Geschichte

Das heutigen Erscheinungsbildes von Graz bietet viele Möglichkeiten, sehr anschaulich Details über die Geschichte dieser Stadt, über glanzvolle und problematische Zeiten, über Phasen der Expansion und der Stagnation herauszufinden.

Eine grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt war ihre Lage in einem Becken, das auf drei Seiten von Hügelketten begrenzt ist, sich nur nach Süden hin in eine Ebene öffnet und von der Mur durchflossen wird.

In der Mitte dieses Beckens, wenige Meter vom Murufer entfernt, befindet sich der heutige Schloßberg. Im Nahbereich und Schutz von Mur (siehe auch Murradweg) und Schlossberg entwickelten sich die Ursprünge der Stadt.

Graz ist heute die zweitgrößte Stadt Österreichs und das Zentrum der Steiermark. Die Stadt besteht eigentlich aus einem Konglomerat von Siedlungen, die ehemals voneinander getrennt waren, im Umkreis des Zentrums beim Schlossberg entstanden und erst im 19. und 20. Jahrhundert zusammenwuchsen.

Aus dem Grazer Becken stammen vereinzelte Funde von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit. Die Entwicklung einer Siedlung, die man als Kern der heutigen Siedlung bezeichnen könnte, ist jedoch frühestens in die Zeit slawischer Besiedlung um 800 nach Christus anzusetzen, worauf auch der Ortsname Graz (von slawisch Gradec - "kleine Burg") hinweist. Auch für diesen Zeitraum gibt es allerdings nur wenige archäologische Hinweise.

Entscheidende Stationen der Stadtentwicklung kennt man aus dem Hoch- und Spätmittelalter, als die Stadt in den Besitz der steirischen Landesherren kam und zu einem Handels- und Wirtschaftszentrum aufstieg. Aus dieser Zeit stammt die Ruine Gösting. Das Zentrum lag bereits damals im Bereich von Sackstraße, Murgasse, Sporgasse und Hauptplatz (Kälbernes Viertel), woran im Süden das alte jüdische Ghetto anschloss, das bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung im 15. Jahrhundert bestand.

Bis heute wird das Bild der Innenstadt durch Gebäude mitgeprägt, die in jenen zwei Zeiträumen entstanden, in denen Habsburger in Graz residierten. Im ersten Zeitraum (1379-1493) entstanden beispielsweise der heutige Dom und große Teile der Burg. Der Grundkonflikt des 16. Jahrhunderts hat in der Architektur der Stadt ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen: Als Ausdruck des Repräsentationsbedürfnisses der größtenteils protestantischen Landstände entstanden das Landhaus und zahlreiche Stadtpalais, deren Fassaden später jedoch zumeist barockisiert wurden.

Dagegen holten die katholischen Landesherren die Jesuiten in die Stadt und errichteten vor allem in der zweiten Residenzphase (1564-1619) und danach etliche Gebäude, die dem katholischen Glauben zu Ausdruck und Sieg verhelfen sollten. Dazu zählen die alte Universität (heute Priesterseminar), das Mausoleum, die Minoritenkirche, und die St. Andräkirche.

Das bedeutendste Beispiel barocker Baukunst in Graz stellt zweifellos Schloss Eggenberg dar. Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Stadtbildes hatten außerdem die damals errichteten Stadtbefestigungen im Bereich von Schlossberg, Stadtpark und heutigen Ringstrassen, die jedoch im 19. Jahrhundert bis auf wenige Überreste (Paulustor, Burgtor, KasemattenKasematten-Schlossbergbühne) niedergerissen wurden. Der dadurch frei gewordene Raum wurde zur Errichtung des Stadtparks (1869) und neuer Häuserzeilen genutzt, wodurch Innenstadt und Außenbezirke zusammenrückten.

Graz wurde im 19. Jahrhundert zur Großstadt und die nun dominierende, größtenteils deutschnationale Bürgerschaft erbaute repräsentative Gebäude, wie die Karl-Franzens-Universität, das Opernhaus, das Rathaus oder die Herz Jesu Kirche. Diese Monumentalbauten sollten einerseits dem angestrebten Rang einer Großstadt entsprechen, andererseits den Charakter der Stadt als "Bollwerk der deutschen Kultur" betonen.

Im 19. Jahrhundert verfestigte sich aber auch die Trennung zwischen bürgerlichem linken und proletarischem rechten Murufer (Gries und Lend), was an der ungleichen Verteilung von Repräsentationsgebäuden aus dieser Zeit deutlich sichtbar ist. Graz bekam damals, wegen seiner Beliebtheit als Alterssitz pensionierter K.u.K. Beamter und Künstler (z.B. Johann Nestroy), außerdem die Bezeichnung "Pensionopolis".

Der deutschnationale Charakter der Stadt zeigte sich ein weiteres Mal an der großen Nazi und Anschlusseuphorie des Jahres 1938, die der Stadt Graz den NS-"Ehrentitel" einer "Stadt der Volkserhebung" einbrachte.

Heute ist Graz eine Stadt, die sich ihrer geographischen Nähe und historischen Bezüge zu Osteuropa und dem Balkan bewusst geworden ist und diesen nicht mehr von vornherein abwehrend gegenübersteht. Diese Einsicht ist im kulturellen Leben der Stadt wie im Wirken der drei Grazer Universitäten besonders spürbar.

Photo: Graz Tourismus, Hans Wiesenhofer

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