Allgemeines

Lübeck, einst "Königin der Hanse", präsentiert sich heute als moderne Stadt in alten Gemäuern. Sie kann berechtigt stolz darauf sein, dass Teile ihrer Altstadt als weitgehend intaktes Ensemble aus Kirchen, giebelständigen Kaufmannshäusern, Speichern und Gruben von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurden. "Weltliteratur im Weltkulturgut"- mit diesem Slogan bringt man die Kulturschätze Lübecks gerne auf einen Nenner, denn durch Lübecks Altstadt streift nicht nur noch der Geist der alten Hansezeit, hier spazieren auch Romanfiguren der Weltliteratur wie Professor Unrat, Tonio Kröger, Familie Buddenbrook. Neben Thomas und Heinrich Mann, die ohne Zweifel zu den berühmtesten Söhnen der Stadt gehören, haben viele Künstler im Laufe der Jahrhunderte in Lübeck gewirkt: Der Maler und Bildhauer Bernd Notke, der Organist Dietrich Buxtehude, die Schriftstellerin Ida Boy-Ed, der Dichter Emanuel Geibel und nicht zuletzt Günter Grass, der erst kürzlich den Literaturnobelpreis erlangte. Der Politiker und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt bekannte sich zu der Stadt in der er 1913 geboren wurde mit den Worten: "Ich trug immer ein Stück Lübeck in mir, wohin ich auch verschlagen wurde."

Das Herz Lübecks, ist die Altstadt, umschlossen von der Trave im Westen und der Wakenitz im Osten. Die vielen engen Straßen und Gruben werden gesäumt von alten Bürgerhäusern mit roter Backstein- oder Putzfassade und markanten Treppen-, Schweif- und Plattgiebeln, in denen das Leben pulsiert: Die Altstadt ist kein verklärtes Vorzeigeobjekt für Touristen, sie ist kulturelles, politisches und gesellschaftliches Zentrum. Das imposante Rathaus ist noch immer in Gebrauch, hier tagt der Senat, hier finden die Sitzung der Bürgerschaft statt. In der sich anschließenden verkehrsberuhigten Zone liegen die von denkmalgeschützten Bürgerhäusern aus Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus gesäumten beliebten Einkaufsstraßen. Die Altstadt birgt sämtliche Hauptkirchen, deren 7 Türme schon im frühen Mittelalter vom Wohlstand Lübecks kündeten und noch heute die Silhouette der Stadt bestimmen: St. Marien, der Dom, St. Petri, St. Aegidien, St. Jakobi. Auch die von reichen Lübecker Kaufleuten gegründeten Stiftshöfe gehören zum Stadtbild und sind beliebt wie eh und je. Neben alleinstehenden älteren Damen halten Studenten hier in jüngster Zeit gerne Einzug, wenngleich auch der allsommerliche "Einfall" der Touristen gelegentlich als störend empfunden wird. Alle bedeutenden Museen sind über die Altstadt verteilt: Das St. Annen Museum, das Behnhaus, die Museumskirche St. Katherinen, das Buddenbrookhaus, die Völkerkundesammlung, das Museum für Natur- und Umwelt, das Museum für Puppentheater und das Holstentor. Die vielen weiterführenden Schulen Lübecks sind in der Altstadt konzentriert, und auch abends zieht es die Lübecker in vielerlei Hinsicht in die Altstadt, denn hier liegen nicht nur die bekanntesten Lübecker Theater, wie das alte Stadttheater mit Jugendstilfassade, das Theater Combinale und das Theater Partout, sondern auch Lübecks Kinos und mehrere Lübecker Diskotheken wie die Red Zone, das Body & Soul und das Hüx. Die alten Bürgerhäuser bergen beliebte Kneipen und Restaurants - von der traditionsreichen Schiffergesellschaft im alten Gildehaus der Schiffer, bis hin zur einfachen Pizzeria. Der zur Altstadt gehörende Koberg im Norden der Stadt ist von prachtvollen Bauten wie dem Heiligen-Geist-Hospital, St. Jacobi, schönen Bürgerhäusern mit Restauration und der Schiffergesellschaft umgeben. Trotz großer Bemühungen und neuer aber umstrittener Gestaltung wurde er von der Bevölkerung nicht angenommen und ist daher nicht sehr belebt. Lebendiger gestaltet sich der Malerwinkel unterhalb des Doms mit seinen vielen schmalen, renovierten Gängen und Höfen und den besonders im Sommer stark frequentierten Kneipen und Restaurants, die sich an der Obertrave entlang ziehen. Die Besucher wissen um die geschützte Lage, die es ihnen gestattet, die ersten warmen Sonnenstrahlen hier zu genießen. Die Musikhochschule hielt vor ein paar Jahren Einzug und nicht selten dringen wohlklingende Konzerte aus den offenen Fenstern. Architekturliebhaber geraten beim Anblick der Großen Petersgrube ins Schwärmen, sind hier doch auf engstem Raum Musterbeispiele nordeuropäischer Stadtbaukunst aus Gotik, Barock, Rokoko, Spätbarock und Klassizismus vertreten. An der Holstenbrücke, gegenüber der alten Salzspeicher, legen die Schiffe zur Kanal- , Stadt- und Hafenrundfahrt ab.

In jüngster Zeit besinnt man sich des schönen Lübecker Hafens zwischen Holstentorbrücke und Hubbrücke, in dem die Oldtimer Segelboote ein wenig an die Zeiten erinnern, als die mächtigen Hansekoggen hier festmachten, um ihre Fracht aufzunehmen oder in die angrenzenden Speicher zu entladen. Hier schlug das Herz der Königin der Hanse, hier lagen die Wurzeln für Wohlstand und Macht. Der Handel hat sich zwar in andere Hafenbecken verlagert, geblieben sind aber die schönen alten Lagerhäuser, die ein besonderes Ambiente verbreiten. Am Anleger Drehbrücke starten die Schiffe nach Travemünde. Der Lübecker Hafen ist sowohl Kulisse für das Altstadtfest als auch für die jüngste Tochter der Love-Parade in Berlin, die Friendship-Party in Lübeck.

Die der Altstadt im Westen gegenüberliegende Wallhalbinsel zwischen Stadtgraben und Stadttrave ist zweigeteilt. Während sich im südlichen Bereich im Anschluß an die Wallanlagen mit der Freilichtbühne die großen Hotels SAS Radisson Senator Hotel und Mövenpick Hotel eine ideale Lage gesichert haben und die Musik- und Kongresshalle die Alternative Szene -"Walli" - verdrängt hat, befinden sich im nördlichen Bereich die alten roten Lagerschuppen am Wallhafen und Hansahafen, an dem vorwiegend Holz verladen wird und dessen Zukunft gerade aufgrund der prädestinierten Lage vis-a-vis der Altstadt verhalten diskutiert wird.

Jenseits der Wallanlagen schließt sich der Stadtteil St. Lorenz an, der noch einmal in die Stadtteile St. Lorenz Nord und St. Lorenz Süd gegliedert ist. St. Lorenz Nord breitet sich beiderseits der Autobahn hinter dem Bahnhof aus. Es ist ein einfaches Wohnviertel in dem besonders im Bereich der Trave und dem westlichen Stadthafen (Nordlandkai) Industrien angesiedelt sind. Wie ein Relikt aus vergangener Zeit hebt sich das ehemalige Küselsche Sommerhaus von 1756 ab, das als prächtige Sommerresidenz der früheren Vorstadt erhalten geblieben ist. Im Bereich der Lohmühle finden sich viele große Baumärkte und der Sportplatz, Austragungsort der populärsten Fußballspiele.

St. Lorenz Süd, von der Struktur ähnlich wie St. Lorenz Nord, dehnt sich dort aus, wo einst die Lübecker Gärtnereien vor den Toren der Stadt Gemüse und Sträucher anbauten. Seit 1892 haben die Dräger Werke hier ihren Stammsitz. Viele Versicherungen haben sich bis hin zum Hauptbahnhof und dem ZOB angesiedelt. Kürzlich verlegte auch die IHK Lübeck ihren Sitz hierher.

Weiter südlich schließt sich der Stadtteil Buntekuh an, der seinen Namen von den braun-weiß gescheckten Kühen erhielt, die hier noch vor dem Zweiten Weltkrieg grasten. Heute befinden sich auf der zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche kompakte Hochhausanlagen, große Einkaufszentren und ein ausgedehntes Industriegebiet mit Autobahnanschluss.

Lübeck Moisling, im wesentlichen ein Gewerbegebiet zwischen Trave und Elbe-Lübeck-Kanal im Südwesten der Stadt, umfaßt auch die Dörfer Genin, Niendorf (Herrenhaus um 1760), Moorgarten und Reecke. Der Jüdische Friedhof, der die NS-Zeit relativ unbeschadet überstanden hat, bezeugt, dass dieses Gebiet Siedlungsgebiet jüdischer Familien war.

Im Südosten der Stadt, zwischen Wakenitz und Elbe-Lübeck Kanal, liegt einer der beliebtesten und nobelsten Stadtteile Lübecks: St. Jürgen. Im Bereich Hüxtertor und Mühlentor, besonders aber zwischen St. Jürgenring und Ratzeburger Allee, befindet sich ein verhältnismäßig geschlossener Komplex aus Vorstadtvillen, die nach Öffnung der Stadttore im Jahre 1884 dort erbaut wurden. Aufgrund der Bürgerinitiativen "Rettet St. Jürgen und St. Georg" sind die herrschaftlichen Häuser erhalten geblieben, deren klassizistisch gestalteten Fassaden von der architektonischen Vielfalt der Gründerzeit zeugen. Hier befindet sich auch das 1804 für den Kunstmäzen Dr. Max Linde vom dänischen Architekten Joseph Christian Lillie gebaute palaisartige Sommerhaus, heute Standesamt. Schräg gegenüber liegt die kleine St. Jürgen Kapelle mit dem alten baumbestandenen Friedhof. Am Brink liegt einer der beliebtesten Wochenmärkte Lübecks, der Käufer aus dem gesamten Stadtgebiet anzieht. Im Süden St. Jürgens, an der Ratzeburger Allee, liegt die Medizinische Universität, und nicht weit entfernt am Mökhofer Weg findet sich die Fachhochschule Lübeck. Auch das Krankenhaus Süd befindet sich in unmittelbarer Nähe. St. Jürgen schließt die Dörfer Oberbüssau, Kronsforde und Teile von Krummesse mit ein.

Die Wakenitz bildet die Grenze zum Stadtteil St. Gertrud, einem sehr grünen Stadtteil, der im Bereich des Stadtparks eine ähnliche Struktur aufweist, wie das Villenviertel in St. Jürgen. Auch diese vom Klassizismus und Jugendstil geprägten Häuser entstanden vor den Toren der Stadt, als Wohnraum knapp wurde und die reiche Bevölkerungsschicht ins Grüne zog. Um den Stadtpark gruppieren sich ebenso gründerzeitliche Villen wie auch entlang der Roeckstraße und dem Burgfeld. Hier liegt das Lübecker Amtsgericht, so dass sich in den angrenzenden Straßen viele Anwaltskanzleien niedergelassen haben und die Mietpreise in die Höhe schnellen. St. Gertrud ist nicht nur Wohn-, sondern auch Erholungsgebiet: Schellbruch, Wesloer Tannen, Lauer Holz, Wakenitzbereiche, Drägerpark und Gothmund sind diesem grünen Stadtteil zuzuordnen. Nord-östlich des Stadtparks liegt der Volksfestplatz, auf dem alljährlich die Jahrmärkte stattfinden und der Circus gastiert.

Ganz im Nord-Osten Lübecks, dort wo einst die Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik verlief, liegt der Stadtteil Schlutup, ursprünglich ein Fischerdorf. Schlutup präsentiert sich heute als Wohn- und Industrieort. Der alte Stadtkern gruppiert sich um die gotische St. Andreas Kirche von 1436. Am Fischereihafen haben sich fischverarbeitende Betriebe angesiedelt. Der nicht zuletzt durch die Grenze vernachlässigte Stadtteil hat mit der Grenzöffnung neue Impulse erhalten, leidet aber auch erheblich unter der Zunahme des Verkehrsaufkommens. 1993 wurde der Hafen um den Schweden Terminal für Forstprodukte erweitert.

Am gegenüberliegenden Traveufer jenseits des Schlutuper Hafens liegt Kücknitz, Standort der Flender Werft (Schiffbau und Reparatur) und der Keramischen Werke von Villeroy & Boch im Bezirk Dänischburg. Kücknitz zeichnet sich durch die umfangreichen Neubautätigkeiten aus, die nach dem Zweiten Weltkrieg voran getrieben wurden und in deren Zuge die umliegenden Dörfer Rangenberg, Herrenwyk und Dummersdorf aufgesogen wurden. Sehenswert in Kücknitz ist zum einen die Geschichtswerkstatt Herrenwyk und zum anderen das Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer.

Travemünde, Lübecks nördlichster Stadtteil, wird gerne als Lübecks "schönste Tochter" bezeichnet, deren Vorzüge schon Thomas Mann zu genießen wusste. Das Tor zum Norden besteht aus dem alten Teil Travemünde Stadt mit den historischen Häusern um die St. Lorenz Backsteinkirche sowie dem Fischereihafen und dem Kurviertel Travemünder Strand. Eine Promenade führt am Traveufer entlang, vorbei am alten Leuchtturm und dem Yachthafen mit den hölzernen Brücken bis zum Ostseestrand und weiter bis zum Brodtener Steilufer. Bei einer Prise Seeluft passiert man auf der Strandpromenade das Kurhaushotel, das alte wunderschöne Casino und den Brügmann-Garten mit seinem Konzertpavillon. Langweilig ist es in Travemünde nie, denn egal ob aus dem Strandkorb oder von der Promenade, immer genießt man einen Logenblick auf die sich in die Trave zwängenden riesigen Fährschiffe, die zum Greifen nah mit Kurs auf den Skandinavienkai vorbei gleiten. Auf der gegenüberliegenden Halbinsel Priwall ragen die vier Masten der 1911 gebauten Passat an der Mole dekorativ in den Himmel.

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