Geschichte
Politik von Anbeginn Es dürfte wohl niemanden überraschen, dass die politischste Stadt Amerikas seine Existenz einem politischen Kompromiß zu verdanken hat.
Gegen Ende der amerikanischen Revolution existierte Washington weder als Stadt noch als Hauptstadt. Die neu gebildete Bundesregierung war nirgendwo zuhause und demzufolge an acht Orten, darunter in New York und Philadelphia, verteilt. Ein ermüdender Congress wollte schließlich seine eigene Heimstatt haben. Im Jahre 1785 faßte man den Beschluß, einen ständige Hauptstadt zu schaffen. Die Kontroversen begannen, als die Nordstaaten einen Ort im Norden, vorzugsweise ein Ort am Delaware-Fluß, während die Südstaatler die Hauptstadt weiter im Süden am Potomac-Fluß haben wollten. Schließlich fand man einen Kompromiß. Wenn die Nord-Staaten der Gründung der Hauptstadt am Potomac zustimmten, würde die Bundesregierung die Schulden der Kolonien übernehmen. So entstand Washington.
Für die Gründung der Hauptstadt der Nation stellten Virginia und Maryland Landgebiete zur Verfügung, womit der District of Columbia geschaffen wurde. Der erste Präsident, George Washington, bestimmte die Lage des Ortes, nämlich am Zusammenfluß der Flüsse Anacostia und Potomac. Die neue Hauptstadt befand sich in der Nähe seines Amtssitzes,
Mount Vernon am Potomac, unweit von Georgetown, Maryland, einem wichtigen Tabak-Markt. Die neue Enklave des Bundes umfaßte
Georgetown und eine weitere prosperierende Gemeinde, nämlich Alexandria, Virginia.
Die Stadt von L'Enfant George Washington beauftragte den französischen Ingenieur Pierre-Charles L'Enfant, der in der amerikanischen Revolution mitwirkte, die Hauptstadt zu schaffen. Mit Versailles als Vorbild, schuf er eine großartige Stadt mit erhabenen Zirkeln und Plätzen, weitläufigen Boulevards und gitterförmigen Straßen. Er plante zudem Baum-Alleen, doch seine Planungen waren recht umstritten. Viele neue Bewohner von Washington wollten für derartig breite Straßen nicht ihr Land hergeben, und sie waren über den enormen Grundstücksbedarf der Bundesregierung verärgert. Obgleich die Visionen von L'Enfant nicht gänzlich realisiert wurden, sind seine Grundideen klar erkennbar.
Mit dem Bau des
White House (The) und des
U.S. Capitol begann man erst gegen Ende des Jahrhunderts, und im Jahre 1800 hatte Washington gerade eben 3.000 Einwohner und wurde weitgehend als Provinz angesehen. Als die Briten die Stadt eroberten und niederbrannten, wurde die Hauptstadt im Jahre 1814 zeitweilig aufgegeben. Obgleich die Invasion wenig Auswirkungen auf den Krieg von 1812 hatte, wurde Washingtons Position, als Hauptstadt des Landes, in den Augen vieler Amerikaner bedeutsam. Danach wuchs die Stadt langsam. Die ersten Besucher waren von den breitangelegten Alleen beeindruckt, kritisierten aber die Straßen, die scheinbar nach nirgendwo führten und denen es an Häusern, öffentlichen Bauten und Menschen mangelte. Das änderte sich durch den Bürgerkrieg und die Kriege danach; Washington blühte auf. Tausende neuer Bürger strömten in die Stadt und lösten Bauaktivitäten jeglicher Art aus. Zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg wurden die Straßen gepflastert und ab 1880 fuhren die Straßenbahnen durch Straßen der Stadt. Um die Jahrhundertwende war die Bevölkerung der Stadt auf 300.000 Menschen angewachsen.
Stadt der Denkmäler Obgleich die Errichtung des
Washington Monument schon in den Jahren um 1850 begann, dauerte es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, dass Washington zunehmend als die Stadt der Monumente und Gedächtnisstätten bekannt wurde. Das
Washington Monument und das
Thomas Jefferson Memorial wurden im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts erbaut. Das Dreieck des Bundes, wo Tausende von Regierungsangestellten flanieren, wurde ebenfalls erbaut. Das Pentagon – der massive Militärgebäude-Komplex – wurde im Jahre 1943 fertig gestellt. In den letzten Jahren wurden das
FDR Memorial, das
Korean War Veterans Memorial und das
Vietnam Veterans Memorial in die Baum-Allee eingefügt.
Im 20. Jahrhundert war Washington stets eine aufregend-unruhige Stadt. Wer kann je die bewegende Martin Luther King-Rede: „I have a dream“ vergessen, die er im Jahre 1963 auf den Stufen des Lincoln Memorials hielt. Weit später kamen die massiven Protest-Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg. In den 70er Jahren kam das
Watergate Hotel - ein Apartement-Hotel mit Büro-Räumen – in die Schlagzeilen, als Mitarbeiter des Republikanischen Presidenten Richard M. Nixon in das Hauptquartier der Democratic National Committee einbrachen. Dieser Skandal war letztlich der Auslöser für Nixons Rücktritt.
Zu Beginn des neuen Jahrhunderts gehört Washington zu den schönsten und meist besuchten Städten der Welt. Die Gäste besuchen Monumente und Gedächtnisstätten und bekommen Informationen über die Geschichte des Landes. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung seiner Stadtteile, hat Washington – von Politik und Regierung einmal abgesehen – weit mehr zu bieten: Es ist eine sich fortwährend wandelnde Hauptstadt.