Genf war und ist noch immer eine internationale Stadt. Plündernde Barbaren, römische Eroberer, vertriebene religiöse Führer, Gastarbeiter und Flüchtlinge haben in dieser Gegend ihre Spuren hinterlassen. Angriffe, wie der des Herzogs von Savoyen, wurden abgewehrt, was auch in dem oben erwähnten Roman beschrieben wird. An diese Ereignisse erinnert das jährlich stattfindende Escalade Fest in der Altstadt. Führende Politiker gründeten hier nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs die Liga der Nationen – heute die Vereinten Nationen. Der bekannte polnische Regisseur Krystof Kieslowski kam nach Genf, um seine Filme Die zwei Leben der Veronika und Drei Farben: Rot zu drehen.
Die meisten Besucher wissen oft gar nicht um die bewegte Geschichte der Stadt. Wenn man sich aber damit beschäftigt, entdeckt man 2000 Jahre faszinierender Vergangenheit.
Der erste Nachweis von Besiedelung in dieser Gegend datiert in die Jahre um 3000 vor Christus. In der Zeit um 5000 vor Christus gründeten die Allobrogen – ein Stamm keltischen Ursprungs – ein Dorf an der Stelle, wo heute die Altstadt steht.
Schriftlich erwähnt wurde Genf zum ersten Mal in Julius Caesars Schriften über den gallischen Krieg (De Bello Gallico), die den Sieg der römischen Truppen über einen angreifenden helvetischen Stamm im Jahr 58 vor Christus dokumentieren. Die Römer hielten die Stadt, die damals Genava hieß, nach der Vertreibung der Kelten im Jahr 120 vor Christus besetzt. Die Stadt entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten prächtig und wurde am Höhepunkt der römischen Herrschaft im Jahr 400 zum Bischofssitz ernannt.
Die nächsten sechs turbulenten Jahrhunderte wurden durch Fall des römischen Reiches und die Völkerwanderungen gekennzeichnet, in dieser Zeit festigte sich aber auch der Status der Stadt als unabhängiges Gebiet, das den Angriffen der umliegenden Königreiche widerstand.
Zur Zeit des Mittelalters hatte sich Genf zu einer anerkannten internationalen Handelstadt entwickelt. Der aus dem Handel resultierende Wohlstand zog die Aufmerksamkeit der umliegenden Mächte auf sich. Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert versuchten die Prinzen von Savoyen vergeblich die Autonomie der Stadt zu brechen. In Krisenzeiten fand Genf in den Schweizer Kantonen Bern und Fribourg Verbündete.
Im Jahr 1535 wurde Genf zur Republik erklärt und kurz danach nahm Jean Calvin Einfluss auf die religiöse und politische Führung der Stadt. Verfolgte Protestanten aus Italien und Frankreich fanden in Genf eine neue Heimat. Eine weitere Einwanderungswelle wurde durch das Verbot des Protestantismus durch Ludwig XIV. im Jahr 1685 ausgelöst. Die massive Zuwanderung ließ die Stadt erblühen und die bekannte Uhrmacherzunft und das Bankwesen wurden etabliert.
Die Reformation prägte auch den Leitspruch der Stadt: Post Tenebras Lux (Licht nach der Dunkelheit), was auch den biblischen Einfluss des Calvinismus dokumentiert.
Soziale Spannungen und Unzufriedenheit mit der Stadtregierung führten im ausgehenden 18. Jahrhundert zur Revolution im Jahr 1792. Die erkämpfte politische Toleranz währte aber nur kurz bis zur Eroberung der Stadt durch Napoleon im Jahr 1798, als die Stadt zum Verwaltungssitz des Department de Leman gemacht wurde.
Genf erlangte nach der Niederlage Napoleons im Jahr 1813 seine Eigenständigkeit zurück. Die Stadtführung war sich der Gefahr vor Angriffen bewusst und appellierte für einen Anschluss an die Schweizer Eidgenossenschaft, der im Jahr 1815 gewährt wurde. Im selben Jahr wurde am Wiener Kongress die immerwährende Neutralität der Schweiz anerkannt.
Im Jahr 1846 stürzte James Fazy die bisherige Stadtführung und setzte die Verfassung ein, die auch noch heute im Kanton Genf gültig ist.
Im Jahr 1864 wurde in Genf die erste der internationalen Organisationen gegründet, für die die Stadt so berühmt ist: das Internationale Rote Kreuz. Andere Beispiele sind die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Europäische Organisation für Kernforschung CERN.
Erweiterte Web-Suche nach Genf
Die besten Angebote im Preisvergleich: