Geschichte
HISTORISCHERS AMBIENTE Die Olympischen Spiele von 1992 waren Ursprung der Renaissance einer tausendjährigen Stadt, die schon immer Bezugspunkt der Moderne in Spanien war und dies auch noch immer ist. Barcelona trägt viele Städte in seinem Schoß und kann sich damit brüsten, eine römische Stadt, eine alte gotische und herrschaftliche Stadt, ein mächtiger Mittelmeerhafen und Hauptstadt Kataloniens, einer der dynamischsten Regionen in Europa gewesen zu sein. Diese reichhaltige geschichtliche Vergangenheit ist der Boden, auf dem das Fundament einer neuen, offenen und kosmopolitischen Stadt ruht, die dank der natürlichen Begrenzungen durch Meer und Berge noch immer bewohnbar ist.
URSPRÜNGE DER STADT Man sagt, dass der Name Barcelonas von der Ankunft des Helden Herkules aus Afrika an seiner Küste fast 2.000 Jahre vor Christi Geburt herrührt. Dieser Expedition, die aus 9 Booten mit Kolonisten bestand, entsprang gemäß der Legende der Name Barca-nona.
Es war jedoch das römische Volk, das die nachträglichsten Spuren im Barcino des 1. Jahrhunderts v. Chr. hinterließ – einer Stadt, die nie den Auftrieb und die Bedeutung von Tarraco (heute Tarragona), der römischen Hauptstadt schlechthin, erreichte, deren Niedergang schließlich mit dem Aufblühen Barchinonas in der Zeit der Westgoten zusammenfiel.
DIE STADT IM MITTELALTER Nach einem Jahrhundert moslemischer Herrschaft –einer Zeit intensiven Handels und friedlichen, religiösen Zusammenlebens von Juden, Christen und Moslems– kam es mit dem Eintreffen einer christlichen Regierung zum Ausschluss der moslemischen Gemeinschaft aus der Stadt und der Verbannung der hebräischen Gemeinde in eine bestimmte Zone, dem sog.
Call, wo heute die Straßen Palla, Banys Nous, Bisbe und die
Plaza Sant Jaume (Plaça Sant Jaume), sowie die
Calle Ferran (Carer Ferran) liegen.
Waren zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert die Juden noch die Vorreiter von Kultur und Handel in Barcelona, so stellte ihr Isolierung in dem Ghetto
Call eine Vorwegnahme ihrer Ächtung und Vertreibung von der Iberischen Halbinsel im Jahr 1492 dar.
Zu dieser Zeit hatte die Stadt berits den Titel „Ciudad Condal“ (Grafenstadt) erhalten, da sie die aufstrebende Hauptstadt einer Reihe von Grafschaften der „Cataluña Vieja“ (Catalunya Vella oder des Alten Kataloniens) war. Barcelona leitete die Expansionsinteressen der Krone von Aragón Richtung Gebiete von Valencia und den Balearen, und wurde zum Stützpunkt der Flotte eines mächtigen Handelszentrums. Die katalonisch-aragonesische Macht breitete sich bis Sizilien, Sardinien, Malta, Neapel, Albanien, Korsika, Athen und auf einen Teil Griechenlands aus und war Vorreiter in der Etablierung gesellschaftlicher Normen, Küstenregelungen und anderer Bräuche, die später an anderen Stellen Europas imitiert wurden. Die höchste Selbstverwaltungs-Institution wurde im 15. Jahrhundert mit einem Sitz ins Leben gerufen, der seinem Stellenwert ebenbürtig war: dem
Palast der Generalitat (Palau de la Generalitat), gegenüber des Rathauses auf der bekannten
Plaza Sant Jaume (Plaça Sant Jaume) gelegen.
Das Wachstum der Stadt im Mittelalter fand gleichzeitig mit dem Aufblühen der gotischen Architektur statt, die so herrliche Bauwerke wie die Kathedrale, die Kirchen
Sant Just und
Sant Jaume, sowie die Basiliken
Santa Maria del Pi und
Santa Maria del Mar –Gipfel der katalanischen Gotik– hervorbrachten.
DER ZUSAMMENSCHLUSS MIT KASTILIEN Auf Grund der Eheschließung zwischen Isabel und Fernando (bekannt als die Katholischen Könige) erfuhren Barcelona, Katalonien und das Königreich Aragón nach dem Zusammenschluss mit Kastilien im 15. Jahrhundert eine starke wirtschaftliche und politische Dekadenz, die bis zum 18. Jahrhundert andauerte. Dieser Niedergang wurde durch das Interesse, welches die Eroberung und Kolonisierung Amerikas auf Kosten des Handels am Mittelmeer weckte, und durch die Blütezeit der Türkei als große Seemacht im Mittelmeer begünstigt. Den letzten Schlag versetzte der Stadt der Verlust der partikularrechtlichen Institutionen, nachdem sie die Seite des in dem spanischen Nachfolgekrieges unterlegenen Erzherzogs Karl von Österreich gegen die vom siegreichen Philipp V. angeführten Borbonen unterstützt hatte.
KULTURELLE RENAISSANCE UND MODERNISMUS Erst im 19. Jahrhundert erreichte die Stadt mit der Industriellen Revolution und ihrer kulturellen Renaissance erneut ihren höchsten Glanz. Die Industrialisierung ging mit dem literarischen Wiederaufleben der katalanischen Sprache (der sog. Renaixença) einher und erfuhr ihren plastischen Ausdruck im Modernismus, der Bewegung, für die die Stadt heute auf internationaler Ebene bekannt ist und bewundert wird.
All diese Bewegungen wurden von einer industriellen Bourgeoisie angeführt, die von den nationalistischen Strömungen des gesamten europäischen Kontinents beeinflusst wurde und sich der aus Madrid stammenden, kastilisch-zentralistischen Kraft der sog. Decretos de Nueva Planta widersetzte.
Der Modernismus, der aus der Art Nouveau abgeleitet wurde und diversen historischen Einflüssen unterlag, diente der Dekoration und Umgestaltung vieler Wohnungen des Erweiterungsviertels Eixample in Barcelona, welches von Ildefons Cerdà schachbrettartig geplant und als das Viertel des kultivierten Bürgertums schlechthin errichtet wurde. Der größte Vertreter dieses Stils, Antonio Gaudí, schuf einige der bekanntesten modernistischen Bauwerke, unter denen besonders die
Sagrada Familia, die
Pedrera oder Casa Milà, die Casa Batlló und der
Güell-Park (Parc Güell) hervorstechen. Letzterer ist heute Ziel vieler Touristen aus aller Welt.
DAS MODERNE BARCELONA Die Jahre der Nachkriegszeit und der Diktatur Francos bedeuteten für Barcelona, wie für ganz Spanien, eine rigorose politische und kulturelle Unterdrückung, von der sich die Stadt heute, nach 25 Jahren Demokratie, während der sich Sozialisten und Nationalisten das Votum der Einwohner geteilt haben, gänzlich erholt hat. Mit dem Mandat von Pasqual Maragall erfuhr die Stadt ihre Öffnung zum Meer, als die Infastruktur zur Beherbergung der Olympischen Spiele von 1992 angelegt wurde: das Olympische Dorf (Vila Olímpica) mit seinem betont modernen Design; der
Olympische Ring (Anella Olímpica) des Montjüic und der
Olympische Hafen (Port Olímpic). Damals war auch die beste Zeit für seinen Fußballclub Barça.