Allgemeines
Auf den ersten Blick wirkt Hannover, trotz der halben Million Einwohner, recht überschaubar. Es gibt jedoch Etliches zu entdecken. Reichverzierte Gebäude erzählen von der Zeit, als Hannover noch ein Königreich war, Einkaufsstraßen und grüne Ecken laden zum Bummeln und Verweilen ein. Und manche Stadtteile haben eine eigene Kultur entwickelt, die sich zu erkunden lohnt.
Innenstadt In Hannover trifft man sich "unterm Schwanz," so nennt sich der Ort unter dem Schweif des Pferdes des
Ernst August Denkmals vor dem
Hauptbahnhof. Wenige Minuten weiter geradeaus, an der Kröpcke-Uhr, erstreckt sich eine breite Einkaufszone mit dem üblichen Sortiment an Kaufhäusern, aber auch netten Plätzchen zum draußen sitzen. Mehr bietet die Georgstraße wenn man in die andere Richtung geht, allem voran das
Opernhaus; dahinter steht seit 1994 das Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Gegenüber wartet Hannovers teure Flaniermeile mit Parfümerien, Boutiquen und Juwelieren auf geldkräftige Kunden, abends laden GOP und Neues Theater Unterhaltungslustige ein. Im Sommer trifft sich Hannover traditionell Sonntags vormittags auf der Georgstraße zum "Schorsenbummel" mit Ständen und Musik; "Schorse" ist hanöversch für Georg, König Georg II..
Die Altstadt Von den engen Gassen und malerischen Gebäuden hat der Zweite Weltkrieg ganze 15 Prozent übrig gelassen. Doch der Mix aus Designer-Boutiquen, Gaststätten und historischen Mauern schafft ein lebendiges Stückchen Stadt. Die winkligen Fachwerkhäuser rund um den Holzmarkt, die wiederaufgebaute Renaissance-Front des Leibnizhauses, die
Marktkirche und das frisch aufpolierte
Alte Rathaus zeugen von der historischen Schönheit Hannovers; im 350 Jahre alten
Leineschloss sitzt heute der Niedersächsische Landtag. Im "Bauch von Hannover," der Markthalle, trifft man sich gern auf einen Cappucchino. Überhaupt bietet die Altstadt vom feinen Menü bis zum Eintopf kulinarische Vielfalt. Kleine Hausbrauereien wie das
Brauhaus Ernst August oder das Broyhan-Haus setzen die Biertradition von Hannover fort. Am Samstagvormittag lohnt der Bummel über den
Flohmarkt entlang dem Leineufer, zwischen dem antiken Beginentrum und den knallbunten Nanas. Übrigens: Hannovers Sehenswürdigkeiten erkundet man am besten auf dem Strich. Eine rote Linie auf dem Pflaster führt 4,2 km weit durch Innen- und Altstadt.
Südstadt Traditionell werden Hannovers Stadtteile mit sozialen Gruppen identifiziert; in der Südstadt wohnen danach die Beamten und Angestellten. Doch an ihrem Rande joggt, skatet oder radelt ganz Hannover um den
Maschsee; in kalten Wintern steigen Schlittschuhpartys. Die weitläufige Grünfläche beginnt hinter dem prunkigen
Neuen Rathaus mit dem Maschpark und Maschteich. Nach Süden hin erstreckt sich auf 2,4 Kilometer Länge Hannovers größte Wasserfläche, die Boote der Verkehrsbetriebe verbinden die Ufer miteinander. Am südlichen Ende planschen Kleinkinder im flachen Strandbad. Im August wird die Idylle jäh unterbrochen: Beim
Maschseefest wird vor Theater- und Musikbühnen schwer gefeiert. Bei jedem Wetter zu empfehlen: Das
Sprengel Museum mit hervorragender moderner Kunst.
Döhrener Masch Südlich an den Maschsee schließt das Grün der Döhrener Masch und der Ricklinger Teiche an. Die stadtnahen, DLRG-kontrollierten Badetümpel sind ein beliebter Sommertreffpunkt, an ihren Ufern wird gegrillt, tagsüber steigen Drachen, abends Partys. FKK-Anhänger haben einen der Teiche erobert, am anderen ist Badebekleidung üblich.
Linden Das traditionelle Arbeiterviertel Hannovers war eines der ersten Industriezentren Norddeutschlands. Heute herrscht friedliche Kulturenvielfalt, die spanischen Restaurants und türkischen Lebensmittelläden sind nicht mehr wegzudenken. Alteingesessene sprechen noch heute Lindener Platt; überhaupt versteht sich Linden selbstbewußt als eigene Lebenswelt. Die Sanierung hat den Straßenzügen ein freundlicheres Gesicht gegeben; nur das Einkaufs-Ihme-Zentrum ist ein häßliches Relikt der Betonbau-Euphorie. Ein positives Beispiel heutiger Lindener Kultur ist die denkmalgeschützte Bettfedernfabrik Faust, die als vielfältiges Veranstaltungszentrum genutzt wird. Auf Hannovers einzigem natürlichen Berg, dem Lindener Berg, residieren der Jazz Club und der hochbeliebte Biergarten am Lindener Turm.
Oststadt/List In den reichverzierten Jugendstilhäusern wohnt das Gros von Hannovers Medien- und Kulturschaffenden. Auch deshalb ist in diesem Stadtteil die Restaurant- und Kneipendichte hoch. Am nordöstlichen Ende der Passarelle unter dem Bahnhof beginnt, was Einheimische Hannovers das "Bermudadreieck" nennen: eine Ansammlung von Discos, Bars und Nachtcafes rund um den Weißekreuzplatz. Die Lister Meile, die sich als Einkaufsstraße durch die List zieht, dient tagsüber dem Sehen und Gesehenwerden. Von der Oststadt und dem Zooviertel bis nach Kleefeld und Döhren erstreckt sich die
Eilenriede, Hannovers Stadtwald.
Zoo Wer alte Villen mag, findet in diesem Viertel Anschauungsobjekte. Auf alle Fälle sehenswert ist
Hannovers Zoo, der zur Expo mit weitläufigen Anlagen ausgestattet wurde. Blumenfreunde können im Stadtpark hinter dem Kuppelsaal des Congress-Centrums Überbleibsel der ersten Bundesgartenschau 1951 bewundern.
Nordstadt Einst war die Nordstadt ein Arbeiterviertel, doch längst haben Hannovers Studenten den Stadtteil erobert. So prunkvoll das Universitätsgebäude ist, das bei Baubeginn 1857 ein Welfenschloß werden sollte, so eng und vom Zahn der Zeit angenagt, drängen sich zum Teil die Häuser dahinter. Ein bunte Kultur entstand in Kneipen, Stadtteilzentren und auch in ehemals besetzten Häusern. Die Zeiten, als Punker an Chaostagen die Bürger schreckten, scheinen allerdings vorbei.
Herrenhäuser Gärten Gegenüber der Universität beginnen Hannovers berühmteste Gärten. Im
Georgengarten spielt man Ball und Boule oder lagert um den Leibniztempel. Mitten im Grünen ist das
Wilhelm-Busch-Museum eine besondere Attraktion. Der
Große Garten mit seinem Gartentheater, den Wasserspielen und der Großen Fontäne ist einer der bedeutendsten erhaltenen Barockgärten. Feuerwerkswettbewerbe und vor allem das
Kleine Fest im Großen Garten nutzen in den Sommermonaten die Kulisse der abgezirkelten Hecken und aufgereihten Beete. Gegenüber dem Großen Garten gelangt man in den Berggarten mit altem Baumbestand, Orchideensammlung und Kakteen in Tropenhäusern. Hier findet sich auch das zur Expo 2000 neuerrichtete Regenwaldhaus, das seinen nicht ganz billigen Eintrittspreis absolut wert ist.