Geschichte
Die erste schriftliche Erwähnung Oxfords, oder Oxenford wie es damals genannt wurde, ist ein Eintrag in der angelsächsischen Chronik aus dem Jahre 912. Dieser Eintrag besagt, dass 'König Edward (der älteste Sohn von Alfred dem Großen) London und Oxford und das gesamte Land, das ihnen Gehorsam schuldete', in seinen Besitz nahm. Die Stadt existierte aber mit Sicherheit schon 200 Jahre zuvor, als der geheiligte Schutzpatron von Oxford, St. Frideswide, auf dem heutigen Gelände der
Christ Church Kathedrale ein Priorat gründete.
Von diesen frühen Anfängen durchlebte die Stadt ein wechselhaftes Schicksal über die Jahrhunderte, heute ist sie eine Großstadt mit über 130 000 Einwohnern, die für ihre akademischen, medizinischen und wissenschaftlichen Forschungen und die blühende Basis für Industrien und Verlagswesen bekannt ist. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich wahr, dass die Stadt ohne die Oxford University -und ihre wunderschönen Gebäude- nur eine weitere mittelmäßige englische Marktstadt wäre.
Zur Zeit der normannischen Eroberung im Jahre 1066 war Oxford die sechstgrößte Stadt des Landes und ein gut etabliertes Handelszentrum. Der Bau des Schlosses (5 Jahre später) machte es zum administrativen Mittelpunkt der umliegenden Gegend. 1086 (Domesday) zerfiel die Stadt aber. Langsam erholte die Stadt sich davon, und am Ende des 11. Jahrhunderts hatte sich ein Markt etabliert. Die Einnahmen der Stadt vermehrten sich noch durch die Einführung einer jährlichen Messe. Als Henry I. am Anfang des 12. Jahrhunderts Beaumont Palace direkt außerhalb des Nordtores und in der Nähe des Ortes, wo heute das
Worcester College steht, baute, war das Schicksal über die wachsende Bedeutung der Stadt besiegelt. Die Vereinbarung zur Beendigung des Streites um die Krone, der zwischen Henrys Tochter Matilda und ihrem Cousin Stephen, beide Enkel von William dem Eroberer entbrannt war, wurde in Oxford unterschrieben.
Die zunehmende Wichtigkeit der Stadt, ihre Lage und ihre gute Kommunikation mit London, führten zusammen mit der fruchtbaren Erde und dem gemäßigten Klima zum Entstehen vieler religiöser Häuser und Kirchen in der Stadt und im Umland. Zu dieser Zeit gingen Religion und Lernen Hand in Hand, so dass eine Kultur des Lernens entstand. Dies wiederum zog Lehrer aus Europa an, die Häuser und Zimmer mieteten oder kauften. Dann boten sie Unterkunft, Verpflegung und Unterricht für ihre Schüler an. Auf diese Weise entstanden die ersten Studentenwohnheime der Stadt. Da es in England keine Universitäten gab, gingen die englischen Männer für eine Universitätsausbildung nach Europa, üblicherweise nach Paris. Diese Tradition endete 1167 plötzlich, als englische Studenten aus Pariser Universitäten ausgewiesen wurden. Viele sahen Oxford mit seiner bereits etablierten Lehr- und Lernkultur als den natürlichen Ort, um das Studium fortzusetzen, und die Kirche
St. Mary the Virgin wurde zum Mittelpunkt der entstehenden Universität. Das Unterrichten weitete sich immer weiter aus. Irgendwann gab es im Stadtzentrum allein mehr als 120 Studentenwohnheime.
Dieser rapide Anstieg der studentischen Bevölkerung brachte für die Stadtmenschen seine Schwierigkeiten mit sich. Die Beziehungen zwischen Städtern und Akademikern waren sehr gespannt. Über die Jahre gab es viele Aufstände (z.B. den von 1209, der dazu führte, dass eine Gruppe von Studenten aus Oxford floh und die Cambridge University gründete), aber der ernsthafteste Zwischenfall war der dreitägige Aufruhr 1355, bei dem 63 Studenten und ungefähr halb so viele Städter auf den Straßen umkamen. Das Resultat war, dass der Universität von Edward III. wesentlich mehr Macht verliehen wurde, und die Stadt für die nächsten 500 Jahre mehr oder weniger von ihr kontrolliert wurde.
Im 13. Jahrhundert wurden von reichen Wohltätern Colleges für Akademiker gegründet. Diese erhielten auch eine Stiftung mit Land und Besitztum, das daraus resultierende Einkommen sollte die laufenden Kosten decken. Dadurch konnten Studenten nun kostenlos studieren. Als diese Praxis auch auf Colleges für Studenten ausgeweitet wurde, beginnend mit der Gründung des
New College 1379, sah die Zukunft für die Studentenwohnheime schlecht aus; Mitte des 15. Jahrhunderts existierten nur noch 8.
Als 1641 der Bürgerkrieg ausbrach, unterstützte die Universität die Royalisten. Im darauf folgenden Jahr machte Charles I. Oxford zu seinem militärischen Hauptquartier und zog in die
Christ Church ein, bis er 1646 dazu gezwungen war, als Dienstbote verkleidet zu fliehen. Oxford hatte Glück, dass die Unterstützung der falschen Seite keine schlimmeren Konsequenzen hatte, als das Cromwell sich selbst zum Kanzler der Universität machte. Immerhin zerstörte er sie nicht, aber bis zum Wiederaufbau 1669 gab es in der Stadt keine neuen Gebäude.
Die nächsten 60 Jahre waren das goldene Zeitalter für Oxfords Architektur. Gebaut wurde unter anderem das
Sheldonian Theatre, der
Tom Tower, das
Clarendon Building, das
Radcliffe Camera und der großartige Innenhof des
All Souls Colleges.
Diese goldene Zeit wurde von einer Periode des Rückgangs und der Stagnation abgelöst. Lehre und Studium waren fast verschwunden; das Universitätsleben war kaum mehr als eine Fassade für einen ausschweifenden Lebenswandel. Die Neubelebung begann erst im 19. Jahrhundert. Zukünftige Führer der Politik, Wirtschaft und Religion wählten Oxford als ihr Alma Mater. 1800 wurden schriftliche Prüfungen eingeführt; 1870 wurde die Auflage der DONS aufgehoben, nicht zu heiraten; im darauf folgenden Jahr wurden auch Nicht-Anglikaner als Studenten begrüßt; zur selben Zeit wurden die ersten Colleges für Frauen gegründet.
Im frühen 20. Jahrhundert war Oxford eine verwandelte Stadt. Die Einführung der Automobil-Fabrikation führte zu einer Bevölkerungsexplosion. Die 'Town' wurde wirtschaftlich wesentlich stärker und die alten Rivalitäten zwischen Städtern und Akademikern wurden endlich beigelegt, als der Bürgermeister einen Ehrendoktortitel erhielt und der Vize-Kanzler ein 'Freeman' der Stadt wurde.
Heute leben Städter und Akademiker friedlich nebeneinander. Die Autoindustrie ist immer noch ein wichtiger Arbeitgeber, wenngleich in geringerem Maße. Dafür bieten -neben dem Tourismus- andere Industrien den Einheimischen Arbeitsplätze, besonders die leichte Maschinenindustrie, das Verlagswesen, sowie die wissenschaftliche und bio-chemische Forschung. Eine zweite Universität, die
Oxford Brookes, hat heute mehr Studenten, als ihre berühmte Nachbarin, alle Stufen der Bildung tragen nachhaltig zur Wirtschaft vor Ort bei.
All diese Veränderungen haben dabei geholfen, das Oxford des 21. Jahrhunderts zu einer Stadt der wunderbaren Kontraste zu machen. Es ist problemlos möglich, von einer geschäftigen Einkaufsstraße abzubiegen und innerhalb von Sekunden in ein ruhiges Umfeld versetzt zu werden, das an die vergangenen Jahrhunderte erinnert. Oxford ist eine 'Stadt der träumenden Türme', aber auch eine wirklich moderne und wohlhabende Stadt.