Noch immer überrascht Besucher die Pracht, die ihnen in Leipzigs Innenstadt entgegenstrahlt. Innerhalb weniger Jahre sind die alten Renaissance- und Jugendstilbauten der ehrwürdigen Messestadt in all ihrer Schönheit restauriert worden. Der Hauptbahnhof, ein epochales Bauwerk des Bürgertums von 1915 und Europas größter Kopfbahnhof, ist wieder zu einem Schmuckstück geworden. An ihm zieht sich eine Promenade mit 130 Geschäften und Boutiquen entlang: ein Mekka für Freunde des spätabendlichen Einkaufsbummels. Kurz: wer Leipzig vor der Wende gesehen hat, wird die Stadt kaum wiedererkennen. "Leipzig Kommt!" lautet denn auch das Motto der Stadt. Dennoch sind auch Spuren Leipzigs DDR-Zeit präsent. In Seitenstraßen etwas abseits der City ist hier und dort noch zu sehen, wie schlimm der Verfall war. Auch stechen die Plattenbauten, mittlerweile oft nach Kräften verschönert, als unförmige Kolosse aus dem sonst harmonischen Stadtbild heraus. Fast alle Sehenswürdigkeiten Leipzigs lassen sich übrigens wunderbar zu Fuß erkunden, nicht zuletzt, weil erholsame Grünanlagen die Stadt durchziehen. Zum Abstecher in die Außenbezirke bietet sich das sehr gute Netz der öffentlichen Verkehrsmittel an.
Stadtzentrum/Altstadt: Zentraler Anlaufpunkt ist der weitläufige Marktplatz am Scheidepunkt der Petersstraße und der Grimmaischen Straße. Romantische Cafes und Bars, rund um den großen Platz in Gassen und Winkeln verstreut, werben mit Kaffeeduft um Kundschaft. Das Alte Rathaus, das in nur 9 Monaten zwischen zwei Messen erbaut wurde, besticht mit seinen Renaissancefacetten. Es beherbergt das Stadtgeschichtliche Museum, in dem man die Geschichte Leipzigs von der Gründung bis heute nachvollziehen kann. Im nordwestlichen Teil des Marktes steht Webers Hof, ein typisches Leipziger Bürgerhaus. In der Adler-Apotheke gleich daneben arbeitete Theodor Fontane zwischen 1841 und 1842 als Provisor. Barthels Hof, als erstes Gebäude (1523) in der Renaissancebauweise im westlichen Teil des Marktplatzes errichtet, ist Leipzigs ältestes Handelshaus. Sogar Goethe war überwältigt von den "himmelhoch umbauten Hofräumen", die "großen Burgen ähnlich" seien. Im nahegelegenen Cafe Zum Arabischen Coffe Baum und im Museum "Zum Arabischen Coffe Baum", einem der ältesten Kaffeehäuser Europas kann man ein "Schälchen Heeßen" genießen, wie die Einheimischen liebevoll ihr Bohnengetränk bezeichnen. Das Messehaus am Markt birgt in seinem Inneren die erste Untergrund-Messehalle der Welt. Auf einer Fläche von mehr als 5.000 qm wechselten hier in der Vergangenheit Bücher, Uhren und Jagdwaffen den Besitzer. Auf der Rückseite des Alten Rathauses steht auf dem Naschmarkt die alte Handelsbörse (1687), wo ein Bronzedenkmal an den zwischen 1765 und 1768 in Leipzig studierenden Goethe erinnert. Ganz in der Nähe, in der prachtvollen Mädler Passage, lädt Auerbachs Keller zu Speis' und Trank: ihn verewigte Goethe als Figur im "Faust". Die Fülle historischer Gebäude, die Leipzig birgt, entdeckt man am besten bei einer Besichtigung. Nicht missen sollte man die Katharinenstraße mit ihren beeindruckenden Barockbauten, die Thomas-, die Nikolai-, die Pauliner- und die Matthäikirche, oder die alte Waage, in der die eingeführten Kaufmannsgüter gewogen und verzollt wurden. Einen Besuch wert ist auch das Universitätsgebäude, wo zahlreiche Berühmtheiten studierten. Im Volksmund als "steiler Zahn" oder "Weisheitszahn" betitelt, ragt das Gebäude mit seinen 34 Stockwerken hoch über die Innenstadt hinaus. Kulturell Interessierten sei das Neue Gewandhaus empfohlen, in dem das weltbekannte Leipziger Gewandhausorchester Konzerte gibt. Außerdem findet man hier das Opernhaus, die Moritzbastei sowie das Johann-Sebastian-Bach-Museum, das Ägyptische und das Naturkundemuseum. Doch was wären all diese Sehenswürdigkeiten ohne das pulsierende multikulturelle Leben, das die Innenstadt Tag und Nacht durchzieht. Im Sommer wandelt sich jede Gasse zum Cafe- und Biergarten. Und auf dem 3,5 km langen Promenadenring mit liebevoll angelegten Grünanlagen rings um die Altstadt lassen Leipziger und Touristen die Seele baumeln.
Südliche Richtung: Das wohl imposanteste Bauwerk der Stadt, das Völkerschlachtdenkmal, liegt im Stadtteil Probstheida. Es wurde am 18. Oktober 1913 zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig eingeweiht und blieb inhaltlich umstritten. Unbestritten bietet es von der Aussichtsplattform in 90 m Höhe einen fantastischen Blick über Leipzig. Die Deutsche Bibliothek und die Deutsche Bücherei Leipzig mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum, das seit 1913 vielfältige bedeutende Schriftstücke und Patente sammelt und katalogisiert, befinden sich ebenso im südlichen Teil Leipzigs. Das alte Messegelände, das der Stadt mit seinen 22 Hallen und 27 Pavillons zu internationalem Ruf als Messestadt verhalf ist unweit entfernt. Zahlreiche Film- und Fernsehproduktionsgesellschaften bilden hier heute die Grundlage für Leipzigs Reputation als Medienstadt. Der Stadtteil Lößnig bildet von seiner Bauplanung etwas Einzigartiges. Der sogenannte Rundling mit dem Siegfriedplatz in der Mitte ist ein Beispiel für Miethaussiedlungen aus dem Jahre 1930. Die Wohnblöcke sind in einem Ring angeordnet und dienten kinderreichen Familien als Unterkünfte. Etwas weiter stößt man auf den Park Markkleeberg mit Wildgehege und zahlreichen Blumenarten. Entlang der Flüsschen Pleiße, Elster und Luppe erstreckt sich der Auenwald, der als Naherholungsgebiet vielfältige Erholungsmöglichkeiten bietet.
Östliche Richtung: Der Bayrische Bahnhof ist der älteste Kopfbahnhof der Welt, er wurde bereits 1844 in Betrieb genommen und diente der Bahnverbindung zwischen Sachsen und Bayern. Das alte Buchhändlerviertel wurde zwar im zweiten Weltkrieg fast ganz zerstört, doch klangvolle Namen wie Reclam-, Insel- oder Baedekerstraße erinnern an die Tradition. Hier findet man das Messehaus Bugra, das einst als "Deutsches Buchgewerbehaus" errichtet wurde. Ein Stück weiter gelangt man durch das Klinikviertel zum Botanischen Garten, der seit 1542 Orchideen, Palmen und sonstige exotische Gewächse präsentiert.
Nördliche Richtung: Das Schillerhaus im Stadtteil Gohlis ist ein kleines Fachwerk-Bauernhaus und gilt als Geburtsort der Ode An die Freude. Hier wohnte Schiller 1785 und arbeitete an seinem Werk Don Carlos. Im Gohliser Schlösschen kann man die kulinarischen Spezialitäten Sachsens genießen oder einer der kammermusikalischen Aufführungen lauschen, während man die Verschmelzung der barocken Baukunst mit dem Rokoko bestaunt. Die Brodyer Synagoge wurde 1904 eingeweiht und ist die einzig erhaltene Leipziger Synagoge nach der Reichskristallnacht 1938. Sie wurde am 22. Mai 1993 erneut geweiht. Im Leipziger Zoo sind seit 1877 wilde Tiere wie Löwen, Hyänen oder sibirische Tiger zu bewundern. Wer den Eintritt scheut, kann an der Rückseite im Rosental spazieren und durch das Zooschaufenster einen Blick auf das Innere erhaschen.
Westliche Richtung: Die Stadtteile Plagwitz und Lindenau beherbergen hauptsächlich Fabriken und Unternehmen, doch auch das Sportstadion, Deutschlands größtes Stadion. Das angeschlossene Sportmuseum bietet einen guten Einblick in die Entwicklung des Sports, mit dem Schwerpunkt Turnen. Erholsam ist der Gang durch den Clara-Zetkin-Park mit seinen Teichen und Dahlienterrassen. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Pferderennbahn Scheibenholz, auf der so manch einer ein Vermögen machte - oder verlor.
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