhren. Diese Städte waren ursprünglich Industriehafen, so dass es auch hier eine Menge guter Fischrestaurants gibt. Portmarnock ist auch als „Samtstrand“ bekannt, von hier aus kann man herrlich auf die Lambay Island und „Irlands Auge“ blicken. Des weiteren gibt es einen der besten Golfplätze im Land. Malahide besitzt einen eindrucksvollen Yachthafen mit über dreihundert Ankerplätzen. Der Hafen ist ein beliebtes Ziel für Yachten, die von Übersee kommen. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Norman Castle und das umliegende Grundstück. Es wurde zum ersten Mal im Jahr 1174 gebaut und blieb über 800 Jahre in den Händen einer Familie und steht nun unter Schutz des Dublin County Council.

Wenn man am Junction nicht umgestiegen ist, ist man bald am Ende der Strecke angekommen und somit in einer der innigst geliebten Städte von Dublin. Howth kann im Sommer atemberaubend schön sein, so dass es natürlich auch jede Menge Besucher herzieht, die gern den schönen Spaziergang am Pier entlang zum elegant restaurierten Leuchtturm machen. Mit seinen steilen, windigen Straßen, der wunderschönen Aussicht auf die Bucht von Howth Head aus und den vielen hervorragenden Fischrestaurants erscheint Howth zum Sonnenuntergang einfach unverschämt romantisch, selbst bei schlechtem Wetter. Wem es nach einem langen Spaziergang nach einem Bier dürstet; das Bloody Stream Pub liegt passenderweise direkt unterhalb der DART-Haltestelle.

Genaue Informationen zum DART Service gibt es unter www.irishrail.ie/ttable/cdart.html.

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