Allgemeines

Mark Twain besuchte gegen Ende des 19. Jahrhunderts Genf so oft, dass die amerikanischen Literaturmagazine befürchteten, er habe sich hier bereits niedergelassen. Der Autor war zweifellos fasziniert von den labyrinthischen engen Gässchen der Altstadt und deren reformistischen Namen wie Rue d'Enfer und Rue du Purgatoire (Höllenstrasse und Strasse des Fegefeuers).


Doch lassen wir die Literatur beiseite. Genf ist auch im 21. Jahrhundert noch eine verblüffende Stadt. Ihre Toleranz gegenüber religiösen und ethnischen Minderheiten und die Niederlassung internationaler Organisationen ließen die ausländische Bevölkerung auf 40 Prozent anwachsen. Diese kulturelle Mannigfaltigkeit wirkt sich sehr positiv aus und manifestiert sich überall – in den Küchen der Restaurants bis in die Kunstgalerien.


Genf liegt in der südwestlichsten Ecke der Schweiz und wird von französischem Gebiet umgeben. Eingebettet in eine aufregende Landschaft am Ufer des Genfer Sees zwischen den Alpen und dem Jura liegt Genf in der Nähe von Skigebieten, Weinbergen, Badekurorten und historischen Städten. Die Stadt ist klein, gut zu Fuss zu erkunden und sehr grün, es gibt viele Parks und Fusswege in und ausserhalb der Stadt.


Wer die Stadt besucht, wird die Klischees der Stadt nicht bestätigen können. Das Image von Genf, einer verschlafenen, Fondue-triefenden Stadt für Heidi-verliebte Diplomaten, ist schon lange Vergangenheit. Die Lebendigkeit der Stadt ist vielleicht schwieriger als in den meisten anderen europäischen Metropolen zu finden, doch wer sie einmal gespürt hat, wird vom Angebot nicht enttäuscht sein.


Genfer See


Die dominierende geografische Besonderheit der Stadt ist natürlich der Genfer See. Dieses riesige Wasserreservoir ist der grösste und klarste aller Seen in der Schweiz. Aber Genf ist nicht die einzige Stadt am See, auch Lausanne oder Evian liegen an den Ufern des Genfer Sees. Die warme Saison läutet in der Stadt die Öffnung der Uferterrassen und der Strandbäder ein, das bekannteste ist das Bains de Pâquis, das bei Schwimmern wie auch bei Kaffeehausgängern beliebt ist. Eine Bootsfahrt über den See bietet wunderbare Aussichten auf das Jet d'Eau und die Savoyer Berge.


Das Stadtzentrum


Es ist schwierig, einen einzigen Punkt als Stadtzentrum auszumachen. Historisch gesehen war der Place du Bourg de Four der zentrale Platz in der Altstadt. Tatsächlich aber scheint er diese Ehre an das Gebäude auf der Pont-de-la-Machine, einer Brücke über die Rhône, abgegeben zu haben. Hier ist eine Filiale des Genfer Touristeninformationszentrums untergebracht. Stadtpläne und Prospekte werden gratis angeboten, man bekommt sie aber auch in der Zentrale am Hauptpostamt in der Rue du Mont-Blanc.


Die Rive Droite von Cornavin nach Bel-Air bietet eine grosse Auswahl an Geschäften, Hotels und Restaurants. Im Placette, einem bekannten Supermarkt und Kaufhaus, das von der Manor-Gruppe betrieben wird, wimmelt es immer von Einheimischen und Touristen. Die Bäckerei im Placette ist exzellent, im obersten Geschoss gibt es ein Cafe und im Erdgeschoss ein Selbstbedienungsrestaurant.


Altstadt


Seit den Zeiten der Römer ist der Bourg de Four im Herzen der Altstadt ein Treffpunkt. In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen aus dem 18. Jahrhundert, der von Terrassencafes (wie dem La Clemence), Buchläden und Antiquitätengeschäften sowie einer Polizeistation umgeben ist.


Um Exklusivität zu erleben, sollte man die Rue du Rhône am linken Ufer nicht auslassen. Hier trifft man die gutgekleideten, Vuitton tragenden oberen Zehntausend, die sich in den Geschäften mit Nerzen, Diademen und Uhren versorgen, die derart mit Diamanten bestückt sind, dass man gleichzeitig Gucci-Sonnenbrillen und einen Bodyguard dabei haben sollte. Aber es ist nicht alles Gold, was hier glänzt. Das aus Paris stammende Kaufhaus Tati ist die günstige Alternative im teuren Angebot.


Die Tram durchquert dieses Einkaufsviertel, das nur einen Block von der Rue du Rhône entfernt ist und direkt unter der Altstadt liegt. Es ist Genfs eigentliche Hauptstrasse. Verwirrend ist, dass diese Verkehrsader alle hundert Meter ihren Namen wechselt, von der Rue de la Confederation nahe dem Bel-Air, bis zur Rue de Rive, der Grenze zu den Eaux-Vives. Große Kaufhäuser wie der Globus und das EPA reihen sich hier auf, genauso große Modeketten wie H&M. Zu finden gibt es ebenso etliche Fast-Food-Ketten und Straßenkünstler.


Eine der bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten dieses Viertels ist die Cathedrale St-Pierre. Die historische Rolle der Kathedrale in der Geschichte (Calvin predigte hier) ist bedeutender als ihre bauliche Schönheit, denn sie versammelt Stückwerk aus verschiedenen Jahrhunderten. Nahe den Fundamenten der Kathedrale entdeckten Archäologen Ruinen eines römischen Tempels (350 nach Christus), die öffentlich zu besichtigen sind. Der Nordturm kann gegen einen kleinen Eintrittspreis (CHF 3) bestiegen werden und bietet einen wunderbaren Ausblick über die Stadt.

Das Maison Tavel in der Rue Puits-de-St-Pierre Nummer 6 ist das älteste Haus in Genf. Heute befindet sich hier ein Stadtmuseum, das auf mehreren Geschossen Ausstellungsstücke aus der Vergangenheit Genfs zeigt – auch Zimmer, die im Stil der Epoche eingerichtet sind. Ein anderes Museum in dieser Gegend ist das Musee Barbier-Müller, das eine faszinierende Sammlung nicht-europäischer Kunst zeigt.

Obwohl es unmöglich ist, das Auto in der Altstadt zu parken, ist es kein Problem, an der Promenade de la Treille einen Sitzplatz zu finden. Die 126 Meter lange Holzbank ist die längste der Welt. Blühende Kastanienbäume an diesem herrlichen Platz künden den Beginn des Frühlings an.


Les Pâquis


Das Pâquis-Viertel verbindet exotische und erotische Freuden und kommt einem Künstlerviertel am nächsten. Hinter den prunkvollen Fassaden von renommierten Hotels am rechten Ufer liegen zwielichtige Etablissements, die billige Shows und Sexartikel anbieten. Wo früher Kühe weideten, verkaufen heute unzählige Boutiquen originelle Kunst, Kleidung und Schmuck. Die Auswahl an Cafes und Restaurants in den Pâquis ist unübertrefflich. Die besten ethnischen Küchen bieten das Jeck's Place (Singapur/malaysisch), das Le Comptoir (japanisch/international) und das Amir Beyrouth (libanesisch).


Les Eaux-Vives



Von den pulsierenden Pâquis über den See findet man die Eaux-Vives. Italienische Restaurants, von denen besonders das Da Paolo und das Vesuvio zu empfehlen sind, gibt es in Hülle und Fülle. Kleine Boutiquen säumen die Rue des Eaux-Vives und die Seitenstraßen, die zum See führen. Das Programm-Kino Les Scala zeigt in seinen drei Sälen Originalfassungen. Der Parc des Eaux-Vives und La Grange sind große Grünflächen, im letzteren befinden sich auch römische Ruinen und prachtvolle Rosengärten.


Carouge


Carouge liegt ein paar Kilometer außerhalb vom Stadtzentrum und hat einen ganz anderen Flair wie der Rest von Genf. Heute finden sich in diesem erstaunlich gut erhaltenen Viertel schicke Kunstgalerien, Boutiquen und Restaurants. Einst im Besitz des Königs von Sardinien, versprühen die graziösen Gebäude ihren mediterranen Charme. Unter den empfehlenswerten Restaurants sind das L'Ange des Dix Vins und das Cafe des Negociants. Die schicke Nacht-Bar Le Chat Noir bietet Live-Musik.


Cologny


Als das Beverly Hills" von Genf bekannt, sollte man Cologny unbedingt wegen seiner Aussicht auf den See besuchen. Die bekannteste Villa unter den vielen großen Anwesen ist die Villa Diodati am Chemin de Ruth. Mit Percy Bysshe Shelley und Mary Wollstonecraft Shelley verbrachte Lord Byron den Sommer 1816 hier. In dieser Villa nach einer stürmischen Nacht kam Mary Shelley in einem Traum die Idee zum Roman Frankenstein.

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