Attraktionen

Lübecker Marzipan

Ohne Frage - Lübeck hat ein Herz aus Marzipan. Aber was steckt denn nun wirklich in - und vor allen Dingen auch hinter - dieser weltweit bekannten Köstlichkeit?

Geschichten über die Entstehung und Herkunft des Marzipans gibt es einige und viele Städte erheben Anspruch auf diese angebliche Erfindung irgendeines Konditors. Wenn wir jedoch die Herkunftsländer der Zutaten betrachten, werden wir dem Lübecker Thomas Mann zustimmen:

Und sieht man sich diese Süßigkeit genauer an, diese Mischung aus Mandeln und Rosenwasser und Zucker, so drängt sich die Vermutung auf, dass da der Orient im Spiele ist, dass man ein Haremskonfekt vor sich hat, und dass wahrscheinlich das Rezept zu dieser üppigen Magenbelastung über Venedig nach Lübeck an irgendeinen alten Herrn Niederegger gekommen ist. ("Lübeck als Geistige Lebensform" 1926)

Marzipan als "Kraftbrot" - teure und süße "Medizin" Anfänglich war Marzipan nicht nur eine verlockende Süßspeise und schon gar nicht der allgemeinen Bevölkerung zugänglich. Es wurden dem Gemisch aus Mandeln und Zucker alle möglichen Heilkräfte zugesprochen: Angefangen von der "Vermehrung des Rückenmarks, des Gehirns, macht es auch den Körper fett" (was bis zum heutigen Tag leider immer noch der Wahrheit entspricht) und mit Rosinen gegessen, sollte Marzipan äußerst stimulierend wirken und die "natürliche Begierde" wecken. Kein Wunder also, dass diese kostbare und teure "Medizin" an den königlichen Höfen und in Fürstenhäusern in Massen verzehrt, aber in mittelalterlichen Speiseverordungen dem niederen Volk verboten wurde.

Aber die teure Seite dieser Kostbarkeit hatte auch einen wirtschaftlichen Grund. Forscht man in den Lübecker Urkunden, so erfährt man, dass die Einfuhr von Mandeln im 14. Jahrhundert häufig erwähnt wird, dagegen nur dreimal die von Zucker, der auch noch im 15. Jahrhundert eine Rarität ist. Für Zucker zahlte man sehr hohe Preise, die sich erst ein wenig senkten, als neue Anbaugebiete für den Rohrzucker in Amerika erschlossen wurden. Trotzdem war der Preis noch immer hoch genug, um den Zucker nur auf den verschwenderischen Tafeln des Adels und der Vornehmen erscheinen zu lassen.

Marzipan bekam man übrigens nur vom Apotheker, der dann die seltsamsten und fragwürdigsten Zutaten hinzu mischte. So wirkten angeblich zugefügte Inhalte wie zerstoßene Edelsteine und Perlen bei Herzbeschwerden, aber auch Zusätze von Gewürzen und Heilkräutern bei den verschiedensten Krankheiten. Sogar vor Liebeszauber sollte Marzipan keinen Halt machen. Demnach findet in einer Rostocker Volkssage eine junge Dame keine Liebesruhe und schenkt ihrem Angebeteten ein kostbares Marzipanherz mit geheimnisvollen Zutaten. Doch leider findet der Beschenkte keinen Gefallen an diesem Herz und wirft es einem Schwein zum Fressen vor. Wie groß war wohl das Entsetzten der Dame, als nun ein liebestolles Schwein ihr Haus stürmen wollte!

Von der vergoldeten Süßspeise zum Kunstwerk Beweise für den europäischen Genuss von Marzipan durch die Jahrhunderte gibt es in zahlreichen, dokumentierten Belegen. Die Kostbarkeit dieser Speise zeigte sich z.B. darin, dass Karl IV. 1368 bei seinem Einzug in Siena vergoldete Marzipanbrote erhielt. Wahrscheinlich sind auch schon im 15. Jahrhundert die Deutschen in den Genuss von Marzipan gekommen, genauen Nachrichten zufolge aber erst im Jahre 1509. Von da an folgen zahlreiche Beschreibungen, dass Marzipan stets zum Nachtisch bei fürstlichen Festessen gereicht wurde. Aber welch eine Bereicherung war es, als man entdeckte, dass die Mandelmasse nicht nur als genussvolle Nachspeise diente, sondern dass sich die Tafeln mit essbaren Kunstwerken aus Marzipan besonders aufwendig schmücken ließen. Torten mit ganzen Geschichtsszenen oder mit Porträts der Gastgeber waren keine Seltenheit. Und bis heute ist es ein Vergnügen "Vexiergeschenke" zu überreichen - ein irreführendes Geschenk, das anders ist, als es aussieht: Ob nun ganze Hummer, Würste, Früchte, Geflügel oder Schinken - alles gibt es auch aus Marzipan!

Wie aber kam denn nun der Marzipan nach Lübeck und was macht diese Mandelmischung zu einem Lübecker Original? Geschichtlich ist es nicht ganz nachweisbar, wann die traditionelle Vorrangstellung der Stadt Lübeck bei der Marzipanherstellung genau begann. Aber wir wissen dennoch, dass sich erst um 1800 einiges zu diesem Thema in Lübeck tat. Begünstigend wirkte auf jeden Fall die Freihandelszone in den Hafenstädten, aus der bei Bedarf die Importgüter Zucker und Mandeln frisch nach der Ernte geholt werden konnten. Wenig später kam noch ein anderer, wichtiger Faktor, nämlich die Gewinnung von Zucker durch Zuckerrüben und darüber hinaus das Lübecker Hinterland Mecklenburg hinzu. Von da an war der Einkauf von Zucker für die Lübecker Konditoren nicht mehr so unerschwinglich und am 28. November 1795 annoncierte ein gewisser Herr Maquinet in den "Lübeckischen Anzeigen" sein Marzipan und alle Sorten Konditorwaren, mit und ohne Zucker und bat um Zuspruch "all seiner Freunde und Gönner"! Um 1800 gab es vier in Lübeck ansässige Konditoren, die alle Marzipan herstellten, aber nur zu Weihnachten und an Festtagen rentierte sich die mühevolle Produktion der Mandelmasse. Erst als sich der junge Johann Georg Niederegger 1806 selbständig machte, schien die Sache richtig in Schwung zu kommen. Als Niederegger es 1822 geschafft hatte, sein eigenes Haus direkt gegenüber dem Rathaus zu bauen, da war durch ihn Lübecker Marzipan bereits zu einem Markenartikel geworden und wurde von Lübeck aus verpackt, verschickt und verkauft. Die Qualität unterschied sich durch den Geschmack des feinen, weißen Lübecker Marzipans gegenüber den bisherigen Marzipanartikeln. Noch heute steht das Niederegger-Haus, nach mehrmaliger Zerstörung, sowie Um- und Ausbauten an der gleichen Stelle. Ein Besuch im Cafe Niederegger gleicht einer Reise ins Schlaraffenland.

Seit 1866 - nach Aufhebung des Zunftzwanges - begann die erste maschinelle Herstellung von Marzipan, entwickelte sich ständig weiter und der Export blühte. Die Qualität und die Kunstfertigkeit bei der Herstellung der Torten und Figuren wurde weltweit berühmt und das Lübecker Marzipan erhielt vielfache Preise und Auszeichnungen. Im Jahr 1925 verzeichnet das Lübecker Adressbuch zum ersten Mal die Sparte "Rohmassen". Dort findet man auch die Lübecker Marzipan- und Backmassenfabrik - heute als Schwartauer Werke AG bezeichnet, die nur die reine Marzipanrohmasse herstellten und exportierten. So sparten sich die kleinen Konditoren die mühevolle und aufwendige Arbeit der Produktion.

Was die Lübecker Konditoren denn nun wirklich alles der Mandelmischung zufügten, bleibt bis in die heutige Generation ein wohlgehütetes Geheimnis. Aber die Grundmasse besteht immer noch aus Mandeln - und zwar werden für Lübecker Marzipan seit Beginn nur süße Mandeln verwendet -, Zucker und Rosenwasser.

Lübeck-Besuchern empfehlen wir unbedingt eine der Lübecker Marzipan-Fabriken zu besichtigen:

Carstens Lübecker Marzipan Marzipan-Land LEU Lübeck MEST-MARZIPAN

Heike Gutzmann



Eine Altstadttour

Die Lübecker Altstadt, 1987 von der UNESCO zu einem Teil des Weltkulturerbes ernannt, ist es wert, einmal ganz in Ruhe und mit Muße betrachtet zu werden. Etwas Zeit sollte man für diese Tour rund um die vom Wasser umschlossene Altstadt mitbringen, unterwegs bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zum genüsslichen Verweilen an. Die Altstadttour beginnt auf dem Aussichtsturm von St. Petri, denn von hier hat man den besten Überblick über den gesamten Bereich. Zu Füßen der Kirche befindet sich der Kolk mit dem Marionettentheater Fritz Frey und den zur Trave hinunterführenden Gruben. Es lohnt ein Blick in den schmalen St. Jürgen Gang in der Kleinen Petersgrube. Der Kolk führt direkt auf die Große Petersgrube, deren Kaufmannshäuser wie im Bilderbuch verschiedene kunstgeschichtliche Einflüsse widerspiegeln und anhand derer man eine gute Vorstellung bekommt, wie ein typisches Lübecker Kaufmannshaus ausgesehen hat. Von der Obertrave blickt man nun über die Stadttrave hinüber zu den malerischen Salzspeichern und zum dahinter gelegenen Holstentor. Es folgt ein schöner Spaziergang entlang der Obertrave, vorbei an der Lübecker Musikhochschule und dem Malerwinkel mit seinen vielen Gängen und Gruben. Die Effengrube führt hinauf zu dem gewaltigsten Backsteinbau Lübecks, dem Lübecker Dom, der von riesigen alten Bäumen umstanden ist. Im Inneren des Doms befindet sich ein Cafe, das sich für eine kleine Pause anbietet. Auf jeden Fall sollte man dann den Dom umrunden, der Musterbahn mit Blick auf den Mühlenteich folgen, und dann den Weg über Fegefeuer zur Mühlenstraße fortsetzen. Jetzt ist man in der östlichen Einkaufsstraße, die man quert um in die kleine St. Annenstraße einzutauchen. Auch das St. Annen Museum bietet sich an dieser Stelle für eine Verweilpause an, denn im Inneren des einstigen Klosters befindet sich ein Baumgarten, der wohl idyllischer kaum sein könnte. Die Besichtigung kann auf später verschoben werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich die schöne Kirche St. Aegidien, das einstige Gotteshaus des Handwerkerviertels. Quert man nun die Wahmstraße und folgt dem Balauerfort, gelangt man schließlich zur Glockengießerstraße. Hier sollte man Zeit für den Füchtings-Hof einplanen. An der Ecke zur Königstraße liegt die Museumskirche St. Katharinen. Folgt man der Königstraße in westlicher Richtung, passiert man das Behnhaus/Drägerhaus, und kommt schließlich zum Koberg. Um den Platz gruppieren sich die Seefahrerkirche St. Jacobi, die Schiffergesellschaft und das Heiligen-Geist-Hospital. Wer Lust auf eine Pause hat, dem sei geraten den Bürgergarten aufzusuchen, der versteckt hinter dem Heiligen Geist Hospital zu finden ist. Auch hier herrscht himmlische Ruhe. Folgt man der großen Burgstraße, so gelangt man zum Burgtor. Auch ein Blick von der dahinter gelegenen Brücke auf den Lübecker Hafen und die alte Drehbrücke lohnt sich. Möchte man sich diesen Exkurs sparen, so läuft man gleich die Breite Straße hinauf, sieht rechterhand der Beckergrube das Stadttheater, und kommt so zum Buddenbrookhaus, der wundervollen Ratskirche St. Marien und zum Rathaus in unmittelbarer Nähe der Petrikirche. Auf dem Markplatz hinter dem Rathaus endet der Rundgang je nach Verweildauer nach ca. 3 Stunden.

Heike Baschant



Unterwegs im Grünen Parks, Naturschutzgebiete und Waldareale in Lübeck

Lust auf Entspannung im Grünen? In und um Lübeck kein Problem. Der mittelalterliche Stadtkern Lübecks ist von einer Reihe von Grünflächen umgeben, die sich schon aus der vom Wasser umschlossenen Lage ergeben. Da ist zunächst einmal die Wakenitz im Osten Lübecks. Stadtnah sind hier das Naturfreibad Falkenwiese und auf dem gegenüberliegenden Wakenitzufer die Badeanstalt Marli zu finden. Mit Blick auf die Lübecker Altstadt lässt es sich hier im Grünen herrlich planschen. Auch der Drägerpark mit einem großen Spielplatz, ideal für Kinder, wurde hier angelegt. Im Winter laden die Hänge hinab zur Wakenitz zum Rodeln ein. Während die Kinder dann ein ums andere Mal die Bahn hinabflitzen, sieht man die Eltern beim Plausch mit mitgebrachtem heißen Tee und Glühwein.

Ein Uferweg folgt der Wakenitz, so läuft es sich in reizvoller Umgebung endlos Kilometer um Kilometer bis nach Eichholz und weiter bis zur Badestelle "der kleine See" (östliches Ufer) und zum Fahrgastschiffanleger Müggenbusch (westliches Ufer). Südlich schließt sich der Falkenhusener Forst mit dem beliebten Waldrestaurant Absalantshorst direkt an der Wakenitz an. Nicht nur die Wakenitzschiffe auf romantischer Fahrt machen hier Halt, sondern auch die Kanu- und Kajakfahrer auf ihrem Weg zum Ratzeburger See.

Oberhalb der Wakenitz, im Stadtteil St. Gertrud, liegt der Stadtpark mit seinen herrlichen alten Bäumen und den üppigen Rhododendren, der nicht nur von den Anwohnern für Spaziergänge, Joggingrunden und zum Relaxen genutzt wird. Im Winter tummeln sich auf dem kleinen zugefrorenen See die Schlittschuläufer und Rodelfans. Nur wenige Minuten entfernt, in östlicher Richtung, beginnt das Lauer Holz, ein ausgedehntes Mischwaldareal. Man erreicht es am besten über die kleinen Stichwege, die vom Heiligen Geist-Kamp hinunter zum Wald führen. Der Wald ist zu jeder Jahreszeit reizvoll, aber besonders beeindruckend ist ein Spaziergang im Frühling, wenn unter dem knospenden zarten Grün der Buchen der Boden von einem Buschwindrösschenmeer bedeckt ist. Nicht selten begegnet man Reitern vom am Rittbrook angesiedelten Reitstall. Jenseits der Wesloer Landstraße schließen sich die Wesloer Tannen an. Viele Wanderwege führen vom Forsthaus Wesloe in das Waldgebiet. Das Laue Holz und die Wesloer Tannen bilden zusammen Lübecks größtes zusammenhängendes Wald- und Erholungsgebiet. Noch weiter östlich, außerhalb des Lübecker Stadtgebiets, liegt die Palinger Heide. Weiter nördlich, oberhalb der Travemünder Allee, dehnt sich westlich des Stadtbezirks Israelsdorf der Lustholz aus, mit dem mittlerweile umstrittenen Tierpark.

Jetzt gelangt man langsam in den Einzugsbereich der Trave, die in nord-östlicher Richtung Kurs auf Travemünde nimmt. Vom Stadtteil Karlshof gelangt man am besten in das Naturschutzgebiet Schellbruch, einer Traveniederung mit seltenen Vogelarten. Der Schellbruch gehört zu den schönsten Naturgebieten, die in Lübeck zu finden sind. Viele Wege führen durch mannshohe Schilfflächen und Moore, entlang zahlreicher Seen und Wiesenniederungen. Besonders schön aber ist das Ufer direkt entlang der Trave, Segelboote ziehen vorbei oder mit etwas Glück ein riesiges Kreuzfahrtschiff auf dem Weg zum Kreuzfahrtterminal im Lübecker Hafen. Der sonst von Weiden und Schilf gesäumte Weg führt bis zum einstigen Fischerdorf Gothmund mit seinen liebevoll hergerichteten Reetdachhäusern.

Jenseits der Trave, nördlich des Stadtteils Kücknitz, dehnt sich das Blätterdach des Waldhusener Forst aus. Jetzt ist es nicht mehr weit nach Travemünde. Hier lockt der Kurpark zum Spazieren im Grünen. Landschaftlich weitaus reizvoller aber sind sowohl das Brodtener Steilufer als auch das Landschaftsschutzgebiet Priwall, das von Lübeck aus mit der Priwallfähre zu erreichen ist. Damit ist der nördlichste Zipfel Lübecks im "Grünen" erreicht.

Während, wie beschrieben, die Auswahl an Grünflächen im Osten und Norden Lübecks im Bereich der Trave und der Wakenitz groß ist, finden sich im Westen der Stadt erheblich weniger Möglichkeiten, Stunden im Grünen zu verbringen. Abgesehen von den Wallanlagen vor den Toren der Altstadt bietet der südlich gelegene Elbe-Lübeck-Kanal die reizvollsten Naturerlebnisse. Schon vom Klughafen aus begleitet den Kanal ein Uferweg, vorbei an der Büssauer Schleuse bis über die Stadtgrenzen von Lübeck hinaus. Auch diese Strecke ist ausgesprochen schön, denn abgesehen von der artenreichen Naturlandschaft rechts und links des Kanals sorgt das Gewässer immer wieder für Abwechslung - die Lübecker Rennruderer konkurrieren mit den Europabinnenschiffen um einen Platz auf der Wasserstraße.

Heike Baschant



Fahrradtour 1: Entlang der Wakenitz

Keine Angst, für die folgenden Touren braucht man keine großartige Biker-Erfahrung. Folgt man der Beschreibung, erreicht man allerdings wunderschöne Ausflugsziele, die man nicht immer mit dem Auto erreichen kann. Ausgestattet mit einer Luftpumpe, Proviant und guter Laune treten wir gemütlich in die Pedale.

Die Tour beginnt am Kohlmarkt, dem südlichen Teil des alten Marktplatzes. Wie man am Namen erkennt, diente dieser Platz dem damaligen Verkauf von Holzkohle. Wir steigen also jetzt auf das Rad und fahren entlang der Wahmstraße, Krähenstraße, Rehderbrücke, Moltkestrasse und Moltkebrücke. Hier im Stadtteil St. Jürgen biegen wir bei der ersten Querstraße rechts ab in die Elsässer Straße. Die im 19. Und 20. Jahrhundert in den Vorstädten entstandenen Villen waren an keinen Architekturstil gebunden. Man wollte im Grünen wohnen, die Natur genießen und sich mit Schönheit umgeben. In dieser Straße sind einige steinverwirklichte Träume zu bewundern. Ziemlich am Ende der Straße verweist ein Wegweiser rechts in den markierten Wanderweg. Diesem mit einem weißen X gekennzeichneten Weg folgen wir. Aber jetzt aufpassen! Hoffentlich funktionieren die Bremsen, sonst gibt es gleich eine Abkühlung in der Wakenitz, da der Weg ziemlich bergab führt. Beim Unterqueren der Wallbrechtbrücke wird es noch einmal etwas lauter. Diese Brücke bekam ihren Namen nach dem Baurat Wallbrecht, der für die "Deutsch-Nordische Handels- und Industrie-Ausstellung 1895", die Moltkebrücke auf seine Kosten bauen ließ und sein freies Feld auf Marli kostenlos zur Verfügung stellte. Jetzt umgibt uns erholsame Stille, aber bitte aufmerksam fahren, da die Strecke durch die Kleingärten sehr kurvenreich ist. Die ruhige und entspannende Atmosphäre läd durch Bänke und Wiesen zum Ausruhen ein. Man kann hier auch baden, die Uferbefestigung erschwert es aber, anschließend mühelos aus dem Wasser zu kommen. Hinter einer größeren Wiese führt der Weg nach links in eine Siedlung, und wir fahren erst rechts in die Straße "Am Schaar", sind aber an ihrem Ende wieder auf dem Wanderweg. Er führt uns auf den Kaninchenbergweg, wo wir nach links biegen und dann nach rechts in die Straße "Bei den Pappeln". Dieser Straße folgen wir, bis wir rechts eine Badeanstalt sehen. Jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wir nach Lübeck den gleichen Weg zurückradeln oder die kürzere Strecke über die Ratzeburger Allee nehmen. Dazu biegen wir nach Verlassen der Badeanstalt scharf rechts in den Wanderweg, fahren über die Brücke durch die Kleingärten und immer geradeaus, bis wir auf die Ratzeburger Landstraße treffen. Dort biegen wir nach rechts und sehen nach kurzer Zeit die sieben Türme Lübecks vor uns liegen.

Heike Gutzmann



Fahrradtour 2: Am Elbe-Lübeck-Kanal nach Krummesse

Wir starten am Holstentorplatz, biegen nach rechts in die Possehlstraße und fahren geradeaus, bis wir am Zebrastreifen rechts die Wielandbrücke sehen. Wir durchfahren die Wielandstraße, biegen nach links in die Lachswehralle und überqueren die Fahrbahn. Vor der Lachswehrbrücke geht es rechts hinunter zum Kanal und am Lübecker Bürgergarten "Auf der Lachswehr" vorbei. Ursprünglich war hier eine zum Fischfang errichtete Wehr. Das Grundstück wechselte häufig seinen Besitzer, doch erst im 17. Jahrhundert seine Funktion, da der Fischfang nicht mehr ergiebig war und sich nicht rentierte. 1695 wurde hier ein Kaffeehaus mit Garten errichtet, das sich zum Ausflugslokal der nicht ganz so finanzstarken Familien entwickelte. Das jetzige dort befindliche Haus wurde 1777 errichtet, und erst im 19. Jahrhundert wurde die mit Linden besäumte Allee mit Wohnhäusern bebaut. Wir folgen dem Wander- und Radweg, vorbei an Motorboot-Liegeplätzen und Kleingärten. An dem anderen Ufer liegt Genin und zum Wasser hinunter, rund um die Schienenstränge, war und ist Industrie angesiedelt. Weit sicht- und riechbar ist die Konservenfabrik Erasco. Also lieber schnell weiterradeln, über die Trave an Moisling vorbei, bis nach Krummesse. Unser Weg führt an Pappeln, Wiesen und Feldern vorbei, während am anderen Ufer viel Schilf oder vereinzelt gelegene Häuser auftauchen. Wir sehen die Schleusen am Elbe-Lübeck-Kanal, die noch heute einzigartig sind, denn die Energie zum Öffnen und Schließen, sowie zum Pumpen wird einzig und allein durch konzentriert geleiteten Wasserdruck erzeugt. So - in Krummessse angekommen, gibt es endlich eine wohlverdiente Pause. Ob am Kanal oder in der etwas höhergelegenen Ortschaft, die Auswahl an Kaffeehäusern ist gegeben. Aber ein Picknick bei schönem Wetter hat auch etwas für sich. Für den ungeübten Radfahrer wird als Rückweg die gleiche Strecke empfohlen. Wer allerdings noch fit und mit guten Fahrradkarten ausgestattet ist, der wagt die Tour durch den Kannen Bruch nach Rothenhausen und Oberbüssau. In Niederbüssau geht es wieder an den Elbe-Lübeck-Kanal und zurück nach Lübeck.

Heike Gutzmann



Joggingtour 1: Kleine Stadtrunde

Lübeck zu erleben und sich gleichzeitig fit zu halten, kann zu einem einmaligen Erlebnis werden, wenn man sich in den frühen Morgenstunden zu einem Lauf durch die noch schlafende Stadt entschließt. Es wird eine Tour beschrieben, die ohne große Schwierigkeiten zu durchlaufen ist, d.h. nur vereinzelt geringe Steigungen und wenig Asphalt beinhaltet, dafür aber viel Grün und klare Luft vorweist.

Diese Tour dauert ca. 40 Minuten und macht eine kleine Runde durch die Stadt: Die Tour beginnt an der Breite Straße und führt zunächst links in die Pfaffenstraße, weiter geradeaus in die Glockengießerstrasse und bis zu ihrem Ende. Hier überqueren wir die Straße und stehen am Wasser - oder korrekter gesagt - dem Klughafen. Dieser bekam seinen Namen nach dem Bürgermeister Dr. Heinrich Klug, der den vollendeten Elbe-Lübeck-Kanal am 16. Juni 1900 in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II., dem Schiffsverkehr übergab. Von hier führt ein Wanderweg nach rechts, die Straße lassen wir hinter uns und folgen dem künstlich angelegten Wasserlauf. Die erste Brücke, die wir unterqueren, ist die Hüxtertorbrücke. Sie wurde 1898 als Verbindung zwischen Stadt und Vororten angelegt. Nach wenigen Metern folgen dann die Rehderbrücke und die Mühlentorbrücke. Die vor uns liegenden Weg-Abzweigungen sind für uns ohne Bedeutung und wir folgen dem Wasserlauf. Jetzt erkennen wir rechts alte Mauerreste und einen Torbogen. Es sind die Ruinen des alten Kaiserturm, der zur Stadtbefestigung gehörte und auf dessen Restmauern man 1826 die heutige Fachschule für Seefahrt errichtete. Gegründet wurde die Navigationsschule im Jahre 1801. Mit der nächsten Brücke - der Wipperbrücke, einer ehemaligen Klappbrücke - verlassen wir nun den Stadtkern. Wir entdecken vor uns den alten Stadtwall mit der Freilichtbühne und genießen natürlich für einen Moment den schönen Blick auf den Mühlendamm und den Dom. Genug ausgeruht, wir laufen weiter am Wasser entlang - vor uns der weite Blick auf den Elbe-Lübeck-Kanal, die Anleger für Segel- und Motorboote sowie die Kleingärten. Hinter der Possehlbrücke sind wir von der Altstadt am weitesten entfernt, laufen vorbei an der kleinen Wielandbrücke, nähern uns jetzt der Wallbrücke. Wer mag, kann hier oben wieder eine kleine Verschnaufpause einlegen und sich an dem netten Ausblick auf die schmalbrüstigen Häuser der Strecknitzfahrer erfreuen. Mit viel Fantasie ausgestattet, riecht man vielleicht noch die Ladungen voll Salz auf den Kähnen, denn die Bewohner dieser Häuser fuhren von der Obertrave aus nach Lüneburg, um diese weiße Fracht nach Lübeck zu transportierten. Ok, jetzt aber weiter! Wir wenden uns nach links, um im Schatten der Bäume zu laufen und dem Rascheln der Blätter zu lauschen. Obwohl die Stadt erst langsam erwacht, ist es ein Erlebnis, hier ein Zentrum der Stille zu finden. Doch nähern wir uns der Puppenbrücke. Diese ehemals kleine, aufklappbare Holzbrücke musste wegen des hohen Verkehrsaufkommens erweitert und durch eine Betonbrücke ersetzt werden. Nach der Fertigstellung im Jahre 1773 wurde diese Brücke 1774 mit den "Puppen" bestückt. Die Ausführung dieser Skulpturen wurde - nach dem Entwurf des Stadtbaumeisters Soherr - dem Lübecker Bildhauer Dietrich Jürgen Boy übertragen.

Hinter dem Mövenpick Hotel laufen wir über den Parkplatz zwischen dem SAS Radisson Hotel und der Musik- und Kongresshalle und gelangen am Holstenhafen zu der Fußgängerbrücke, die wir überqueren. Die Stadt erwacht und wird lauter. Es wird Zeit, unsere kleine Morgentour zu beenden. Viele Brücken und schöne Eindrücke liegen hinter uns. Wir überqueren an der Ampel die Straße, laufen noch die Beckergrube hinauf und gelangen an unseren Ausgangspunkt - die Breite Straße. Ok, wie wäre es jetzt mit einem leckeren Frühstück in der Stadtbäckerei?

Heike Gutzmann



Joggingtour 2: Wakenitzlauf

Diese Tour dauert ca. 50 Minuten und könnte als Wakenitzlauf bezeichnet werden: Wer Lust hat, Fitness und Lübeckerkundung zu kombinieren, der kann sich jetzt zu dieser Tour aufmachen und seinen Lauf in der Breiten Straße beginnen. Wir biegen wir in die Pfaffenstraße ab, laufen geradeaus die Glockengießerstraße hinunter bis zum Wasser, und überqueren die Fußgängerbrücke. Hier erreichen wir die Straße An der Falkenwiese und gehen hinunter bis an die Wakenitz. Die Benennung dieser Wiese hat im Ursprung tatsächlich etwas mit Falken zu tun. Im Mittelalter wurden Jagdfalken auf dem freien Gelände vor dem Hüxtertor gehegt. Die Greifvögel waren wertvolle Handelsartikel sowie prachtvolle Geschenke an Fürsten und Könige. Vor dem Naturfreibad Falkenwiese biegen wir nach rechts. Seit dem Betreten der Falkenstraße und den angrenzenden Straßen, befinden wir uns im Stadtteil St. Jürgen. Der Heilige Jürgen war der Schutzpatron der Leprakranken und er symbolisiert den Sieg über das Böse (die Krankheit), der durch die Tötung des Drachens dargestellt wird. Also laufen wir jetzt unter der Obhut dieses Schutzpatrons ein kurzes Stück durch die Grünanlagen, dann die Straße bis hinauf zur Moltkebrücke, die ihren Namen zur Ehre des Feldmarschalls von Moltke erhielt, der seine Jugendjahre 1803 - 1809 in Lübeck verlebte und 1871 Ehrenbürger der Stadt wurde. Doch es geht weiter über die besagte Brücke und dann links bis zum Ende der Jürgen-Wullenwever-Straße. Diese Villenstraße mit Ausblick über die Wakenitz und die Innenstadt wurde 1894 auf hohem Gelände angelegt und nach dem Ratsherrn und Bürgermeister von 1533 benannt. Von hier biegen wir nach links ab, laufen dem Wasser entgegen und sehen hinter den Kleingärten ein gepflegtes, von Pappeln eingefasstes Rasenstück. Hier steht, hufeisenförmig über der Wakenitz angelegt, der mehrgeschossige Wohnblock "Tor der Hoffnung" - 1936 von Rudolf Groth erbaut und zum Teil auch finanziert. Ein Stückchen weiter liegt das Naturschwimmbad Marli - mit seinem kleinen Sandstrand ein beliebtes Badeziel für die Kinder auf Marli. Ach ja, dass man in Lübeck nicht in Marli, sondern "auf Marli" wohnt, hat schon einen besonderen Grund: 1754 hatte ein aus Frankreich stammender Kommandant der Lübecker Garnison dort einen Besitz gekauft und sein dort erbautes Sommerhaus mit dem parkartigen Garten nach seinem Heimatort Marly (nahe Paris) benannt. Seine Idee, dieses Anwesen mit mehreren Fischteichen und mit ca. 5000 zum Teil exotischen Bäumen zu einem Ausflugsziel der Lübecker zu machen, erwies sich als Fehlschlag und der Besitz musste nach seinem Tod zwangsversteigert werden. Verlassen wir also lieber den Ort der geschäftlichen Fehlinvestition und entfernen uns über die Laufstrecke vom Wasser, die nach links in die Roeckstraße übergeht. Diese wurde mal wieder nach einem Bürgermeister benannt und zwar nach dem 1869 verstorbenen Dr. Karl Ludwig Roeck. Nahe der Haus-Nr. 50 entdecken wir das alte Steinkreuz der früheren Wegegabelung, an der die Landstraße nach Mecklenburg abzweigte. Es diente den Pilgern des 14. und 15. Jahrhunderts als Wegweiser zum Wallfahrtsort Wilsnach in der Priegnitz. Übrigens befinden wir uns jetzt im Stadtteil St. Gertrud, und Freunde der Architektur können hier die unterschiedlichsten Stilepochen in der Hausbaukunst bewundern. Auf der rechten Seite liegt der Stadtpark, der zum Entspannen einlädt. Am Ende der Straße treffen wir auf den Gustav-Radbruch-Platz, an dem sich ein zentraler Busbahnhof befindet. Wer müde ist, fährt die zwei Stationen bis zur Innenstadt und wird sich wie jeder andere die Frage stellen, ob der Bus überhaupt durch das schmale Burgtor passt. Doch wer sich nicht unterkriegen lässt, schafft auch den letzten Rest der Strecke, läuft durch das Burgtor die Große Petersgrube hinauf bis zum Koberg. Noch ein kleines Stück und schon sind wir bei der Stadtbäckerei, wo leckere Brötchen zur Belohnung für unser Durchhalten auf uns warten...



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