Essen und Trinken
In Leipzig kann man ausgezeichnet und vielfältig essen, auch wenn sich die Stadt nicht allzu vieler kulinarischer Spezialitäten rühmen kann - der frühere sparsame Protestantismus ließ wenig Schlemmerei zu. Weithin bekannt ist jedoch das Leipziger Allerlei, das von Haus aus wenig mit dem öden Dosengemüse dieses Namens gemeinsam hat. Echtes Leipziger Allerlei besteht aus Flusskrebsen, Morcheln und frischem Spargel, Erbsen sowie Möhren; originalgetreu wird es nur im Frühjahr zur Spargelzeit aufgetischt.
Eine weitere Traditionsspeise existiert heute nur noch in süßer Form weiter: die Leipziger Lerchen wurden einst nicht nur in Leipzig selbst gerupft, gebraten, gekocht und gedünstet, sondern sogar bis Moskau und Madrid exportiert. Da der Genuss von Singvögeln inzwischen als barbarisch gilt, sind die Leipziger Lerchen nur noch in Konditoreien und Cafes erhältlich, hübsch aus Marzipan oder Mürbeteig geformt.
Das berühmteste Leipziger Restaurant verdankt seinen Ruf dann auch nicht der Koch-, sondern der Dichtkunst:
Auerbachs Keller ist bekanntlich in Goethes
Faust verewigt. Zwischen allerlei Faust-Anspielungen wird heute gehobene deutsche Küche aufgetischt. Die Weinstuben sind mit Motiven aus dem berühmten Drama gestaltet, und ab und zu schaut Mephisto höchst persönlich vorbei, um die Gäste ein wenig zu erschrecken. Auch die darüberliegende Bar Mephisto lohnt den Besuch.
Fast ebenso bekannt wie Auerbachs Keller ist das traditionelle Kaffeehaus
Zum Arabischen Coffeebaum), das seit seiner Fassadenrenovierung 1996 wieder mit dem blühenden, goldenen Kaffeebaum mitsamt Türken und Liebesknaben glänzt. Hier schlürfte schon Robert Schumann „'n Scheelchen Heeßen“, wie die Leipziger die Tasse Kaffee nennen, Revolutionäre wie Bebel und Liebknecht stärkten sich im „Baum“ mit dem Sud der braunen Bohnen. An Leipzigs einst lebhafte Kaffeehauskultur erinnert auch das
Riquethaus in einem alten Kolonialhandelskontor mit wunderschöner Fassade und Kaffeehauscharme, empfehlenswert für nachmittäglichen Kaffee und Kuchen.
Restaurants Ansonsten lockt heute in der Leipziger Innenstadt eine Vielfalt von Restaurants mit ausgezeichneter Küche. Gepflegt sächsisch isst man in
Zill´s Tunnel , einem traditionellen Leipziger Restaurant, das bereits seit 1841 diesen Namen trägt. Noch eine Liga darüber rangiert das
Kaiser Maximilian, welches als eines der wenigen in Leipzig eine Empfehlung vom
Guide Michelin erhalten hat. In moderner, stilvoll schlichter Atmosphäre lassen sich hier besondere Abende angenehm verbringen. Auch in der internationalen Küche gibt es einen eindeutigen Spitzenreiter. Das japanische Restaurant
Yamato zelebriert japanische Lebens- und Esskultur auf höchstem Niveau. Einfachere Sushi bekommt man in der Kaiten Sushi Bar
Mr.Moto. Das Besondere hier: die Sushi schwimmen portioniert auf einem kleinen Wasserlauf vorbei, und man muss sich lediglich das Tellerchen seiner Wahl herausangeln. Kubanisch essen kann man gut und zu angemessenen Bedingungen im
Varadero. Eine Empfehlung für italienisches Essen sind
Don Camillo & Peppone und das Emporio, wo man zusätzlich direkt importierte italienische Lebensmittel und Weine einkaufen kann. Der servicestärkste Inder ist das
Maha Radscha auf der Karl-Liebknecht-Strasse, ein Tip für deftige mexikanische Küche das Sancho Pancha auf der Industriestraße. In und um Leipzig tut sich gastronomisch eine Menge. Häufige Besitzerwechsel und Neueröffnungen machen es für manche Bereiche unmöglich, verlässliche Tips zu geben. Das Angebot an internationaler oder deutscher, günstiger und guter bis sehr guter Küche ist ist vielfältig. Im Bereich der Innenstadt und im
Schauspielviertel findet sich für jeden Geschmack und Geldbeutel das Passende.
Clubs, Bars, Kneipen Auch eine lange, durchfeierte Nacht zu erleben, ist - inzwischen - kein Problem. Bevor vor einigen Jahren das
Markt 9 im Barfussgässchen seine Pforten öffnete, gab es im ganzen Innenstadtbereich keine annehmbare Szenekneipe. Dafür ist die kleine Gasse jetzt voll mit Tapasbars wie Tapa Mundo, Kneipen wie
Spizz, historischen, wiedereröffneten Gasthäusern und Clubs. In den Sommermonaten entsteht in dem Areal dam Markt eine riesengrosse Freisitzlandschaft, in der man bis tief in die Nacht essen, trinken, Leute treffen und feiern kann. Wem hier das Publikum zu jung oder zu stylisch ist, der findet vielleicht auf der Gottschedstrasse im
Schauspielviertel das, was er sucht. Die Nähe zum Schauspielhaus hat zur Folge, dass die Leute hier ein bisschen stärker kulturell oder künstlerisch orientiert sind. In der
Luise trifft man Schauspielerinnen und Schauspieler beim Mittagessen, im
Maga Pon sitzen abends Tänzer neben Musikstudenten und Architekten. Das
Barcelona hat sich der spanischen Küche verschrieben und kredenzt edle Weine und Cocktails. Viele andere Kneipen und Restaurants bieten Spezialitäten aus verschiedenen Ländern und stellen ebenfalls im Sommer ihre Stühle und Tische nach draußen. Überhaupt wandelt sich halb Leipzig in den Sommermonaten in einen großen Biergarten. Die Leipziger Südvorstadt ist, was die Kneipenlandschaft angeht, die älteste Gegend der Stadt. Um die Karl-Liebknecht-Strasse wohnen schon seit jeher die Studierenden, viele Künstler und das
Szenevolk. Dementsprechend ist das Publikum hier. Zum Teil schon ältere Semester halten hier den Kult des Studentenlebens wach. Dazwischen gibt es mit dem
Killywilly einen legendären Irish Pub, mit dem
Cortex die trendigste Cocktail-Lounge mit elektronischer Musik und das
Avocado , das bekannteste vegetarische Restaurant. Im
Cafe Grundmann verkehrt die Bohème der Dichter und Theatermenschen und lässt sich im ArtDeco-Ambiente Milchkaffee, Rotwein und Antipasti-Teller schmecken. Ein hervorragendes und sehr junges Restaurant ist das
Kitchen, wo durch eine wöchentlich wechselnde Karte wirklich internationale Küche geboten wird. Noch weiter im Süden beginnt die
Connewitzer Szene, in der heute noch Underground praktiziert wird und wo in besetzten Häusern und solchen, die es einmal waren, Bier und Volksküche zum Einkaufspreis zu bekommen ist: ein Stück ganz anderes Leipzig, das aber auch nicht ohne Reize ist.