Geschichte

Schon vor 6000 Jahren war der Raum zwischen den Flüssen Parthe, Pleiße und Elster besiedelt, wo auch Leipzig liegt. Dies ergaben Ausgrabungen, die in den sechziger Jahren im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen in der Innenstadt vorgenommen Erste urkundliche Erwähnungen der Stadt stammen aber aus dem Jahr 1015. Zu diesem Zeitpunkt stand die Burg lipzi (altsorbisch für Linde), die der Stadt ihren Namen gab, schon hundert Jahre.

Damals wurde der Grundstein gelegt für Leipzigs Entwicklung zu einer Handelsstadt. 1165 erhielt Leipzig das Stadtrecht und damit das Marktrecht. Strategisch günstig an den Handelsstraßen nach Prag, Berlin und Frankfurt gelegen, entwickelte sich schnell ein reges Markttreiben, das bis heute angehalten hat, und auch im Stadtbild noch zu erkennen ist. Die Quer- und Längsachsen, die die Innenstadt durchziehen, zeichnen immer noch den Verlauf der Ost-West- und der Nord-Süd-Passagen nach. Der 10.000 m² große Marktplatz und das Altes Rathaus (heute Stadtgeschichtliches Museum) liegen seit dem 15. Jahrhundert fast unverändert an dieser Stelle, und der Naschmarkt mit der Alten Handelsbörse besteht seit dem 17. Jahrhundert.

Im Jahre 1497 wurde der inzwischen über 10.000 Einwohner zählenden Stadt das Messerecht verliehen. In einem Umkreis von 110 Kilometern durften fortan nur in Leipzig Waren gestapelt und Messen veranstaltet werden. Zahlreiche Gebäude und Passagen, vor allem die sogenannten Messehäuser, zeugen noch von der Blütezeit Leipzigs als Messestadt. In der inzwischen sanierten Hainstrasse finden sich noch Bauten aus der Renaissance, die zum Teil später barock umgestaltet worden sind (z.B. Nr. 8 und 13). In der ganzen Innenstadt, auch in der Katharinenstraße und der Grimmaischen Straße stehen Häuser aus dem 17. Jahrhundert, die von den in Leipzig reich gewordenen Kaufleuten errichtet worden sind. Beeindruckend sind beispielsweise die Mädlerpassage, Barthels Hof und das barocke Romanus-Haus in der Katharinenstraße.

Besondere Bedeutung hatte in Leipzig auch die Buchkultur, wie sich bis heute in der Leipziger Buchmesse zeigt, die jeden März stattfindet. Seit dem ersten in Leipzig im Jahre 1481 gedruckten Buch ist Leipzig eine Stadt der Bücher. Schon 1550 gehörte die Bibliothek der Universität zu den größten Europas, seit 1912 wird ein Exemplar sämtlicher deutschsprachig erscheinender Bücher und Zeitschriften in der Deutschen Bücherei aufbewahrt. Das angeschlossene Deutsches Buch- und Schriftmuseum gibt Auskunft über die Entwicklung des Buchwesens. Seit 1999 findet die Buchmesse auf dem Neuen Messegelände statt, die mit ihrem gigantischen Glaskuppelbau einen Ausflug wert ist.

Genauso alt wie die Messetradition ist Leipzigs Kirchengeschichte, die eng mit ihrer Musikgeschichte verknüpft ist. Die bis 1496 erbaute Thomaskirche wurde bald nach ihrer Fertigstellung Schauplatz der frühen Reformationsbewegung. Luther predigte hier die Einführung der Reformation. Der heute weltberühmte Thomanerchor existiert hingegen schon seit dem 13. Jahrhundert, und singt noch heute regelmäßig in Gottesdiensten und Motetten. Der Chor und die Thomaskirche beeindrucken vor allem auch als Wirkungsbereich von Johann Sebastian Bach, der die Hälfte seines Lebens als Thomaskantor verbracht hat. Noch heute wird der fünfjährige Motettenzyklus, den er für den Chor schrieb, kontinuierlich aufgeführt. Einen Besuch wert ist auch das Bach-Museum.

Die andere innenstädtische Kirche, die Nikolaikirche aus dem 12. mit Umgestaltung im 16. Jahrhundert, war 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen, die letztlich die Vereinigung der beiden deutschen Staaten ausgelöst haben. Das Montagsgebet, aus dem sich die Demonstrationen entwickelt haben, findet immer noch statt.

Auch die Universität Leipzig blickt auf eine lange Tradition zurück. 1409 ist sie als eine der ersten Europas gegründet worden. Hier lehrten unter anderem Leibniz, Thomasius, Gottsched und Gellert, später die Philosophen Gadamer und Ernst Bloch. Noch mehr bekannte Namen finden sich unter denjenigen, die in Leipzig studierten. Johann Wolfgang von Goethe reiste 1765 nach Leipzig, um Jura zu studieren, in Auerbachs Keller zu trinken und zu feiern, und - man glaubt es kaum - hochdeutsch zu lernen. Heute gilt das Sächsische als eigentümlicher Dialekt, aber damals gehörte die weiche und breite Aussprache zum guten Ton. Goethes berühmtes Drama Faust spielt zum Teil in Auerbachs Gewölben.

Fünfzig Jahre später, im Jahre 1813, wurde im Leipziger Süden Napoleon besiegt. Die Völkerschlacht forderte 85.000 Gefallene, 100.000 Verwundete wurden versorgt. 1913 wurde mit dem Völkerschlachtdenkmal das größte Denkmal Europas errichtet. Ein Aufstieg zur Aussichtsplattform an der Spitze lohnt sich, besonders die Landschaft des vom Braunkohletagebau gekennzeichneten Südens lässt sich von hier aus bestens betrachten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die prächtige und wohlhabende Messestadt schwer zerstört. 1950 begann der Wiederaufbau und damit eine städtebauliche Neugestaltung. Viele Gebäude wurden restauriert, andere durch neue ersetzt, so das zerstörte Neue Theater von C.F. Langhans, an dessen Stelle das Opernhaus errichtet wurde. Um der Wohnungsnot nach dem Krieg entgegenzuwirken, entstanden in Leipzig wie in anderen Städten der damaligen DDR die sogenannten Plattenbauten, große Wohnhäuser in Schnellbauweise, die trotz Verschönerungsmaßnahmen zum Teil bis heute im Stadtbild fremd wirken.

Die jüngste Geschichte Leipzigs ist vor allem durch die Wende und den nach 1990 einsetzenden Bauboom geprägt. Der Mitteldeutsche Rundfunk verlegte seinen Sitz nach Leipzig, der Milliardenpleitier Jürgen Schneider sanierte einen großen Teil der Innenstadt und wanderte nach einer Flucht durch die ganze Welt doch ins Gefängnis. In Leipzig wird er dennoch als eine Art Volksheld verehrt, dem seine Liebe zur Architektur zum Verhängnis wurde. Leipzig sieht sich gerne in großen Dimensionen, trumpft gern mit Superlativen auf: das höchste Denkmal, den höchsten Rathausturm, die älteste Oper, das älteste Stadttheater Deutschlands bescheinigt man sich ebenso wie die neueste Messe und den größten Kopfbahnhof Europas. Auch mit krönende Beinamen schmückt sich Leipzig gern und viel: Medienmetropole, Messestadt, Buchstadt, Klein-Paris oder Stadt der Bürgerbewegung. Alle diese Etiketten signalisieren jedoch korrekt, dass viel Lebendigkeit herrscht, aber eindeutige Prädikate nicht vergeben werden können. Eins ist Leipzig garantiert nicht: langweilig. Gestern, Heute und Morgen sind immer und überall präsent, und wollen entdeckt, erlebt und gestaltet werden.Wcities

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