Allgemeines

Sachsens Hauptstadt befindet sich im leicht abgesenkten und deshalb lange (DDR-)Zeit West-fernsehlosen Funkloch im Südosten des Bundeslandes. Einstmals seiner italienisch inspirierten Prunkarchitektur nach Elbflorenz genannt, wurde die Metropole gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von alliierten Bombern innerhalb von 2 Nachten groesstenteils verwuestet. Mit den Folgen der Zerstoerung hat die Stadt heute noch zu kaempfen. Dresden ist eine Stadt der Kontraste: Die Stadtsilhouette ist inzwischen wieder eine der schönsten Deutschlands, die Neustadt blüht wie nie zuvor, der Große Garten und andere Grünflächen zieren das Stadtbild. Ebenso findet man hier jedoch verarmte und triste Gegenden und Viertel. Natürlich wechseln sich auch in anderen Städten hübsch und hässlich ab - doch selten liegen Eleganz und Plumpheit so nah beieinander wie in Dresden.

Hellerau Gleich zu Beginn ein Geheimtipp: im Norden der Stadt befindet sich die von Karl Schmidt 1907 initiierte, erste deutsche Gartenstadt. Das Festspielhaus hat Baugeschichte geschrieben. Glück für Hellerau, dass es von der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg verschont blieb; Schade, dass es mittlerweile etwas verfallen ist.

Loschwitz Die schönste Brücke der Stadt, das Blaue Wunder, verbindet Blasewitz mit Loschwitz. In Letzterem kann man herrlich wohnen, oder treffender: residieren - vorausgesetzt, man kann es sich leisten. Unter anderem das spätklassizistische Albrechtsburg Schloß und das Schloß Eckberg lohnen einen Besuch. Vor allem von der gegenüberliegenden Elbseite gesehen, präsentiert sich Loschwitz als herrliches Villen- und Schlösschenviertel an den Elbhängen. Nördlich davon geht es bergauf zum Weißen Hirsch, dem Stadtteil an der Dresdner Heide.

Weißer Hirsch Fährt man von Bühlau aus stadteinwärts, sollte man erstens die Blitzanlagen beachten und zweitens unbedingt einen Blick auf das Villenviertel "Weißer Hirsch" riskieren. Hier haust das Dresdner Großbürgertum; man wohnt in kleinen Villen, spielt Tennis, flaniert an den Elbwiesen oder besteigt die Standseilbahn Richtung Loschwitz. Wir jedoch fahren weiter Richtung Zentrum und gelangen über die Radeberger Vorstadt - hier befinden sich u.a. das Waldschlösschen und die Dance Factory - zur Äußeren Neustadt.

Äußere Neustadt Das mit Abstand lebhafteste Viertel Dresdens ist die Äußere Neustadt, nordöstlich des Albertplatzes. Vom Bombenhagel des Weltkriegs relativ verschont, hat das frühere Arbeiterviertel einen überraschenden Aufschwung erlebt. In der Zeit des Sozialismus verfielen etliche Gründerzeitbauten jedoch weitgehend. Schon damals nistete sich eine alternative Kneipenszene in der Neustadt ein, die zum Teil bis heute überdauert hat. Seit der Wende haben aufwendige Sanierungen stattgefunden und unzählige Studenten haben Einzug gehalten und den Charakter des Viertels verändert. Etliche Kneipen - empfehlenswert sind beispielsweise das Dejà vu oder die Scheunecafe - und Szeneboutiquen wie Koma säumen die Straßen. Die Preise haben annähernd westliches Niveau erreicht und kaum ein wirklich verfallenes Haus ist noch zu sehen. Da viele Wohnungen leer stehen, sanken die Mietpreise mittlerweile aber wieder erheblich. Dennoch schwelt der Konflikt zwischen Punks und Hip-Hoppern, zwischen Wendeverlierern und West-Yuppies und besonders in der Alaunstraße kommt es oft zu Reibereien. Vor allem vor den Hunden einiger Neustädter sollte man sich in acht nehmen. Im Sommer ist die Äußere Neustadt stets gut besucht, besonders beim tollen Straßenfest "Bunte Republik Neustadt" Ende Juni. Unerlässlich ist der Besuch des 'schönsten Milchladens der Welt', der Pfunds Molkerei auf der Bautzner Straße. Auch die neogotische Martin-Luther Kirche sollte man gesehen haben.

Innere Neustadt Westlich des Albertplatzes führt die Königstraße geradewegs in die Innere Neustadt. Das Viertel, das 1685 gänzlich niederbrannte und auch im Zweiten Weltkrieg nicht verschont blieb, wurde mittlerweile zum "kleinen München" hochsaniert. Tatsächlich scheint man sich angesichts der herrlichen Barockhäuser und der geschickt platzierten Neubauten fast im Stadtzentrum der bayrischen Metropole zu wähnen. Fast. Mit einem Unterschied: hier ist wesentlich weniger Verkehr. Die Designerboutiquen, Edelrestaurants und Luxuscafes entlang der buchsbaumgesäumten Prachtmeile Königsstraße ziehen in Dresden eine vergleichsweise kleine Zielgruppe an. Der Stadtteil wirkt, als sei er in die Stadt nicht richtig eingebunden. Mancher lebt Jahre in Dresden, ohne jemals die zentral gelegene Innere Neustadt zu betreten. Immerhin gibt es inzwischen gelegentliche Insiderpartys in einer der mäßig frequentierten Galerien.

Die Altstadt Überquert man von hier aus die Augustusbrücke, hat man besonders abends einen wundervollen Blick über die Elbe auf die bis 1 Uhr nachts lieblich beleuchteten architektonischen Aushängeschilder der Stadt. Zudem erreicht man rasch die Altstadt, in der mehr oder weniger alles zu finden ist, was Touristen in die Elbmetropole zieht: Die Semper Opera House, der Zwinger mit seinem grandiosen Innenhof, die in einem aufwendigen Wiederaufrichtungsprozess befindliche Frauenkirche, das Schloss, die Kathedrale, und vieles mehr. Insbesondere der Theaterplatz ist einer der schönsten Plätze des Landes, wenn die ganzen Busladungen voller Touristen nicht die Sicht versperren. Hier findet sich architektonisch mehr als die meisten anderen deutschen Städte ingesamt zu bieten haben. Wer es sich leisten kann, residiert im Kempinski Taschenbergpalais. Die Altstadt, im Krieg nahezu völlig zerstört, bereits unter dem SED-Regime ansatzweise wiedererrichtet, sieht inzwischen besser aus - auch wenn häufig Staub den Blick verwischt.

Nahe des Fürstenzuges verkaufen Straßenhändler Postkarten mit erschütternden Bildern der Stadt direkt nach ihrer Zerstörung. Vom Theaterplatz aus lohnt der Gang über die Brühlschen Terrassen, ehemals Teil der Befestigungsanlagen der Stadt. Der Besuch des Albertinum sowie des Grünes Gewölbe ist ein Muss für Kunstliebhaber.

Die Innenstadt Steigt man am anderen Ende der Terrassen wieder hinab, sollte man ruhig ein paar Meter weit auf die Carolabrücke gehen und dann den Blick wenden. Hier zeigt sich die janusköpfige Figur des Stadtbildes, rechts davon die eindrucksvolle malerische Stadtsilhouette, links davon eintönige Sozialbauten soweit das Auge reicht. Blickt man über die östlich parallel laufende Albertbrücke hinweg, grüßen bereits die Plattensiedlungen der Johannstadt. Wir kehren aber nicht um, sondern laufen die St. Petersburger Straße in Richtung Innenstadt. Dieser Stadtteil existiert zwar auf dem Papier nicht - in Dresden befindet sich schliesslich fast jeder Ort entweder in Altstadt oder Neustadt - doch westlich des Pirnaischen Platzes, am Altmarkt vorbei, findet sich das kleine Stadtzentrum. Hier ist vor allem die mausgraue Prager Straße nennenswert, in der alle populären West-Kaufhäuser und -Läden zu finden sind. Die Tristesse dieser Straße, die insbesondere durch die drei Ibis Hotel-Türme sowie den grotesken Hertie-Bienenkorbbau unterstrichen wird, wirkt schon fast wieder amüsant. Im Sommer turnt die Dresdner Jugend in den dort zu findenden Brunnen herum. Zu dieser Jahreszeit sind hier viele Kiebitze zu finden. Nach Süden hin schließt die Straße an den Hauptbahnhof an. Der Wiener Platz ist eine von mittlerweile etlichen Großbaustellen der Stadt.

Südvorstadt Südlich des Hauptbahnhofes befindet sich das Universitätsviertel, die Südvorstadt. Da die Technische Universität keine Campus-Uni ist, erstrecken sich die Bauten auch auf andere Stadtteile (u.a. Strehlen, Plauen und für Mediziner Johannstadt). Die wichtigsten Gebäude sind rund um den Nürnberger Platz zu finden. Gegenüber des neu errichteten Hörsaalzentrums kann man die architektonisch ungewöhnliche neue Mensa bestaunen. In der Naehe befinden sich einige Studentenkneipen, wobei jedoch der Hauptteil der Studenten das entfernte Neustadt für Nachtaktivitäten bevorzugt.

Prohlis Prohlis ist exemplarisch für die Schattenseite Dresdens. Fährt man einige Zeit von der Universität aus in Richtung Süden, gelangt man mit bald dorthin. Die Trabantenstadt hat ihre netten Ecken, beeindruckt aber durch ihre stellenweise monumentale Traurigkeit. Vor allem am Jacob-Winter-Platz kann man sich bequem einmal um die eigene Achse drehen ohne dabei etwas anderes als Platten-Hochbauten gesehen zu haben. Es wird geraten sich hier nicht all zu lange aufzuhalten, da einige Jugendbanden hier ihr Unwesen treiben. Ausschreitungen rechtsgesinnter Jugendlicher, insbesondere gegenüber Spätaussiedlern, sind hier keine Seltenheit.

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