Geschichte

Ursprünge "Dubh linn" bedeutet "dunkler Teich" und "Baile Átha Cliath" (dies ist immer noch die aktuelle gälische Bezeichnung für Dublin) lässt sich als "Stadt des Hurdleflusses" übersetzen. Das urkundliche Gründungsdatum der Stadt gibt man mit 988 n.Chr. an, allerdings existierten bereits zwei Siedlungen -in dieser oder einer anderen Form- an der Stelle, an der heutzutage Dublin zu finden ist, schon Jahrhunderte vor dem Gründungsdatum. Schließlich vereinigten sich die zwei Siedlungen zu einem Dorf am Fluss Liffey und dieses wurde dann letztendlich unter dem Namen Dublin bekannt.

Lange vor der amtlichen Gründung der Stadt herrschte das Goldene Zeitalter des Christentums, in dem einige der großen Kulturschätze des Landes erschaffen wurden. Das Buch von Kells, das Buch von Durrow und der Kelch von Ardagh stammen alle aus dieser Zeit nach 432 n.Chr., als St Patrick die heidnischen Iren taufte und irische Mönche das heilige Wort überall in Europa verbreiteten.

Das Dublin der Wikinger Dublins lange Entwicklung begann jedoch unter den Wikingern. Es war für sie sehr vorteilhaft als Basis, von der sie das umliegende Land entsprechend ihren Überlegungen ausplündern konnten. So entstanden die Rundtürme, die ein charakteristisches Merkmal der irischen Klöster sind und zur Verteidigung dienten, denn sie sollten helfen, Irlands Einwohner vor den heidnischen Wikingern zu beschützen. Trotzdem begann sich ein reger Handel mit den umliegenden Dörfern zu entwickeln. Jedoch war zu diesem Zeitpunkt die skandinavische Siedlung noch weit von politischer oder militärischer Sicherheit und Stabilität entfernt und es sollte nicht das letzte Mal vor der endgültigen Niederlage der Wikinger gewesen sein, dass sie aus der Stadt vertrieben wurden. Diese endgültige Niederlage der Wikinger war dann mit der Schlacht von Clontarf 1014 besiegelt, als die Truppen von Brian Boru die Skandinavier besiegten. Vor der Ankunft der Engländer folgten Jahre eigner irischer Herrschaft und in der Zeit wurde auch die Christchurch Kathedrale gegründet.

Dublin und die Engländer 1169 landeten die Normannen an der Südküste Irlands. Sie wurden von einem irischen Stammesoberhaupt, Diarmait Mac Murchada, eingeladen, denn der brauchte zusätzliche Männer für seinen Kampf um Macht. Die Normannen wurden von einem gewissen 'Strongbow' angeführt - auch unter dem Namen Richard de Clare bekannt- der sich jedoch zur Treue gegenüber dem englischen König Henry II verpflichtet fühlte. Strongbow eroberte Dublin rasch und die normannische Besatzung begann. Trotz einer großen Anzahl von Seuchen und Bränden wuchs Dublin weiter, über das ganze Mittelalter hinweg. Dabei war der Katholizismus die geistliche Basis dafür, auf der zwei Kathedralen "standen": die St Patrick Kathedrale und die Christchurch. Das von den Engländern kontrollierte Gebiet war jedoch zu der Zeit noch sehr klein und bestand nur aus einem Gürtel von einigen hundert Meilen um Dublin herum. Diese Region war bekannt als "der Pfahl" (daher kommt noch immer eine englische Redewendung "beyond the pale", die jemanden bezeichnet, der unzivilisiert oder unordentlich ist) und war ständigen Angriffen unterworfen.

Die Zeit der Tudors Die Regentschaft von Henry VIII und Elizabeth I brachte eine Festigung der englischen Vorherrschaft in Irland: die Fühler der Macht griffen von Dublin aus auf die ganze Insel über und Elizabeth I benutzte die Stadt als einen Punkt, von dem sie ihre Ansiedlungspolitik ausüben konnte: so wurden protestantische Familien auf beschlagnahmtem Papistenland angesiedelt. Dublin wurde Zentrum der protestantischen Herrschaft; um 1540 herum waren bereits alle Klöster aufgelöst und die Kirchen übernommen. 1592 wurde auf den Mauern eines früheren Klosters Trinity College Dublin errichtet. Es wurde von Elisabeth I gegründet, weil diese der Auffassung war, der neuen herrschenden Schicht eine Möglichkeit zur Bildung geben zu müssen und Irland vom Katholizismus zu befreien. Inzwischen verfiel die Struktur des mittelalterlichen Dublins: sowohl das Dubliner Schloss als auch die Christchurch fielen schon fast ein und Pest und Armut forderten weitere Leben. Am Ende des sechzehnten Jahrhunderts war die Situation so beklagenswert, wie nie zuvor - die Niederlage des irischen Rebellen Hugh O' Neill 1601 führte zur Zuwanderung von englischen und schottischen Protestanten und Dublin degradierte fast zu einer Garnisonsstadt.

Das siebzehnte Jahrhundert Dieses Jahrhundert war von vielen ereignisreichen Jahren geprägt: Cromwell kam von England nach Irland herüber und metzelte 1649 die Einwohner von Drogheda und Wexford ab, nur um ein weiteres Anwachsen von Aufständen zu verhindern. In den Williams-Kriegen kämpfte man verbittert um den Thron Englands, was sich natürlich auch auf Irland - von Derry bis nach Limerick - auswirkte. Schließlich jedoch wurde der katholische James II von William von Orange in der Schlacht von Boyne 1690 besiegt. Bei der anschließenden Besatzung wurden den Katholiken alle politischen Rechte verweigert, die ihnen zuvor versprochen worden waren. Während man in Dublin selbst wenig von den Aufruhren im des Rest des Landes mitbekam, so setzte sich der Prozess des Anglisierung der Stadt jedoch kontinuierlich fort und somit begann zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts die Blütezeit der Stadt.

Das achtzehnte Jahrhundert Die beeindruckenden Strassen und Plätze aus der Zeit der George-Könige stammen alle aus dem goldenen Zeitalter der Architektur der Stadt, dem achtzehnten Jahrhundert. In diesem Zeitraum wurden einige der prächtigsten und beeindruckendsten Gebäude der Stadt gebaut oder wiedererrichtet. Das Schloss von Dublin wurde vollständig wiederaufgebaut und die große grüne Lunge der Stadt, der Phoenix Park wurde im Westen von Dublin errichtet. In diese Zeit fallen auch der Bau des Royal Hospital in Kilmainham, der Long Library des Trinitätscollege, der Royal Exchange (Börse) (heute Rathaus), der eleganten Marsh's Library und des Mansion Hauses. Etwas später wurden die Four Courts und das Custom House auf den Kais der Stadt errichtet und das St Stephens Green wurde zu einem Park gemacht. Die Sackville Street wurde zum Mittelpunkt der Stadt. Heute heißt sie O' Connell Street und ist ein prächtiger Boulevard.

Diese Zeit war auch eine goldene Ära der Politik und Kultur. Das irische Parlament ("Grattans Parliament") gewann zunehmend Einfluss auf die Selbstverwaltung und so konnte man zuversichtlich in die Zukunft schauen, da Dublin auch zu einem außerordentlich blühenden Zentrum der Kultur - insbesondere des Theaters und der Musik - geworden war.

Das neunzehnte Jahrhundert Diese Periode der Macht und Blüte endete mit dem Aufstand von 1798, als Unruhen im Süden, Westen und Nordwesten Irlands und eine gescheiterte französische Invasion stattfand, was schließlich Westminster davon überzeugte, dass Irland zu viel Unabhängigkeit gewährt worden war. Das Ergebnis dieser Ereignisse war der Act of Union 1801: das irische Parlament beendete selbst sein Fortbestehen und England, Irland, Schottland und Wales wurden feierlich zum ersten Mal in der Geschichte Großbrittaniens politisch vereint. Viele von Dublins wichtigen Leuten und Machern verließen die Stadt und gingen nach England, Dublin verkam zu einer Provinzstadt. 1841, auf dem Höhepunkt der großen Hungersnot, gewann Daniel O' Connell zunehmend Anhänger für die katholische Emanzipation, was auch ein Hinweis auf den Rückgang der Gesetze gegen den Katholizismus liefert.

In der Hungersnot von 1845-1849 litt Dublin weniger als der Rest Irlands, da seine Einwohner im Allgemeinen eher reicher waren (ausgenommen natürlich die von den Krankheiten gebeutelten Elendsviertel). In dieser Zeit ging das Leben der "englischen Iren" relativ normal weiter und so kam es sogar zur Gründung des National Museum und der National Library, die beide im Süden der Stadt errichtet werden sollten.



Autonomie und Aufstände Unter der Oberfläche brodelte es jedoch. Die Stadt sollte der Brennpunkt im Kampf um die irische Autonomie werden. Über das ganze neunzehnte Jahrhundert hinweg wuchs ein ungeheurer Druck an, bis schließlich zum Anfang des ersten Weltkriegs die Selbstverwaltung versprochen wurden war - sobald der Krieg enden sollte. Diese als gemäßigt geltende Zusage verlor dann allerdings mit dem Osteraufstand 1916 an Bedeutung, als eine kleine Gruppe von Revolutionären die Stadt paralysierte und die Irische Republik von den Treppen des Hauptpostamtes aus ausrief. Die Aufständischen hatten allerdings nur geringe Unterstützung aus der Bevölkerung zu erwarten, da viele Iren freiwillig in den Krieg zur Verteidigung Belgiens gezogen waren und man daher die Rebellen als Verräter beschimpfte. Da zur Niederschlagung des Aufstandes das Zentrum der Stadt von britischen Seeschiffen aus bombardiert wurden war, war die Bevölkerung Dublins besonders verbittert und gereizt gegenüber den Aufständischen. Die Hinrichtung der Rebellen im Kilmainham Gaol bewegte allerdings die Öffentlichkeit und somit wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der in dem Staatsvertrag von 1921 gipfelte. Der größte Teil von Irland erreichte eine beschränkte Unabhängigkeit als irischer Freistaat, aber die Insel war von nun an auch geteilt: sechs nordöstliche Bezirke Irlands blieben weiterhin Bestandteil des Vereinigten Königreichs. Der schlimme Bürgerkrieg, der daraufhin folgte, brachte weiteren Schaden für die Stadt. Erst, als sich die Kämpfe beruhigten, konnte der lange Prozess des Wiederaufbaus und der Normalisierung beginnen.



Der Freistaat Die 1920er brachten den allmählichen Wiederaufbau des Stadtzentrums, was vom Unabhängigkeitskrieg, Aufständen und dem Bürgerkrieg verwüstet worden war. Die Politik der Regierung in dieser Zeit war allerdings vielmehr von Theorien und Nationalismus geprägt, als davon, einen modernen Sozialstaat aufzubauen und Themen wie das Sozialwohl der Bevölkerung wurden schwerwiegenderweise vernachlässigt. So steuerte das Land unter der Führung von Eamon de Valera (als einzig überlebender Anführer der Osteraufstände) zunehmend in die politische Isolation und beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erklärte sich Irland zum Ärger von Großbritannien als auch den Vereinigten Staaten zu einem politisch neutralen Staat. In der Realität jedoch war das Land weit von der Neutralität entfernt, denn man gewährte zum Beispiel den Allierten Überflugrechte. Diese Art der Neutralitätspolitik wird jedoch bis zum heutigen Tag in Frage gestellt: die Vertreibung von jüdischen Flüchtlingen aus Irland ist ein dunkler Moment in der irischen Geschichte. Zumindest wurde Dublin als Folge der Neutralitätspolitik nicht von deutschen Bombenangriffen zerstört - im Gegensatz zu Belfast und Derry/Londonderry in Nordirland. 1947 wurde der Freistaat zur Republik von Irland und verließ das Commonwealth.

Die Republik Die Nachkriegsjahre waren von einer wirtschaftlichen und kulturellen Stagnation gezeichnet. Tausende von jungen Leuten verließen das Land, um nach Dublin zu ziehen und Jahre der Zuwanderung und des Bevölkerungswachstums begannen, die immer noch andauern. Eine noch größere Anzahl von Menschen verließ Irland aber, was unberechenbare kulturelle und soziale Folgen für das Land nachzieht. In den 1960er begann Irland langsam über den politischen und kulturellen Tellerrand zu schauen: Reformen und Veränderungen in den westeuropäischen Gesellschaften waren somit auch hier langsam zu spüren. Die weitverbreiteten Unruhen, die 1968 in Nordirland begannen, wirkten sich auch auf Dublin aus: die Hauptstadt war Ziel von vereinzelten Anschlägen in den 1970ern und 80ern: der Tragischste ereignete sich 1974, als 30 Menschen in einem Einkaufszentrum einer Bombe zum Opfer fielen. Die Täter sind nie gefasst worden.

Dublin heute 1973 trat die Republik der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bei. Die Auswirkungen dieser Entscheidung können heute an der Wirtschaftstruktur Dublins nachvollzogen werden: enorme Geldbeträge sind in den letzten dreißig Jahren nach Irland geströmt und haben zum Kick-Start der irischen Wirtschaft geführt. Heute ist Irland Europas am schnellsten wachsende Wirtschaft und Dublin ist das Zentrum dieses Booms geworden.

In letzten Jahren hat sich das politische, kulturelle und soziale Klima des Landes ebenfalls radikal geändert. Die langjährige Korruption des Irischen Staatsapparates wurde strengstens verfolgt und in einer Folge von Gerichtsprozessen während der 1990er Jahre ausgemerzt. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen, kann man sagen, dass es sicher noch viele Auswirkungen auf die irischen politischen Parteien geben wird und das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Die Wahl von Mary Robinson zur Präsidentin Irlands 1990 führte auch zu einer Serie von sozialen Veränderungen im Land - so ist zum Beispiel jetzt die Scheidung legalisiert worden und eine Reihe von liberalen Gesetzen hat die konservative Klientel des Landes herausgefordert, ohnehin schon arg von einigen Sexskandalen gebeutelt, in die sogar die Katholische Kirche mit einbezogen war. Diese sozialen Reformen haben vor allem in Dublin ihre Spuren hinterlassen und es bleibt kein Zweifel daran, dass sich die Stadt in den letzten 10 Jahren enorm verändert hat.

Dublin literarisch Dublin ist eine der Weltliteraturstädte. Drei Nobelpreisträger - George Bernard Shaw, W.B. Yeats und Samuel Beckett - wurden in der Stadt geboren und James Joyce, der berühmteste Ire schlechthin, der nie den Nobelpreis gewann, stammt ebenfalls aus Dublin.

Die Anfänge der modernen irischen Literatur sind allerdings auf dem Höhepunkt Dublins im achtzehnten Jahrhundert zu suchen. Dem Trinitätscollege entstammen drei der berühmtesten Schriftsteller des Jahrhunderts: der Dramatiker Oliver Goldsmith, der Philosoph Edmund Burke und Satiriker Jonathan Swift, Autor des weltbekannten Buches Gullivers Reisen. Nur Swift jedoch blieb in Dublin: Goldsmith und Burke zogen so schnell wie möglich nach London und sollten somit das Vorbild für viele kommende Schriftsteller werden.

Im neunzehnten Jahrhundert trank und stritt sich James Clarence Mangan seinen Weg durch Dublin und schaffte es, in seiner Freizeit - sozusagen - ein Teil von Irlands bedeutendster Dichtung zu verfassen; Bram Stoker schrieb Dracula und Oscar Wilde verbrachte seine Jugend in der Stadt und studierte am Trinitätscollge, bevor es ihn nach England zog. Shaw wurde 1856 in der irischen Hauptstadt geboren - und auch er verließ Irland, um nach England zu gehen, wo er auch sein Pygmalion schrieb. Joyce, der ebenso im Exil geschrieben hat, konzipierte Odysseus an nur einem einzigen Sommertag in Dublin: dem 16.Juni 1904, ein Tag an dem alljährlich der Bloomsday in der Stadt begangen wird. Beckett ging ins Exil nach Paris, aber einige von Irlands führenden Schriftstellern schafften es hierzubleiben: Yeats blieb zum Beispiel bis zu seinem Tod 1939 in der neuen irischen Republik und in den Nachkriegsjahren tauchten Leute wie die Schriftsteller Flann O' Brien und Patrick Kavanagh auf.

Heutzutage ist irische Literatur beliebter und kraftvoll als je zuvor. Romanautoren wie Colm Toibin (The Heather Blazing), Anne Enright (The Portable Vigin), Roddy Doyle (The Committments), Jennifer Johnston (How Many Miles to Babylon?), Dermot Healy (A Goat's Song) und Robert McLiam Wilson (Eureka Street) haben internationalen Ruf und sie gehen einher mit solch wichtigen Dichtern wie Medbh McGuckian, Eavan Boland, Nuala Ni Dhomhnaill und Irlands viertem Nobelpreisträger Seamus Heaney. Nicht alle dieser Schriftsteller haben ihr Zuhause in Dublin gefunden, aber jeder von ihnen spielt eine wichtige Rolle in der frischen und jungen Literaturszene der Stadt und ihre Arbeit konnte die Vielschichtigkeit von Dublins Kultur und Literatur bereichern.

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