Geschichte

Die Gründung San Franciscos San Franciscos 223 Jahre alter Geschichte europäischer Besetzung gehen ungezählte Jahrtausende der Besiedlung durch amerikanische Ureinwohner voraus — und 230 Jahre erfolgloser Versuche europäischer Erforscher, die Bay zu finden.

Vor dem Eintreffen der Europäer lebten die Miwok Indianer im Norden und die Ohlones im Süden friedlich beieinander. Sie ernährten sich von den essbaren Pflanzen des Bay-Gebietes sowie von Fisch und Wild. Ihre Körbe und Boote belegen, dass sie geschickte Weber waren. (Das in der Nähe des Besucherzentrums Bear Valley, am Point Reyes National Seashore im Marin County nachgestaltete Dorf Kule Loklo Miwok gewährt dem Besucher eine Einsicht in die Lebensgewohnheiten der Indianer.)

Die Ankunft des Weißen Mannes wurde um zwei Jahrhunderte hinausgezögert, da Cabrillo, Drake (der 1579 bei Point Reyes an Land ging), Cermeño und Vizcaíno am Goldenen Tor vorbeifuhren, ohne die San Francisco Bay zu sehen. Erst bei einer Überlandexpedition von Don Gaspar de Portolá im Jahr 1770 kam die Bucht zum ersten Mal Europäern zu Gesicht. Im März 1776 gründete Kapitän Juan Bautista de Anza das Presidio und die Mission im damals noch unbenannten San Francisco.

Die spanische Präsenz an der Mission San Francisco de Asis (jetzt das Mission Dolores — 1791 fertiggestellt und bei Weitem das älteste Gebäude der Stadt) und am Presidio, fünf Kilometer entfernt, hat die folgenden Jahre über nicht viel gebracht. Als Ergebnis der Revolution von 1821 in Mexiko wurde 1833 das Gesetz zur Säkularisierung (Verweltlichung) eingeführt, was zum Ende der Missionsperiode führte. Die Mission Dolores ließ man in einen irreparablen Zustand verfallen, und die mexikanische Präsenz im Presidio ging so gut wie verloren. Umgestaltungen und Krankheiten hatten wesentlich zur Zerstörung der Kultur der Miwoks und Ohlones beigetragen; zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten praktisch keine Ureinwohner mehr im Bay-Gebiet.

Bei seinem Besuch der San Francisco Bay im Jahr 1792 hat der britische Erforscher George Vancouver einen geschützten Ankerplatz östlich des Presidio entdeckt, der von den Spaniern nach den süßlich duftenden Gräsern, die im Gebiet des jetzigen Telegraph Hill wuchsen, als Yerba Buena bezeichnet wurde. Vancouver hat hier ein Zelt aufgestellt und zurückgelassen — den Kern des späteren Yerba Buena, einer kleinen, aber Englisch sprechenden Gemeinde, die weder den spanischen noch den mexikanischen Behörden unterstand. Mit dem mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1846 gerieten das Presidio und Yerba Buena unter amerikanische Kontrolle.

Der Goldrausch 1847 wurde Yerba Buena, das damals etwa 1.000 Einwohner zählte, in San Francisco umbenannt. Im Januar des darauffolgenden Jahres wurde am Sutter's Mill Gold entdeckt, was anfänglich nur wenig Aufsehen verursachte. Man überließ es Zeitungsverleger und Kaufmann Sam Brannan, der versuchte, den Umsatz seines Haushalts- und Eisenwarengeschäfts in der Sacramento Street zu steigern, den Goldrausch auszulösen. Er schwenkte eine mit Goldstückchen gefüllte Flasche auf dem Portsmouth Square und schrie: "Gold! Gold! Gold aus dem American River!" Nach ein oder zwei Jahren war Brannan Millionär.

In den kommenden Jahren kamen einhundert Tausend "Forty-Niners" aus allen Teilen der Welt nach San Francisco — fast alle von ihnen, um Gold zu suchen. Franzosen, Chilenen, Basken und Italiener brachten ihre Rezepte in die vielen, von den fahrenden Goldgräbern bevorzugten Restaurants. Bis zum heutigen Tage ist San Francisco eine renommierte Restaurantstadt geblieben.

Die ersten Goldsucher machten gutes Geld, noch mehr aber verdienten die Händler und Lieferanten San Franciscos. Die Preisentwicklung war selbst heutigen Normen zufolge unglaublich inflationär: Eier wurden für einen ganzen Dollar und Äpfel für anderthalb Dollar das Stück verkauft. Gerüchten zufolge tauschten manche Goldsucher ihren Goldstaub gegen dieselbe Menge Whiskey ein.

Brannans Bekanntgabe hatte zur Folge, dass 1848 die meisten Einwohner San Francisco verließen, und die meisten Forty-Niner blieben nur kurze Zeit, um sich mit Spitzhacken und Schaufeln einzudecken, bevor sie in die Berge zogen. Jede Woche kam eine Unmenge Segelschiffe in San Francisco an — und die Besatzungen, Offiziere und Kapitäne eilten ihren Passagieren zu den Goldlagerstätten nach. Bei der Suche nach Baumaterialien für Häuser zur Unterbringung der Bevölkerung, die wie Pilze aus dem Boden schoss, begann man, die verlassenen Schiffe zu zerlegen, die aneinander gebunden buchstäblich die Bucht verstopft hatten. Die zu Beginn in San Francisco verwendeten Pflastersteine waren ursprünglich der Ballast von diesen Schiffen — dieselben Steine, die heutzutage unter den Gehsteig- und Straßendecken eines großen Teils des Stadtzentrums von San Francisco liegen. Einige der verlassenen Schiffe wurden zur Geländeauffüllung komplett für ein Gebiet, das jetzt der Finanzbezirk ist, vergraben.

Das Leben in San Francisco in den Jahren um 1850 war gefährlich. Morden war an der Tagesordnung, und die Mischung aus Holz- bzw. Stoffgebäuden, Walöl-Lampen und rowdyhaften Goldsucher-Gangs, häufig betrunken, war explosiv. Viele Male brannte das Zentrum von San Francisco fast bis zum Boden nieder.

Der Gold Rush wirkte sich aber auch auf die gesamte Wirtschaft Nord- und Mittelkaliforniens aus. Kaliforniens Landwirtschaft und Holzindustrie, die einen Großteil des übrigen Landes versorgen, entstanden als Entgegnung auf die Goldsucherbewegung und schufen ein blühendes San Francisco. Zu Beginn der Fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts hatten sich San Franciscos Banken zu den mächtigsten im Westen entwickelt und sind es bis heute geblieben.

Die Jahre des Aufschwungs und die Barbary Coast Spätestens 1854 waren die reichsten Stätten in den Goldfeldern erschöpft. San Francisco versank in einer Wirtschaftskrise, aus der es sich erst mit der Entdeckung der Comstock Silbermine im Westen Nevadas 1860 erholen sollte. Von 1863 bis 1877 förderte die Comstock Mine Silber im Wert von über $ 300 Mio., eine Summe, die fast ausschließlich in San Francisco, dem Handels- und Bankenzentrum der Region, anstatt in Nevada landete. Erst dieser Boom, größer und länger anhaltend als der kalifornische Gold Rush, machte aus San Francisco eine echte Stadt und aus einigen ihrer Bewohner Millionäre. Comstock "Bonanza Kings", wie James Flood, dessen Haus inzwischen der elegante Pacific Union Club ist, haben Villen auf dem Nob Hill bauen lassen. Stoffhändler Levi Strauss schuf ein Bekleidungsimperium, indem er Hosen für Goldsucher aus Stoffresten von Zelten nähte.

Doch niemand konnte den "Big Four" das Wasser reichen: Charles Crocker, Mark Hopkins, Collis P. Huntington und Leland Stanford, Kaufleute aus Sacramento, die das Startkapital für die Central Pacific Railroad gaben, haben dadurch die Kontrolle über den Eisenbahnverkehr in Nord- und Mittelkalifornien übernommen, und damit einen Großteil der Wirtschaft der Region. Sie besaßen sogar die Fähren, die Straßenbahnen der San Francisco Bay und in San Francisco und die Drahtseilbahnen. Obwohl ihre palastartigen Villen auf dem Nob Hill heute nicht mehr erhalten sind, leben ihre Namen in den besten Hotels San Franciscos, in Geschäften und natürlich im Bildungswesen weiter.

Die wilde, unzähmbare Barbary Coast hat alle Höhen und Tiefen San Franciscos miterlebt. Die Stadt erwarb zu Recht den Ruf als Lasterhöhle jeglicher Art. Bordelle, Spielhallen und chinesische Opiumhöhlen waren überall am östlichen Ufer der Stadt zu finden, und ahnungslose Gäste wurden durch Tricks häufig als Seeleute eingestellt. Die Überreste der skandalösen "Tanzrevuen" an der Barbary Coast sind auch heute noch in den allmählich aussterbenden Stripbars am Broadway (North Beach) zu sehen.

Die Chinesen, die zunächst als Goldgräber und später als Eisenbahn-Bauarbeiter nach Kalifornien kamen, machten 1875 zwanzig Prozent der Bevölkerung von San Francisco aus. Sie standen nicht nur Diskriminierung und repressiven Gesetzen gegenüber, sondern - Ende der 70-er und 80-er Jahre des 19. Jahrhunderts - auch Bandenüberfällen, wie dem von William T. Colemans "Pickhandle Brigade." Der anti-chinesisch eingestellte Demagoge Denis Kearney erlangte in diesem Zeitraum ungeheure Macht. Das 1882 erlassene Bundesgesetz über den Ausschluss chinesischer Bürger blieb, sage und schreibe, bis 1943 in Kraft.

Das Erdbeben und Feuer von 1906 Am frühen Morgen des 18. April 1906 wurde San Francisco von einem Erdbeben heimgesucht, dessen Stärke ca. 8,1 auf der Richterskala entsprach. Hierbei wurden Hunderte von Gebäuden zerstört. Aufgrund zerborstener Hauptgasleitungen breitete sich durch die Stadt ein Feuer aus, das noch weitaus mehr Schaden anrichtete, als das Erdbeben selbst. Zwar wurden hierbei „nur“ etwa 500 Personen getötet, weitere 100.000 wurden aber obdachlos. Ihnen blieb nichts weiter übrig, als auf die Fähren zu flüchten und ihre Stadt von den Oakland Hills abbrennen zu sehen, oder in eine Zeltstadt zu gehen, die 20.000 Obdachlose aufnahm und im jetzigen Golden Gate Park lag.

Nach dem Erdbeben und Feuer wurde die Stadt rasch wieder aufgebaut - wie der Phönix, der auf der Flagge von San Francisco aus der Asche aufsteigt. In ihrer Triumphfeier gegenüber den Unbilden der Natur war San Francisco 1915 Austragungsstätte der Panama Pacific International Exposition, einer glänzenden Architektur-Phantasie auf 250 Hektar Fläche, die heutzutage der Marina District ist. Schon kurze Zeit nach dem großartigen Erfolg der Ausstellung wurden - mit Ausnahme des Kuppel-Pavillons des Palastes der bildenden Künste (Standort des Exploratoriums) - ihre mit Stahl verstärkten Gipswand-Gebäude mit Bulldozern dem Boden gleichgemacht. Die grandiose, ebenfalls mit einer Kuppel versehene City Hall (die erst vor Kurzem umfassend und verschwenderisch restauriert wurde) wurde 1915 dem Civic Center zugesprochen.

1920 wurden erste Pläne zum Bau von Brücken vorgelegt, die San Francisco mit der East Bay und Marin verbinden sollten. Schließlich begann man zu Beginn der 30-er Jahre die Arbeiten an der Bay Bridge, die 1936 eröffnet wurde, und 1937 an der Golden Gate Bridge.

Die wilden Zwanziger waren, wie man sich vorstellen kann, ein aufregender Zeitraum in San Francisco. Selbst die Prohibition konnte nicht die Stimmung der an der Barbary Coast gegründeten Stadt eindämmen. Schriftsteller, wie Dashiell Hammett, William Saroyan und John dos Passos, waren zu jenem Zeitpunkt Teil einer blühenden Literatur- und Kunstszene in San Francisco.

Beat und Hippies Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich in San Francisco zahlreiche ehemalige amerikanische Soldaten nieder, von denen viele auf ihrem Weg zum oder vom Pazifik durch die Stadt gekommen waren. Hierdurch sah sich die Regierung gezwungen, den Bau eines riesigen neuen Wohngebiets, des Sunset District, zu veranlassen - eines Gebietes, das zuvor lediglich aus kilometerweiten Sanddünen bestand. Allen Ginsberg, Jack Kerouac, Gary Snyder, Lawrence Ferlinghetti sowie andere junge Schriftsteller und Denker, die einer Richtung angehörten, die später als die Beat-Generation bekannt werden sollte, ließen sich in den Cafes und Bars am North Beach nieder und setzten die literarische Arbeit der Stadt, künstlerischer Tradition entsprechend, fort — wenn auch in einer verträumten, durch Drogen und Jazz beeinflussten Welt. Steigende Mietpreise am North Beach zwangen die Beatniks (ein vom Kolumnisten des San Francisco Chronicle, Herb Caen geprägter Begriff) zum Umzug in die viktorianischen Häuser in Haight Ashbury, wo ihre Grenzen überschreitende Prosa bereits eine neue Bewegung langhaariger, junger, kultureller Einzelgänger inspiriert hatte.

Diese von den Beats (die solche Anhänger als junge Beat-Möchtegerne sahen) spöttisch als "Hippies" titulierte Gruppe führte ihre kulturellen und psychischen Erkundungen mit Hilfe von LSD, einem kurze Zeit zuvor synthetisierten Halluzinogen, in unterschiedliche Extreme. Bands wie Grateful Dead und Jefferson Airplane schrieben den Soundtrack zu "tune in, turn on, and drop out", und der Summer of Love des Jahres 1967 zog über 100.000 junge Leute zum Haight.

Die Flower Power begann immer stärker in Form politischer Unruhen auszuarten: Demonstrationen und selbst Revolten an der San Francisco State University und noch verstärkt an der University of California, Berkeley, standen auf der Tagesordnung. "Peace and love" begann eine Fahrt in den Abgrund. Auf einem Rolling Stones-Konzert 1968 in Altamont Pass, östlich von Berkeley, haben Mitglieder der Motorradgang Hells Angels, die als Sicherheitskräfte eingesetzt waren, einen Fan in einem brutalen Handgemenge vor laufenden Filmkameras getötet.

Die moderne Ära In den 70-er Jahren begann San Franciscos Gay-Kommune, sich mit stärkerem Selbstbewusstsein zu outen und durchzusetzen. Beispielsweise wurde Supervisor Harvey Milk gewählt, der einzige Politiker der Nation, der sich offen zur Homosexualität bekannte. 1978 wurden Milk, wie auch Bürgermeister George Moscone, vom früheren Supervisor Dan White ermordet. Whites anschließende Verurteilung für lediglich Totschlag führte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen aufgebrachte Gays und ihre Anhänger beispielsweise vor der City Hall in der "Weißen Nacht" Polizeiautos abgebrannt haben.

In den 80-er Jahren zog in die Gay-Gemeinde der Schrecken der AIDS-Epidemie ein. Obwohl sich die Krankheit nicht stärker auszubreiten scheint und wirksamere Medikamente das Leben der Betroffenen verlängern können, werden im Castro verstärkt Informationen zur Warnung vor der Krankheit und zur Unterstützung der Betroffenen veröffentlicht.

1989, gerade zu dem Zeitpunkt, als so ziemlich alle im Bay-Gebiet das dritte Spiel der San Francisco Giants gegen Oakland Athletics im World-Cup verfolgten, wurde der Bereich vom Erdbeben Loma Prieta, das der Stärke 7,1 entsprach, heimgesucht. Die Überreste dieses Bebens sind auch heute noch zu spüren, denn irreparable Schäden an wichtigen Abschnitten der Autobahn verursachen an manchen Stellen beträchtliche Probleme im Straßenverkehr San Franciscos.

Heutzutage hat der elegante, mächtige Bürgermeister Willie Brown den Vorsitz über eine Stadt voller Extreme. Die Magie eines blühenden Downtown-Geschäftssektors, explosive neue dot.com-Geschäfte südlich des Marktes und ein Immobilien-Boom im südlichen Korridor der Stadt scheinen allerdings nicht genug zu sein, um die Bedenken zu zerstreuen, die hinsichtlich einer ständig zunehmenden Zahl Obdachloser und erheblicher Probleme im öffentlichen Transportnetz der Stadt, der MUNI, bestehen.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in San Franciscos Wirtschaft jedoch ist größer als je zuvor, und die 725.000 Einwohner und Millionen von Besuchern, die diese Stadt lieben, könnten es nur schwer verstehen, wenn der Glanz des enormen Charmes der City am Bay geschmälert würde.

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