Geschichte

Spuren menschlichen Lebens um Heidelberger gibt es seit Urzeiten: vor 500.000 Jahren lebte der Homo heidelbergensis in der Gegend, aus der Jüngeren Steinzeit sind Topfscherben und Jagdwaffen erhalten, ungefähr 800 v. Chr. siedelten die Kelten auf dem Heiligenberg, später hinterließen die Römer mit einem Kastell archäologische Spuren (und das Wissen um den Weinanbau), bis sie 260 n. Chr. von den Alemannen vertrieben wurden. Mit einer dauerhaften Besiedelung ging es jedoch erst im 6. Jahrhundert los, schnell entwickeln sich die Dörfer Neuenheim und Bergheim, später auch Handschuhsheim (765 erstmals erwähnt), Rohrbach (766) sowie Wieblingen und Kirchheim (Erwähnung 767).

Den Titel des Pfalzgraf bei Rhein erhält zuerst Konrad von Hohenstaufen, Halbbruder des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, im Jahre 1155. Der Name Heidelberch wird erstmals 1196 erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Klosters Schönau. Bald darauf, im Jahre 1225, beginnt die Geschichte des Schlosses, als der Wittelsbacher Ludwig I., Pfalzgraf von 1214-1231, vom Kloster Lorsch mit einer Burg belehnt wurde, die das Neckartal mit seiner Handelsstraße bewachen sollte. 1356 wird die Kurfürstenwürde in der damaligen deutschen Verfassung verankert: die Pfalzgrafen stellen von nun an einen der sieben Kurfürsten des Reiches. 1386 gründet Ruprecht I. die Universität, schon 1392 erstreckt sich Heidelberg bis zum heutigen Bismarckplatz, und 1400 wird mit dem Bau der Heiliggeistkirche begonnen. Im gleichen Jahr wird Kurfürst Ruprecht III. zum deutschen König Ruprecht I. gewählt, nach seinem Tod 1410 wird die Pfalz unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Nachfolger Ruprechts in Heidelberg wird sein Sohn Ludwig III., und dessen Bekanntschaft mit dem mittelalterlichen Dichter Oswald von Wolkenstein verdankt Heidelberg das frühe Loblied "Ich ruem dich, haidlberg".

In den folgenden Jahren blühen Heidelberg und sein Schloss auf. Ludwig V. (1508-1544) verstärkt die Befestigungsanlage der Burg, unter anderem werden der Stückgarten und der Krautturm ausgebaut. Zu dieser Zeit werden auch der Bibliotheksbau und der Frauenzimmerbau erbaut und die Wirtschaftsgebäude erweitert. 1524 fügt Ludwig V. auf der Ostseite noch den Ludwigsbau ein und Friedrich II. lässt 1549 den Gläsernen-Saal-Bau errichten. Mit Kurfürst Ottheinrich (1556-1559) und seinem Ottheinrichsbau beginnt die Verwandlung der Burg in ein prächtiges Renaissance-Schloss. Unter Friedrich IV. (1592-1610) erhält das Schloss einen weiteren Palast, den Friedrichsbau. Friedrich IV. war auch derjenige, der 1606/07 die Festung Friedrichsburg und die Stadt Mannheim gegründet hat. Die Stadt Heidelberg mit ihrer Bevölkerung aus Bauern, Fischern, Handwerkern und Händlern wächst ebenso, aber durch den Erbfolgekrieg sind nur wenige bauliche Zeugnisse erhalten geblieben, ein besonders schönes Beispiel der damaligen Baukunst zeigt jedoch heute noch das Haus Zum Ritter St. Georg am Marktplatz, das 1592 von einem hugenottischen Tuchhändler erbaut wurde.

Heidelberg und seine Kurfürsten werden wiederholt in politische und theologische Auseinandersetzungen um Päpste und die Frage nach dem wahren Glauben verwickelt. Im kaiserlichen Auftrag muss Kurfürst Ludwig III. 1415 in Konstanz den böhmischen Ketzer Johannes Hus verbrennen lassen, 1518 darf jedoch Luther im Heidelberger Augustinerkloster unbehelligt seine Thesen verteidigen. Schon 1556 folgt die Pfalz unter ihren Kurfürsten der Reformation, unter ihrem Einfluss entwickelt sich die Universität zu einem Zentrum der Reformationsbewegung und der 1563 publizierte calvinistische "Heidelberger Katechismus" wird zum bedeutendsten Handbuch dieser Glaubensrichtung in Europa. 1608 übernimmt Kurfürst Friedrich IV. die Führung der Protestantischen Union - der Konflikt zwischen katholischen und protestantischen Fürstentümern verstärkt sich erheblich. Trotz der politischen Gewitterwolken wird das Heidelberger Schloss unter Friedrich V. (1613-1623), der Winterkönig, noch schöner und noch prächtiger gestaltet. Er entfaltet eine rege Bautätigkeit, dabei beschränkt er sich nicht nur auf Bauwerke wie den Englischen Palast, sondern lässt auch den Schlossgarten in das Achte Weltwunder verwandeln, bevor er 1620 als böhmischer König in der Schlacht am Weißen Berg unterliegt und so durch seine politische Hoffart Titel und Land verliert und der 30-jährige Krieg (1618-1648) ausbricht.

1622 erobert der kaiserliche Feldherr Tilly Stadt und Schloss Heidelberg und lässt die berühmte Bibliotheca Palatina nach Rom in den Vatikan bringen, die Universität wird in den Kriegswirren geschlossen, und die Pfalz gerät unter die katholische Herrschaft von Bayern. Im Verlauf des Krieges werden Heidelberg und sein Umland mehrmals ausgeplündert und schwer zerstört. Das Land verliert drei Viertel seiner Bevölkerung, entweder durch den Krieg selbst oder durch nachfolgende Seuchen wie Typhus, Pocken oder Pest. Mit dem Westfälischen Frieden 1649 wird Karl Ludwig, der Sohn Friedrich V., Kurfürst der Pfalz und führt den Protestantismus wieder ein, was in den nächsten Jahren viele Hugenotten, Flamen und Wallonen nach Heidelberg bringt. 1652 wird die Universität wiedereröffnet.

1671 verheiratet Karl Ludwig seine Tochter Elisabeth Charlotte (1652-1721), genannt Liselotte von der Pfalz mit Philip von Orleans, dem Bruder des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Als 1685 die Pfalz-Simmern Linie der Wittelsbacher ausstirbt, deklamiert der Sonnenkönig 1688 die Pfalz als zu Frankreich zugehörig und beginnt den Pfälzisch-Französischen Erbfolgekrieg, bei dem 1689 die Stadt und das Umland eingenommen und zerstört wird. Allein das Dorf Handschuhsheim wird dreimal niedergebrannt, die Toten werden in Massengräbern bestattet. Der Wiederaufbau beginnt recht zügig, jedoch werden 1693 Stadt und Schloss unter dem französischen General Melac erneut erobert und dieses Mal systematisch verwüstet: das Schloss wird gesprengt, die Stadt wird mit Feuer in Schutt und Asche gelegt.

Erst 1697 beginnen die Heidelberger mit dem Neuaufbau. Auf dem Grundriss der alten Straßenzüge zeigen sich nun entlang der Hauptstraße barocke Bauformen: ab 1701 der Neubau des Rathauses, 1712-1715 der Bau des Palais Morass, in dem heute das Kurpfälzische Museum ist, 1712-1735 die Alte Universität. Das Schloss wird nur notdürftig repariert, da der neue Kurfürst weit entfernt wohnt. Das nunmehr katholische Herrscherhaus versucht, die protestantische Pfalz mit der Aufstellung von Marienfiguren (unter anderem die Madonna vom Kornmarkt) und dem Bau der Jesuitenkirche zum Katholizismus zu bekehren. Es kommt zu Spannungen zwischen der Bevölkerung und ihrem Kurfürsten, woraufhin Kurfürst Karl Philipp (1716-1742) alle Pläne zur Restaurierung des Schlosses fallen lässt und 1720 das Mannheimer Schloss zur kurfürstlichen Residenz (neben der Sommerresidenz in Schwetzingen) erhebt.

Sein Nachfolger Kurfürst Karl Theodor (1742-1799) entfaltet dennoch in Heidelberg eine rege Bautätigkeit, Heidelberg verdankt ihm das Große Faß (1750), das Karlstor (1775-1781) und nicht zuletzt die Alte Brücke (1786-1788). Als 1764 das halb aufgebaute Schloss durch einen Blitzschlag erneut niederbrennt, wird hier jegliche Bautätigkeit aufgegeben und das Schloss bleibt für mehrere Jahre fast unbeachtet (nein, nicht völlig, der Dichterfürst Goethe hat es bei mehreren Besuchen besichtigt und gerühmt). Erst im frühen 19. Jahrhundert setzt sich Graf Graimberg für die Erhaltung der Schlossruine ein, gleichzeitig wird mit der aufkommenden Romantik die Stadt Heidelberg und ihr Schloss besungen, verehrt und eben auch romantisch verklärt. Zu nennen wären Clemens Brentano, Achim von Arnim und Joseph von Eichendorff, aber auch erste ausländische Gäste wie Edward Bulwer, William Turner oder Mark Twain malen und beschreiben die Komposition aus Flusslandschaft, Stadt und Schlossruine in eindringlichen Bildern.

Auch heute noch macht dieses Bild den großen Reiz aus, aber Heidelberg hat sich auch unabhängig vom Schloss kräftig weiterentwickelt. 1803 wird die Rupertus-Karolus-Universität vom badischen Großherzog Karl Friedrich reformiert (und trägt seitdem den Namen beider Gründer), die naturwissenschaftlichen Institute sind heute in Neuenheim zu finden. Mit der Eingemeindung der umliegenden Dörfer ist Heidelberg geographisch beträchtlich gewachsen, und auch wirtschaftlich hat sich Heidelberg stabil entwickelt. Heidelberg heute ist eine Stadt mit altehrwürdiger Vergangenheit, die Sie aber dennoch als sehr jung und lebendig kennenlernen werden.

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