Essen und Trinken

In den meisten Restaurants von Johannesburg sieht man flink eilende Ober, hört das Klirren des Bestecks und das beinahe greifbar scheinende wogende Stimmengewirr und Lachen schon am Eingang. Hier ist das Essen gehen ein besonderer, geselliger Anlass, und von den gut drei Stunden, die man hier in einem Restaurant verbringt, ist man nur 30 Minuten wirklich mit Essen beschäftigt.

Also ist die Qualität der Speisen beim Abendessen in Johannesburg unwichtig? Nein, ganz und gar nicht. Aber die Einheimischen finden auch an der Inszenierung, am Drumherum, Gefallen. Oder, wie es ein hier heimischer Journalist ausgedrückt hat: 'Essen in Johannesburg ist nicht einfach nur lecker, sondern auch intelligent, geistreich und kultiviert'.

Wie sein großer Bruder ist auch Johannesburg zur Stadt des Speisens geworden. Ob man nun mit Freunden unterwegs ist, ein ausgedehntes Sonntagsessen bei Cornutti in Illovo genießt (wo es die zweifellos besten und innovativsten dünnbodigen Pizzas südlich des Äquators gibt) oder einen möglichen zukünftigen Geschäftspartner bei The Courier im noblen Parkview beeindrucken möchte, das 'Manhattan im Veld' lässt keine Wünsche offen.

Von ethnischen über internationale Restaurants bis zu einer Küche, die verschiedenste Wurzeln miteinander verbindet - hier gibt es für jeden Geschmack eine große Auswahl passender Restaurants, die nur darauf warten, einem das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen.

Selbst auf 'gehobenem' Niveau ist die Auswahl groß. Da wären zum Beispiel kostspielige, formelle Restaurants wie Le Canard, oder das Vilamoura, wo die Fischgerichte zur Spitzenklasse gehören... und die Preise ebenfalls. Die Einrichtung vermittelt eine aalglatte Atmosphäre, das Vilamoura ist stets belebt und ein Muss bei vielen internationalen Berühmtheiten, die das sonnige Südafrika besuchen.

Ein beliebter Zeitvertreib in Jaytown ist das Kaffeetrinken oder Essen in einem der Straßencafes in den hübschen, grünen Vororten, etwa im Cafe Flo in Greenside oder in Sam's Cafe im modischen Melville; ausländische Journalisten, die sich auskennen, waren mindestens einmal dort.

Es ist eine der Eigenheiten von Johannesburg, dass diese Stadt, in der die Sonne häufiger scheint als an fast jedem anderen Ort der Welt, auch die größten Einkaufszentren besitzt. Dort kann man wie ein Maulwurf stundenlang untertauchen, während man einkauft, isst und Kulissenstraßen entlangspaziert, als befände man sich in einer unterirdischen Stadt.

Es gibt mit dem Ciao Baby Cucina sogar ein nachgebildetes Straßencafe in der Mitte des wohl größten Einkaufszentrums der südlichen Halbkugel, Sandon City. Im rasanten Einkaufszentrum Hyde Park befindet sich Steffanie's, einer der Orte, zu denen man regelmäßig zurückkommt um Menschen zu beobachten, ein schnelles Essen in der Mittagspause einzunehmen oder am Wochenende mit Freunden ein Brunch zu genießen.

'Ich weiß, dass Abendessen in Johannesburg anspruchsvoll ist. Darum geht es in meinen Restaurants um die Menschen', sagt Naldo Goncalves, und er muss es wissen. Die Geschichte seines Erfolgs mit dem Vilamoura ist legendär. Vom kleinen ursprünglichen Vorortrestaurant 'wo die Warteschlangen bis vor die Tür reichten' bis nach Sandton, Rosebank, Pretoria und Camps Bay in Kapstadt, überall herrscht reger Betrieb.

Fischgerichte sind besonders beliebt, oft ist die Verbindung zur portugiesischen Küche spürbar (wie im Vilamoura). Vom bescheidenen Vorortrestaurant bis zum Beira Alta im Colony-Einkaufszentrum in Rivonia gibt es eine reichhaltige Auswahl wirklich vorzüglicher Gelegenheiten, die Köstlichkeiten des Meeres zu probieren.

Aber es gibt auch zahlreiche andere Spezialitäten zu entdecken. Das herb mit Zitrone abgeschmeckte Hühnchen bei The Butcher Shop and Grill am Sandton Square ist zweifellos das beste der Stadt, aber da wäre auch noch das fein gewürzte Huhn im italienischen Restaurant Mastrantonio, ebenfalls am Sandton Square - wobei natürlich hinzukommt, dass Besitzer und Ober gutaussehend und charmant sind. Die Mastrantonios haben scheinbar herausgefunden, wie man das Essen in eine Show verpackt. Und sie machen es wohl richtig, denn von den bescheidenen Anfängen in Illovo haben sie es inzwischen zu drei Restaurants in Johannesburg gebracht.

Natürlich ist auch Fleisch angesagt. Das Steakhouse der 60er, 70er und 80er Jahre ist mittlerweile aus der Mode, dafür wimmelt es von Hamburger-Läden. Wenn man aber echtes, gutes Fleisch vorzieht - von frischem, erstklassigem Rindfleisch für Hamburger bis zum persönlich ausgewählten Filetstück, das einem im Munde zergeht - findet sich auch dafür eine Reihe guter Restaurants. Den ersten Preis gewinnt dabei Carnivore.

Das Singing Fig in Norwood (einem der älteren Vororte, dessen Einkaufsstraße heute von italienischen Cafes und Restaurants gesäumt wird) serviert eine Ochsenschwanzsuppe, die als die beste der Stadt berühmt ist. Aber die hiesige Herausgeberin der internationalen Zeitschrift Marie Claire meint, sie ginge der Ente wegen ins Singing Fig. 'Sie ist dort so, wie ich sie gerne mag - saftig, würzig und in großen Portionen serviert. Obwohl es dort etwas laut ist, freue ich mich immer darauf, ins Singing Fig zu gehen.'

Für alle, die französische Küche lieben, reicht die Auswahl der wenigen (teuren) Restaurants vom preisgekrönten Ile de France in Randburg bis zum immer vollbesetzten, aber ausgezeichneten Le Canard in Sandton.

Gautengs multikulturelle Bevölkerung hat auch eine große Bandbreite traditioneller Speisen hervorgebracht, wie man sie sonst nirgendwo auf der Welt findet. Die lokalen Spezialitäten können sowohl innovativ als auch ungewöhnlich sein, vom afrikanischen Phutu (einem Maismehlbrei) bei Wandi's in Soweto bis zum burischen Potjiekos (einem Eintopf, der in einem dreibeinigen Eisentopf über offenem Feuer gekocht wird) bei Gramadoelas im Market Theatre-Bezirk.

Es ist schade, dass der Brunch am Wochenende nicht so beliebt ist, wie er es verdient; aber es gibt dafür trotzdem einige empfehlenswerte Orte, etwa das News Cafe in Rivonia. Viele Hotels, wie das The Grace in Rosebank oder das Balalaika am Village Walk-Einkaufszentrum, bieten ebenfalls herrlich zu lesende Speisekarten.

Wenn man aber ein Motorrad-Fan ist, bieten sich für die Frühstücksrunde (bei Morgengrauen aus dem Bett springen, für etwa eine Stunde durch die Landschaft sausen, zum Brunch anhalten, nach Hause fahren) großartige Möglichkeiten. Es gibt nahezu unzählige Lokale im Umkreis von einer Stunde, in denen man von Pommes Frites bis zu einem prachtvollen Schmaus alles bekommt.

Gianni Mariano, einer der Gründer des Mastrantonio, sagt: 'Das Hauptmerkmal der Johannesburger ist, dass sie gerne essen - und sie verlangen sehr gutes Essen.

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