Fährt man den 395 von Miami Beach, hat man einen faszinierenden Blick auf die Umrisse der Innenstadt, vor dem Hintergrund des tropischen Meeres und des blauen Himmels. Es scheint unvorstellbar, dass noch vor nur etwa 100 Jahren sich hier eine Sumpflandschaft, voll Stechmücken, ausbreitete. In dieser kurzen Zeit ist hier eine lebendige, moderne Stadt entstanden, ein Zentrum internationalen Businesses, Tourismus, Mode und Nachtleben.
Lange bevor die schicken Straßencafes des Groves in Mode kamen, oder die pastell farbenen Gebäude des Künstlerviertels entstanden, lebten hier die Tequesta Indianer für etwa 2 000 Jahre. Im Jahre 1567, als die Gegend noch unter dem Namen Mayaimi bekannt war, bauten die Spanier ein Kloster. Dennoch blieb es hier still und abgeschlossen bis in das Jahr 1821, als Florida sich den amerikanischen Staaten anschloss. Hunderte von Pionieren ließen sich entlang des Miami River nieder, allerdings konnte es ohne eine gute Landverbindung nach Norden kein schnelles Wachstum geben.
Motiviert durch eine Erleuchtung, oder einfach das wirkliche Potential dieser Region erkennend, überzeugte die Pioniersfrau Julia Tuttle den Magnaten Henry Flagler, die Eisenbahnstrecke, die er baute, zu verlängern. Im Jahre 1896 öffnete die Fertigstellung der „Florida East Coast Railroad“ für Miami die Tür zum Rest der Vereinigten Staaten. Dies war die Geburt einer neuen Stadt.
Flagler eröffnete eines der ersten Luxushotels in Miami, das Royal Palm, sein Erfolg regte andere an das Gleiche zu tun. In den 1910ern, verwandelten John S. Collins und Carl F. Fisher den Mangrovensumpf, durch ein ehrgeiziges Immobilienprojekt, in das heutige Miami Beach. Etwa 10 Jahre später, gründete George E. Merrick das sehr gut geplante Wohngebiet von Coral Gables, mit Marktplätzen, Springbrunnen, spanischen Straßennamen - eingemeißelt in weiße Steine, breiten Gehwegen und schattenspendenden Eichen. Als Ergänzung zu der Wohngegend, gründete Merrick das elegante Biltmore Hotel, kunstvoll in Mittelmeerstil erbaut.
Andere dagegen, bevorzugten es ihr Geld in ihre eigenen Besitze zu investieren. James Deering baute seine, im Stil des 16.Jahrhunderts entworfene, auserlesene, italienische Vizcaya Museum and Gardens direkt an der Bucht und füllte dieses architektonische Meisterwerk mit einer Kunstsammlung.
Auf die 20er Jahre schaut man zurück, als die Zeit der Verschwendung und des prahlerischen Lebensstils. Ein plötzlicher Anstieg der Grundstückspreise und der Einfluss von Kapitalanlagen, brachte Miami in eine Zeit des Überflusses. Die Einwohnerzahl wuchs, der Einfluss einer neuen Kunstrichtung, brachte eine besondere Würze nach Miami Beach. Gerade als Miami begann, seinen Reichtum zu genießen, wurde alles durch einen extremen wirtschaftlichen Zusammenbruch (bekannt als die Depression), und zweier verheerender Hurricans, vorübergehend zum Stillstand gebracht.
Zwischen 1940 und 1950 wurde Miami zur Heimat für Soldaten, die in den Ausbildungslagern der Stadt lebten. Schon immer dafür bekannt, die verschiedensten und ausgefallensten Menschentypen anzuziehen, wurde Miami zum Wohnort des berühmt berüchtigten Al Capone. Während der folgenden 10 Jahre wuchs der Tourismus beständig. Die weißen Sandstrände und das warme Klima boten sich geradezu für einen Winterurlaub an. In dieser Zeit war Miami immer noch hauptsächlich ein Touristentreffpunkt, der noch nicht sein volles Potential als Metropole erreicht hatte.
Die Masseneinwanderung aus Kuba, nach Castros Revolution im Jahre 1959, war einer der Hauptgründe für Miamis Wirtschaftswachstum seit dieser Zeit. Mit der ersten Gruppe politisch Verfolgter, kamen viele gut geschulte Fachleute, die ihr Wissen und ihr Können für das Wachstum der Stadt einsetzten. Die kubanische Volksgruppe entwickelte ihre eigene wirtschaftlich, soziale Struktur und pflegte besonders den Kontakt zum lateinamerikanischen Markt. Die internationale Wirtschaft eroberte Miami im Sturm, als die Stadt ihr schnelles Wachstum begann und sich zu mehr als nur einer Touristenstadt entwickelte.
Wie jede Großstadt, hatte Miami seine Schwierigkeiten während des schnellen Wachstums. Um 1980 stieg die Kriminalität drastisch an. Es kam zu Rassenunruhen und Gewaltausbrüchen, die den Historischen Art Decor – Distrikt, in South Beach, zerstört zurückließen. Die Kriminalitätsrate ist inzwischen wieder gefallen und die Wiederaufbauarbeiten sind im Gange.
Miami hat sich sehr verändert seit den Tagen von Julia Tuttle und Henry Flagler. Als das Tor zu Lateinamerika, beherbergt Miami die Hauptbüros vieler internationaler Firmen und der größten spanischsprechenden Mediengruppe der Vereinigten Staaten. South Beach ist inzwischen zu einem der markantesten Zentren für Stil, Mode und Nachtleben geworden. Die Stadt, in der so viele Einwanderer verschiedenster Herkunft leben, ist noch immer ein Anziehungspunkt für Menschen aller Nationalitäten. Miami ist wirklich einzigartig - ein tropisches Paradies mit einer interessanten Geschichte, einer bunt zusammengewürfelten Bevölkerung und einem “nicht ganz amerikanischen” Gefühl.
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