Allgemeines

Die Stadt Graz hat sich an einer Stelle entwickelt, an der die Mur (siehe auch Murradweg) aus einem hügeligen, engen und kurvigen Gebiet in eine breitere Ebene übergeht.

Die Stadtentwicklung und die heutige Ausdehnung wurden wesentlich durch die geologisch-geographischen Gegebenheiten beeinflusst: Der Murfluss, der die Stadt von Norden nach Süden durchfließt; die Hügelketten, die das Stadtgebiet im Norden, Osten und Westen begrenzen; der Schlossberg, der im Zentrum der Stadt, wenige Meter neben der Mur liegt und etwa 130 Meter aufragt. Vom Zentrum im Bereich des Schlossberges aus hat sich die Stadt an großteils strahlenförmig vom Stadtzentrum wegführenden Straßen entwickelt. Graz besteht heute aus 17 Bezirken, die in ihrer jeweiligen Architektur und Sozialstruktur teilweise bis heute deutliche Hinweise auf ihre Entstehungszeit, Umstände und wirtschaftliche Bedeutung geben.

Im Kern der Stadt befindet sich der 1. Bezirk, der durch Schlossberg, Stadtpark und Mur an drei Seiten deutlich vom restlichen Stadtgebiet getrennt ist. Die Altstadt, das Kälberne Viertel, ist architektonisch durch Häuserreihen aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit geprägt, die sich um etliche kleinere Plätze und Gassen gruppieren.

Von der UNESCO wurde der Grazer Altstadt vor kurzem der Status des "Weltkulturerbes der Menschheit" verliehen. Neben der historischen Bedeutung ist die Innenstadt aber auch der wichtigste Schauplatz kultureller (Steirischer Herbst), gastronomischer (Restaurant Maroni) und gesellschaftlicher (Kasematten-Schlossbergbühne) Veranstaltungen. Es gibt hier eine Fülle unterschiedlichster Lokale, wie etwa den Mohrenwirt, und am Faschingsdienstag, beim Stadtfest oder an lauen Sommerabenden ist es mitunter schwierig, sich durch die Menschenmengen auf den kleinen Plätzen hindurch zu schieben.

Umgeben wird die Innenstadt durch die Bezirke St. Leonhard, Jakomini und Geidorf (Geidorf-Kunstkino), die im 19. Jahrhundert von Vorstadtsiedlungen zu bürgerlichen Wohnvierteln umgestaltet wurden. Dementsprechend dominieren historische Häuserzeilen, repräsentative Monumentalbauten, wie die Herz-Jesu Kirche, die Kerngebäude der Karl-Franzens-Universität, die "alte Technik" und Parkanlagen, wie der Augarten, in dem das Museum für Wahrnehmung, das MuWa, liegt.

Im östlichen Teil von Geidorf befinden sich beeindruckende Villenbauten der Jahrhundertwende. Das Erscheinungsbild und das Leben dieser Bezirke wird wesentlich von den drei hier angesiedelten Universitäten, den Universitätsbediensteten und vor allem den etwa 40.000 Studentinnen und Studenten geprägt.

Am westlichen Murufer, gegenüber der Innenstadt, liegen Gries und Lend. Das historische Bild dieser Stadtteile wird vor allem von den barocken Kirchen- und Klosteranlagen, wie der Minoritenkirche oder der St. Andrä Kirche dominiert. Hier haben sich im 19. Jahrhundert aus Verkehrsachsen und Gewerbezentren um den Gries- und den Lendplatz (Bauernmarkt am Lendplatz) Arbeiterbezirke entwickelt.

Heute sind Gries und Lend jene Grazer Bezirke, in denen Multikulturalität im Alltag am deutlichsten sichtbar wird. Das zeigt sich unter anderem an den zahlreichen Geschäften und der, vor allem in der Nähe der Innenstadt sehr vielfältigen, Lokalszene (Bang!). Um diesen inneren Stadtbereich gruppiert sich ein Ring von weiteren elf Bezirken, die erst im Zuge der Stadterweiterung 1938 in die Stadt eingegliedert wurden. Diese Bezirke haben sich zum größten Teil aus Dörfern an den ehemaligen Ausfallstraßen der Stadt gebildet. In wenigen Fällen sind die ehemaligen Dörfer als Siedlungskerne bis heute erkennbar, wie in St. Peter, im Bereich der Pfarrkirche oder anhand des Schlossplatzes in Gösting (Ruine Gösting).

In den meisten Fällen schließen sich an diese alten Dorfkerne moderne Einfamilien- oder Reihenhaussiedlungen an, die vor allem in den südlichen Bezirken mittlerweile große Flächen bedecken.

Andritz, im Norden der Stadt und die südlich gelegenen Stadtteile St. Peter, Liebenau (hier befindet sich das Arnold Schwarzenegger Stadion) und Puntigam, sind heute die wichtigsten Industrie- und Gewerbestandorte der Stadt.

Die äußeren Bezirke tragen mit ihren vielen Wald- und Wiesenflächen wesentlich zum grünen, ländlichen Charakter von Graz bei. Dadurch ist es möglich, mit öffentlichen Verkehrsmittel oder Fahrrad, innerhalb von wenigen Minuten vom Stadtinneren beispielsweise zur Buschenschank im Grünen zu gelangen. Vor allem die östlichen, hügeligen Gebiete, wie der Ruckerlberg, der Rosenhain und der Leechwald bieten viel Natur in der Nähe der Stadt.

Photo: Graz Tourismus, Hans Wiesenhofer

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