Viele literarische Autoren erzählen in ihren Werken von der Legende über die Entstehung Sevillas. So auch die Brüder Joaquín und Serafín Alvarez Quintero in ihrem Gedicht ‚Geschichte Sevillas', das folgendermaßen beginnt: „Herr Herkules / langweilte sich auf dem Planeten / und begab sich auf die Suche nach einem drolligen Winkel, / um eine Taberne zu errichten./ Als er an dem Platz vorbeikam, / wo sich heute die Alameda befindet, / die zu dieser Zeit bereits denselben Namen trug, / hielt er erstaunt inne, / atmete tief durch, / blickte zur Erde / und gen Himmel / und sagte: Was für ein Fleckchen Erde (…)“.
Entgegen der mythologischen Version, legt die Wissenschaft das Alter der Dolmen des Aljarafe und des El Gandúl, letzterer in der Gemeinde von Alcalá de Guadaira, auf 7000 Jahre fest. Bekannter sind jedoch die Dolmen von Valencina de la Concepción.
Die Dörfer der Provinz von Sevilla beherbergen ebenfalls archäologische Reste. In Carmona, zum Beispiel, befindet sich das Museum der Nekropole. In Osuno und Estepa wurde einer der ältesten Funde iberischer Überreste in ganz Südeuropa gemacht. Einige dieser Funde sind im Museum für Archäologie von Marchena zu besichtigen.
Die Phönizier
Im Jahre 800 v. Chr., lassen sich phönizische Händler im Tal des Guadalquivir nieder. Dieser Fluss, auf halbem Wege zwischen Wahrheit und Legende, war ehemals auch unter dem Namen Tartesio, ein Dorf, dem die Stadt den Schatz des Carambolo verdankt, bekannt. Der Geschichte zufolge bewohnen die Tartesser die Anhöhe des Aljarafe und ihre Nachkommen gründen die Stadt Hispalis, das gegenwärtige Sevilla. Zu diesem Zeitpunkt findet auch der punische Krieg statt. Escipión erreicht das Land, besiegt Asdrúbal und gründet die Stadt Itálica.
Die Römer
Es bricht die Epoche des römischen Sevillas an und die Stadt durchlebt eine wirtschaftliche Blütezeit. Es wird ein mit Mauern umgebenes Bollwerk mit verschiedenen Eingangstoren, von denen gegenwärtig nur noch der Arco de la Macarena und der Postigo del Aceite erhalten sind, errichtet.
Später wird die Stadt von Cäsar und Pompejus umkämpft, die die Schlacht von Munda (zwischen Osuna und Estepa) entfachen, die Cäsar im Jahre 43 v. Chr. gewinnt. Ab diesem Zeitpunkt wird Hispalis zur Hauptstadt der Betica (benannt nach dem Betis, heute Guadalquivir) und zu einer Kolonie Roms mit den Rechten einer römischen Stadt. Archäologische Überreste der Romanisierung sind im Museum für Archäologie der Stadt zu bewundern.
Hispalis, das politische, wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Zentrum des Südens der iberischen Halbinsel erlebt das Aufblühen von dem nur 2 km entfernten Itálica, wo die beiden römischen Herrscher Adriano und Trajano geboren werden. Im 4. Jahrhundert wird das Christentum legalisiert und im 5. und 6. Jahrhundert fallen die Sweben und die Westgoten in Hispalis ein, unter deren Herrschaft die Stadt erneut eine Blütezeit erlebt.
Die Araber
Mit dem Einfall der Araber im Jahre 711 kommt es zu radikalen Veränderungen auf der ganzen iberischen Halbinsel, von denen ganz besonders der Süden betroffen ist, denn hier verweilt die arabische Herrschaft am längsten. Isbilia (arabischer Name für Sevilla) mit seiner arabisch-andalusischen Kultur ist eine blühende Stadt unter islamischer Herrschaft. Hier leben Juden, Christen und verschiedene arabische Völker zusammen. Auch die Mozaraber lassen sich hier schließlich nieder.
Isbilia ist eine bedeutende Stadt und lehnt sich mehrmals gegen das nahe gelegene Córdoba, Hauptstadt von Al-Andalus, auf. Die Herrschaft von Al-Mutamid (11. Jahrhundert) ist ausschlaggebend in dieser Epoche der Geschichte von Sevilla, die zur bedeutendsten Enklave des Westens wird. Zu diesem Zeitpunkt findet der Einfall der Almoraviden statt, die das Heer der Berber so weit reduzieren, dass sogar Al-Mutamid vertrieben wird.
Im 12. Jahrhundert gelangt Isbilia unter die Herrschaft der Almohaden und die Stadt gewinnt die verlorene Pracht zurück. Gutes Beispiel dieser Entwicklung ist die Giralda, Minarett der Moschee.
Wiedereroberung
Im Jahre 1248 vertreibt Fernando der III. ‚El Santo' (der Heilige) die Moslems und erobert Isbilia zurück. Die Stadt wird in Sevilla umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt wandern Kastilier, Juden und Hebräer ein und bilden das bedeutende Judenviertel. Der Alcázar wird zur Residenz der christlichen Könige und Sevilla erlebt, besonders unter den Herrschaften von Alfonso dem X. ‚El Sabio' (der Weise), Sohn von Fernando dem III., und Pedro dem I. ‚El Cruel' (der Grausame) eine erneute Blütezeit.
Die arabische Kultur hat mit jahrhunderterlanger Herrschaft in Sevilla ihre Spuren an öffentlichen und religiösen Gebäuden hinterlassen. So kann man die Überreste dieses Einflusses noch heute in den Reales Alcázares, in der Casa de Pilatos und in Kirchen wie der Santa Marina, Kirche San Marcos und an dem Turm der Kirche Santa Catalina bewundern.
Tor zu Amerika
Sevilla wird zum Sitz der katholischen Könige und zum Ausgangspunkt der Inquisition. Die Stadt wird zum Tor zur Neuen Welt (oder Spanisch-Amerika), entdeckt durch Christoph Kolumbus.
18. und 19. Jahrhundert
Mit Beginn des 18. Jahrhunderts stehen Sevilla düstere Zeiten bevor. Die Stadt verliert an Bedeutung, bewahrt jedoch noch die Erinnerung ihrer Vergangenheit als Spaniens wichtigste Stadt. Im 19. Jahrhundert fallen die Truppen Napoleons ein, deren Invasion von 1808 bis 1812 dauert. Infolgedessen wird Teil des Kunstschatzes Sevillas nach Frankreich gebracht. Nach dem Abzug der französischen Truppen ist die Stadt Zeuge des bewegten, wechselhaften politischen Lebens, durch das Spanien während dieser Zeit geprägt wird. Gegen Ende des Jahrhunderts der Romantik taucht der Name des berühmtesten Romantikers der spanischen Literatur auf: Gustavo Adolfo Bequer, dem ein wunderschönes Denkmal im María-Luisa-Park gesetzt wird.
Republik und Krieg
Das erste bedeutende Ereignis des 20. Jahrhunderts in Sevilla ist die iberoamerikanische Ausstellung von 1929, die so schöne Bauten wie die Plaza de España hinterlässt.
Später wird die nur kurze Zeit andauernde Zweite Republik (die erste Republik wurde in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts proklamiert) ausgerufen. Und mit ihr gerät Spanien unter die Herrschaft von Franco. Queipo de Llano erobert Sevilla am Tag nach dem Aufstand vom 18. Juli 1936. Die Stadt erlebt kaum die Auswirkungen eines Krieges, der jedoch an anderen Plätzen Spaniens, wie in Barcelona und Madrid, sehr zu spüren ist. In den 40er-Jahren hat die Bevölkerung unter großem Hunger zu leiden, und in den 50er und 60er-Jahren erholt sich das Land unter der Diktatur allmählich wieder.
Demokratie
Mit der Demokratie gegen Ende der 70er-Jahre und dem Staat der Selbstverwaltung wird Sevilla zur regionalen Hauptstadt und zum Sitz der wichtigsten Behörden der autonomen Regierung. Gleichzeitig bewahrt es seinen Status als eine der bedeutendsten Städte Spaniens. Sie zählt außerdem zu den drei schönsten Städten des Landes.
Den entscheidenden Ansporn gibt die Weltausstellung von 1992, deren Pavillons heute teilweise kulturelle Institutionen beherbergen, wie zum Beispiel das Museum der zeitgenössischen Kunst. Sie ist verantwortlich für eine moderne Infrastruktur in Form von Verkehrswegen, Hotels, Restaurants usw., die Sevilla das Jahr 2000 mit einer guten Aussicht auf weiteren Fortschritt beginnen ließen.
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