Einen ersten Eindruck von Dresden und seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten gewinnt man am besten bei einem Bummel durch die elbnahe Altstadt: Hier finden sich auf weniger als einem Quadratkilometer die Hauptattraktionen der Statt. Ausgangspunkt und gleichzeitig erster Höhepunkt eines Rundgangs könnte das Wahrzeichen Dresdens, der Zwinger, sein. Im 18. Jahrhundert als architektonische Umrahmung höfischer Feste errichtet, beeindruckt das einzigartige Ensemble noch heute durch seine heitere Leichtigkeit, die Vollkommenheit der Formen und die Vielfalt des plastischen Schmucks. Der mehr als 120 Jahre nach Nordosten offene Zwingerhof wurde 1855 mit einem von Gottfried Semper geschaffenen Museumsbau geschlossen. Besonders zu empfehlen sind hier ein Besuch der Gemäldegalerie Alte Meister mit der weltberühmten "Sixtinischen Madonna" von Raffael.
Den Zwinger hinter sich lassend, betritt man den Theaterplatz. Mit den ihn begrenzenden Bauten - der Semperoper, dem Italienischen Dörfchen, der Schinkelwache, der Hofkirche und dem Residenzschloss - gehört er zweifellos zu den schönsten Plätzen Europas. Wenn man keine von den begehrten Opernkarten ergattern konnten, bleibt immer noch die Möglichkeit wenigstens an einer Führung durch die prachtvolle Semperoper teilzunehmen. Danach bieten das Cafe im Italienischen Dörfchen oder das Cafe in der Schinkelwache Gelegenheit zu einer ersten Verschnaufpause. Frisch gestärkt sollte man auf jeden Fall den zum Schloss gehörenden frisch restaurierten Hausmannsturm besteigen. Von der Aussichtsplattform hat man einen phänomenalen Blick über die Dächer der Altstadt und die benachbarte Kathedrale St.Trinitatis. In der ehemaligen Hofkirche, einem barocken Kleinod, wird in einer Kapsel unter anderem das Herz des berühmtesten sächsischen Herrschers, August dem Starken, aufbewahrt.
Weiter geht es über den Schlossplatz, die weite Freitreppe hinauf zur Brühlschen Terrasse. Die nach dem Grafen Brühl benannte Flanierterrasse wird auch der "Balkon Europas" genannt. Von hier oben schaut man auf die Elbe, die am Terrassenufer ankernden historischen Schaufelraddampfer und hinüber auf die Neustadt mit dem Japanischen Palais, dem Blockhaus und der Staatskanzlei. Ein kurzer Abstecher führt dann weg von der Brühlschen Terrasse und hin zu Dresdens inzwischen wohl bekanntestem Bauwerk, der Frauenkirche. Im Krieg zerstört und bis zur Wende eine mahnende Ruine, wird der protestantische Sakralbau derzeit unter beispielloser öffentlicher Anteilnahme wiederaufgebaut. Man sollte Dresden nicht verlassen, ohne die beieindruckende Baustelle besucht zu haben.
Durch die Münzgasse an zahlreichen Restaurants vorbeischlendernd (hier lässt sich's freilich auch sehr gut speisen) kann nun, wer noch nicht allzu erschöpft ist, zur Brühlschen Terrasse zurückkehren. Die Sekundogenitur links liegen lassend, folgt man am einfachsten dem Strom der Touristen vorbei an der Kunstakademie bis hin zum Albertinum. Die dortigen Museen, die Gemäldegalerie Neue Meister, die Skulpturensammlung, das Münzkabinett und das Grünen Gewölbe - die legendäre Schatzkammer Augusts des Starken - sollte man sich jedoch besser für einen zweiten Tag vornehmen. Abschluss dieses ersten Rundgangs könnte der Besuch einer weiteren Baustelle sein. Nur wenige Schritte von Albertinum und Brühlscher Terrasse entfernt, entsteht derzeit nämlich die neue Dresdner Synagoge. Sie wird nahe der Stelle errichtet, an der bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten im November 1938 das alte, von Gottfried Semper gebaute jüdische Gotteshaus gestanden hatte.
Wer die Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Dresdens - Semperoper, Zwinger und Frauenkirchenbaustelle - absolviert hat, sollte nun der Altstadt buchstäblich den Rücken zukehren: Vom Schlossplatz aus geht es hinüber zur anderen Elbseite. Die heutige Augustusbrücke mit ihren neun sandsteinverkleideten Bögen entstand zwischen 1907 und 1910. Ein Blick zurück auf das Panorama der Altstadt lässt nicht nur die Herzen architekturbegeisterter Dresden-Besucher höher schlagen. Auf der Neustädter Seite angelangt, stolpert man förmlich über das 1736 aufgestellte, mit Blattgold belegte Standbild Augusts des Starken - den Goldenen Reiter. Er lädt ein zu einem Ritt - pardon - zu einem Spaziergang durch die Neustadt. Der Neustädter Markt, auf dem wir uns nun befinden, hat keine Ähnlichkeit mehr mit dem berühmten Dresdner Platz, wie man ihn vor dem Zweiten Weltkrieg kannte. Die gesamte Bausubstanz wurde im Februar 1945 ein Opfer der Bomben. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden der Neustädter Markt und die von ihm ausgehende, von Platanen gesäumte Hauptstraße (damals Straße der Befreiung) zu einem Fußgängerboulevard mit Läden und gastronomischen Einrichtungen umgestaltet. Auf halbem Weg zum Albertplatz stößt man auf die einzigen noch erhaltenen historischen Bürgerhäuser der Straße. In einem der liebevoll restaurierten Gebäude befindet sich das kleine, aber feine Museum der Dresdner Frühromantik. Die nur ein paar Schritte entfernte Dreikönigskirche wurde nach der Zerstörung im Krieg 1984 bis 1990 wiederaufgebaut und dient heute sowohl als Gotteshaus als auch als multifunktionales Haus der Kirche. Zwischen 1990 und 1992 tagte hier unter anderem der Sächsische Landtag.
An dieser Stelle sollte, wer genügend Zeit hat, unbedingt einen Blick in die sich auf der linken Seite anschließenden Nebenstraßen werfen. Die Innere Neustadt mit Obergraben, Heinrichstraße und Rähnitzgasse hat in den vergangenen zehn Jahren eine Wiedergeburt erlebt. In die über Jahrzehnte dem Verfall preisgegebenen, nun frisch rekonstruierten barocken Häuser ist mit zahlreichen Geschäften, Galerien und Restaurants neues Leben eingezogen. Gleiches gilt auch für die Königstraße, die angrenzende neue Nobelmeile Dresdens. Hier gibt es (fast) alles, was gut und teuer ist - vom Designer-Fummel bis zum Service aus Meißner Porzellan. Wen jetzt schon der Hunger packt, kann im New California (Wallgässchen) der kalifornischen, oder - weniger nobel, dafür urig - im Wenzel (Königstraße) der tschechischen Küche frönen. Wer eher nach Kultur hungert, sollte nicht versäumen, einen Blick in den Spielplan des Societätstheaters zu werfen. Dieses kleine, noch junge Theater im Hof zwischen Hauptstraße und Rähnitzgasse bietet eine abwechslungsreiches Programm aus nationalen und internationalen Theater- und Tanzproduktionen. Weiter geht es nun in Richtung Albertplatz. Der ist heute - von zwei üppigen Brunnen einmal abgesehen - vor allem Verkehrsknotenpunkt, weshalb man ihn schnell hinter sich lassen kann. Nördlich des Platzes jedoch beginnt Dresdens lebendigster Stadtteil, die Äußere Neustadt. Von den Einheimischen schlicht Neustadt genannt, hat sich das etwa einen Quadratkilometer große Areal mit seinen prächtigen Gründerzeitbauten zu d e m Kneipen- und Szeneviertel der Stadt entwickelt. Es braucht sicher Stunden oder sogar Tage, um die Neustadt wirklich kennen zu lernen.
Wer diese Zeit nicht hat, sollte zumindest einen Bummel über die Alaunstraße oder die im rechten Winkel kreuzende Louisenstraße unternehmen. Für einen kurzen Zwischenstopp empfehlen sich zahlreiche Kneipen, Bars und Cafes. In der Alaunstraße zum Beispiel das Scheunecafe, das La Vie en Rose, das El Perro Borracho in der wunderbar gestalteten Kunsthofpassage oder Frank's Bar, zu den angesagtesten Lokalen in der "Louise" gehören die Planwirtschaft, das Blumenau oder auch das Mona Lisa. Geschichtlich Interessierten sei der am östlichen Rand des Viertels gelegene Martin-Luther-Platz mit der Martin-Luther-Kirche ans Herz gelegt. Ganz in der Nähe befinden sich zudem der Alte Jüdische Friedhof sowie - Vorsicht: Kontrastprogramm - Pfund's Molkerei, der vollständig mit prachtvollen bunten Majolika-Fliesen ausgekleidete Schönste Milchladen der Welt! Nachdem man hier ein Stück Käse, eine Flasche sächsischen Wein oder im benachbarten Keramik-Shop ein landestypisches Souvenir erworben hat, gelangt man mit der Straßenbahn Linie 11 ganz bequem zurück ins Stadtzentrum.
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