Attraktionen

Tour 1: Das goldene Dreieck

Eines der beliebtesten Freizeitvergnügen der Einwohner Madrids ist es, spazieren zu gehen. Einer der schönsten Spaziergänge wiederum ist eine Tour durch das sog. „Goldene Dreieck“, bei dem es sich vermutlich um das am meisten besuchte Gebiet in Madrid handelt – und das aus gutem Grund! Der Name rührt von den drei wichtigsten Museen Madrids, wenn nicht sogar Spaniens, her, welche die Eckpunkte des Dreiecks bilden: das Prado-Museum (Museo del Prado), das Kunstzentrum Königin Sofía (Centro de Arte Reina Sofia) und das Museum Thyssen Bornemizsa. Natürlich gibt es außer diesen großen Museen noch andere interessante Orte, die man unbedingt besuchen sollte.

Beginnen wir an dem Bahnhof Atocha. Wer mit der U-Bahn fährt, sollte am Bahnhof Atocha und nicht am Bahnhof Atocha-Renfe aussteigen. Beim Verlassen der U-Bahnstation sieht man den Bahnhof gegenüber liegen. Er wurde Anfang dieses Jahrhunderts erbaut, jedoch erst vor kurzem renoviert und für die spanischen Hochgeschwindigkeitszüge AVE erweitert. So verfügt er heute auch über ein elegantes Restaurant mit einem herrlichen Blick auf einen im Inneren angelegten, tropischen Urwald.

Vom Bahnhof aus überqueren Sie die Straße bis hin zum Paseo del Prado und biegen Sie dort nach links ab. Im 17. und 18. Jahrhundert war diese Promenade bei den Adeligen sehr beliebt, welche entlang dieser Straße und in den Seitenstraßen zahlreiche ihrer Paläste errichteten. Den ersten Halt auf dieser Tour sollte man jedoch am Königlichen Botanischen Garten machen. Er wurde unter Karl III. angelegt und 1781 der Öffentlichkeit preisgegeben. Pflanzen und Bäume wurden aus aller Welt zusammengetragen (mehr als 30.000 Exemplare) und verwandelten diese Anlage in eine der wichtigsten ihrer Art landesweit. Das zentrale Gebäude dieses Gartens wurde von Sabatini entworfen – dem Architekten, der ebenfalls für den Königlichen Palast (Palacio Real) verantwortlich ist.

Biegt man wieder rechts auf den Paseo del Prado ab und geht man einen Häuserblock an den von Bäumen gesäumten Wegen weiter, so findet man das berühmteste Museum Spaniens und eine der Spitzen des Goldenen Dreiecks: das Prado-Museum. Zurzeit werden Bauarbeiten zur Erweiterung der Ausstellungsfläche durchgeführt, da seit langem leider zu viele der dort befindlichen Meisterwerke nur gelegentlich besichtigt werden können. Vor dem Museum ist eine Statue zu sehen, die einem der berühmtesten Maler Spaniens, Diego Velázquez, gewidmet ist. Bei dem Prado handelt es sich um neoklassizistisches Gebäude, dessen Bauarbeiten 1785 unter Karl III. begannen, jedoch erst 1819 unter der Herrschaft Ferdinands VII. abgeschlossen wurden. Es beherbergt etwa 18.000 Kunstwerke (Malerei, Bildhauerei, etc.), wobei weitere 12.000 in den Lagern des Museums aufbewahrt werden und 4.000 auf andere Museen verteilt sind. Die Renovierung dieses großartigen Museums war wahrlich an der Zeit. Biegt man in die erste Straße auf der rechten Seite, die Calle Felipe IV, ab und lässt man die Kirche Iglesia de los Jerónimos hinter sich, so gelangt man an die Calle Alfonso XII. Hinter dem schmiedeeisernen Gitter liegt der Park Parque del Buen Retiro, eine der Lungen der Stadt (die zweite bedeutende ist die Casa de Campo). Hier kann man sich wirklich von allem loslösen, ein Plätzchen für ein Nickerchen unter einem Baum finden, ein Picknick veranstalten, etc. Der Park diente ursprünglich dem Kloster Monasterio de San Jerónimo und später dem Palacio del Buen Retiro als Gartenanlage. Hier lebte Philipp II., während das monumentale Kloster bzw. Palast Escorial errichtet wurden. Leider wurde der Palast unter der französischen Besetzung von 1818 größtenteils zerstört. Lediglich der einstige Ballsaal blieb erhalten und dient heute als Ausstellungsraum Casón del Buen Retiro. Bis zum Jahr 1868, als dieser außergewöhnliche Park der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, kam nur die Aristokratie in seinen Genuss. Weitere Sehenswürdigkeiten des Parks sind der Palacio de Cristal (Glaspalast), ein Teich und ein Denkmal von Alfons VII., sowie eine Statue, welche den Teufel darstellt.

Verlässt man den Park über die Avenida de Mejico und den Haupteingang, steht man vor einer der emblematischsten Sehenswürdigkeiten Madrids, dem Torbogen Puerta de Alcalá auf der Plaza de la Independencia. Auch dieser wurde unter der Regentschaft Karls. III. erbaut (nicht umsonst wird er als der beste Bürgermeister-König Madrids erachtet), um einen der Hauptzugänge zur Stadt zu verschönern. Richtig berühmt wurde das Denkmal durch das Lied „La Puerta de Alcalá“ der spanischen Sängerin Ana Belen, in dem das Tor als Zeitzeuge der wichtigsten Veränderungen innerhalb der spanischen Gesellschaft durch all die Jahre genannt wird.

Spaziert man entlang der Calle de Alcalá, sieht man links den Telekommunikations-Palast bzw. die Post. Hierbei handelt es sich vermutlich um das schönste Postamt weltweit. Man sagt, dass Trotsky bei einem Besuch in der Stadt äußerte, das Gebäude müsste vielmehr als „Heilige María der Kommunikationen“ bezeichnet werden. Es besteht aus unterschiedlichen architektonischen Stilen und könnte durchaus ein Palast, eine Kirche oder (warum nicht?) ein Postamt sein. Man sollte unbedingt eine Runde um das Gebäude drehen und auch eintreten, um ein paar Briefmarken zu kaufen. Auf der Hälfte des Paseo del Prado liegt ein weiteres der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Madrids, die Cibeles (18. Jahrhundert), eine Ehrerbietung gegenüber der römischen Fruchtbarkeitsgöttin. Zur Statue kann man nur zu bestimmten Zeitpunkten gelangen, wenn auf den Straßen Verkehrsstau herrscht. Die beste Aussicht auf das Denkmal hat man jedoch vom zentralen Boulevard des Paseo del Prado aus. Wer möchte, kann anhand eines unterirdischen Weges weiter der Calle de Alcalá folgen, um sich zwei weitere wichtige Bauwerke der Umgebung anzuschauen: die Spanische Staatsbank und das Zentrum der schönen Künste, eines der wichtigsten Kulturzentren in Madrid.

Entlang dieses Boulevards Richtung Bahnhof Atocha gelangt man bald an die zweite Spitze des Goldenen Dreiecks, das Museum Thyssen Bornemizsa. Dieser alte Palast enthält die Sammlung der Familie Thyssen-Bornemisza – seit 1993 im Besitz der spanischen Regierung – und ist ebenfalls Schauplatz einiger sehr interessanter Wanderausstellungen. Sie wurde einst als die beste private Kunstsammlung angesehen und enthält mehr als 800 Werke, welche chronologisch auf den verschiedenen Etagen angeordnet wurden.

Etwas davon entfernt und inmitten der Plaza Cánovas del Castillo befindet sich ein höchst bekannter Brunnen, der des Neptun, welcher – wie könnte es anders sein – unter Karl III. errichtet wurde.

Folgt man dem Paseo del Prado Richtung Atocha, muss man rechts abbiegen und die Calle Atocha (zur U-Bahnstation) überqueren. Dann sollte man nach rechts durch eine kleine Passage (Santa Isabel) gehen. Bald sieht man die gläsernen Aufzüge an der Fassade eines Gebäudes, das im 18. Jahrhundert ein Krankenhaus war und heute das Kunstzentrum Königin Sofía (Centro de Arte Reina Sofía) bzw. die letzte Spitze des Goldenen Dreiecks ist. Hierbei handelt es sich um das Museum zeitgenössischer Kunst der Stadt, dessen wohl berühmtestes Werk „Guernica“ von Picasso ist. Es wird jedoch nicht nur Picasso ausgestellt; die Arbeiten Dalís, Joan Mirós und vieler weiterer zeitgenössischer Maler und Bildhauer sind hier zu sehen. Es werden auch wichtige und gut besuchte Wanderausstellungen aufgenommen, die sich der Fotografie bzw. zeitgenössischen Künstlern widmen. Die Buchhandlung des Museums (nicht der Andenkensladen gleich am Eingang) ist mit Büchern und Albums über Kunst, Fotografie und Architektur eine der besten der Stadt. Weitere Gebäude von Interesse entlang dieser Tour sind das Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados oder Las Cortes), die Börse, die Hotels Ritz und Palace, sowie die Königliche Sprachenakademie (Real Academia de la Lengua) und die Casa de America (Palacio de Linares).

Tour 2: Das Madrid von Los Austrias

Aufgrund der äußeren Erscheinung könnte man von Madrid sagen, dass es sich eher um eine moderne Stadt aus dem Zeitraum zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhunderten handelt. Unglücklicherweise wurden mit dem Anwachsen der Stadt viele Gebäude der alten Viertel zerstört, um Wohn- und Büroblocks zu errichten. Das als Los Austrias bekanntes Gebiet (der Name bezieht sich auf die Zeit, in der Spanien Teil des österreichisch-ungarischen Imperiums, bzw. andersrum, war) jedoch hat seinen Ursprung im 16. und 17. Jahrhundert. Nachts ist es sehr sehenswert, da die Straßenlampen den engen und zickzackförmigen Gassen einen besonderen Zauber verleihen. Nichtsdestotrotz kann man natürlich wegen der Dunkelheit nicht so leicht alle architektonischen Details aufnehmen. Ganz egal ob tagsüber oder nachts, dies ist die wahrscheinlich schönste Zone Madrids. Die Tour beginnt an der U-Bahnstation Ópera. Verlässt man diese, so kann man den erst kürzlich wiederhergestellten Platz hinter dem ebenfalls vor kurzem renovierten Teatro Real, sehen. Nach vielen Aufschüben und Problemen wurde das Theater 1997 endlich wieder geöffnet. Ihm gegenüber liegt die Plaza de Oriente mit dem Königlichen Palast (Palacio Real) aus dem 18. Jahrhundert im Hintergrund. Der Palast dient heute als Museum und für offizielle Anlässe. Die Plaza de Oriente ist umringt von eleganten Cafes und ein toller Ort zum Sitzen und Ausruhen. Eines der berühmtesten Cafes ist das Cafe de Oriente.

Folgt man dem Plast abwärts und biegt man links ab, findet man die Catedral de la Almudena, eine ebenso alte wie moderne Kirche, die lange Zeit unvollendet war und von der noch immer einige Leute denken, dass sie wenigstens noch ein paar Ausbesserungen vertragen könnte. Geht man die kleine Steigung in der ersten Straße rechts ein wenig herunter, so kann man von dort aus (und nach der Kurve) das wenige sehen, was von der alten arabischen Stadtmauer übrig geblieben und im Rahmen von Restaurationsarbeiten wieder ans Tageslicht gekommen ist. Zurzeit dienen diese Reste als Szenarium für Freilicht-Theateraufführungen, vor allem im Frühling und im Sommer. Wieder oben in der Calle Bailen und über die Calle Mayor hinweg gelangt man rechts am Palast des Herzogs von Uceda (Palacio del Duque de Uceda) aus dem 16. Jahrhundert vorbei, in dem sich heute ein Hauptquartier des Generalkapitanats befindet. Einen Häuserblock weiter sieht man die Plaza de la Villa, an der besonders das Rathaus der Stadt aus dem 17. Jahrhundert hervorsticht. Der Platz ist umgeben von ehemaligen Palästen, wie der Casa de Cisneros und der Torre de los Lujanes (15. Jahrhundert), dem Palacio del Cordón und der Casa de Iván de Vargas, die heute allesamt Bürogebäude des Stadtrats sind. Vor allem die Casa de Cisneros (16. Jahrhundert) stellt ein gutes Beispiel plateresker Architektur dar. Dieser kleine Platz ist vor allem nachts sehr sehenswert.

Begibt man sich in die Calle Cordón, eine kleine Straße, welche den Flair einer anderen Zeit vermittelt, so sollte man die Calle Sacramento überqueren und bis zur Calle Segovia weitergehen. Genau gegenüber sieht man eine kleine runde Kirche, die Iglesia de San Pedro. Früher befand sich in dieser Gegend der päpstliche Nuntius. Einige der ehemaligen Herrenhäuser, Stallungen, usw. sind heute Cafes und Restaurants, wie beispielsweise das Cafe del Nuncio oder die Taberna de los 100 vinos, ein gutes Restaurant in einem ehemaligen Stall. Diese Zone hat sich erneut in einen Anziehungspunkt für die gehobene Mittelklasse verwandelt, erhält jedoch seinen alten Zauber aufrecht. Zu einer der schönsten Gegenden zählt die Plaza de Paja. Man gelangt dorthin, indem man die Calle Segovia hinabgeht und auf der rechten Seite die erste Straße nach der Kirche, dann die Calle Príncipe Anglona und schließlich die erste Straße links abbiegt. Schon befindet man sich auf der Plaza de la Paja (Strohplatz), wo – wie der Name zu verstehen gibt – einst Stroh verkauft wurde. Heute ist dies ein ruhiger Ort zum Ausruhen. Hier kann man auch die Capilla del Obispo (Bischofskapelle), ein gotisches Gebäude mit einem Retabel aus der Renaissance, besichtigen.

Von hier aus besteht die Möglichkeit, verschiedene Plätze zu besuchen, so z.B. die Plaza de San Andres, die Puerta de Moros und die Plaza de la Cebada. Die Gegend ist mit Bars, Restaurants und Terrassen, sowie Musikern und Auftritten aller Art belebt worden und vor allem an sonnigen Nachmittagen und den wochenendlichen Nächten sehr beliebt.

Folgt man der Cava Baja (nicht der Cava Alta), gelangt man zu einem der vermutlich schönsten Plätze in ganz Spanien, der Plaza Mayor. Noch vor Jahren war die Straße voller Hotels und Restaurants. Die Restaurants von heute sind etwas teurer, aber ideale Orte, um neue Tapas zu kosten. Eines der berühmtesten Restaurants ist die Posada de la Villa, ein echter Gasthof aus dem 17. Jahrhundert. Wieder in der Calle Segovia kann man ein Zementkreuz inmitten eines kleinen, als Puerta Cerrada bekannten Platzes sehen. Scheinbar schloss man dieses Tor, um den Bettlern den Zugang zur Stadt zu verwehren.

Biegt man links in die Calle Cuchilleros mit einer leichten Steigung ein, so gelangt man zum Eingang der Plaza Mayor, dem Arco de Cuchilleros, welcher sich über der Straße erhebt. An dieser Ecke befindet sich das Restaurant Cuevas de Luis Candelas, dessen Name auf einen Volkshelden Madrids Bezug nimmt. In dieser Straße liegen ebenfalls zahlreiche Gasthäuser und Restaurants (einschließlich des ältesten Restaurants der Welt, dem Botín), welche einst als Weinkeller und Lager dienten und heute einen Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische darstellen. Auf dem gepflasterten Platz angelangt kann man in dessen Zentrum die Statue von Philipp III. sehen.

Nachdem Madrid im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt des Imperiums geworden war, verwandelte man den einstigen Markt in den Schauplatz einiger der wichtigsten religiösen und kulturellen Veranstaltungen der Stadt (wie beispielsweise Prozessionen, Gerichte und Hinrichtungen während der Inquisition, sowie Stierkämpfe und Festivals). Heute finden hier im Frühling und Sommer Konzerte und Theateraufführungen statt. Sonntagsvormittags wird der Platz zum Paradies für Sammler von Briefmarken und Münzen, während man in der Weihnachts- und Karnevalszeit jegliche Art von Dekoration für Mensch und Heim finden kann. Dieser Platz stellt das Herz des alten Madrids und vielleicht auch das des modernen Madrids dar.

Weitere Gebäude und Parks in dieser Zone sind das Monasterio de las Descalzas Reales (ein Kloster nahe der Puerta del Sol), die Iglesia de San Isidro (die ehemalige Kathedrale), das Monasterio de la Encarnación aus dem 17. Jahrhundert (in der Nähe der Plaza de Oriente), der Palacio de Santa Cruz (an der Plaza Provincia, neben der Plaza Mayor), der Park Vistillas (für eine fantastische Aussicht auf die Altstadt, die Kathedrale, den Palast und die Casa de Campo, entlang der Calle Bailen, bevor man auf die Calle Segovia stößt) und unzählige kleine Gassen und Plätze, die ihren alten Zauber erhalten und darauf warten „entdeckt“ zu werden.

Tour 3: Plaza de España und Argüelles

Diese Tour beginnt an der Plaza de España. Dieser Platz ist zum neuen Tor der Stadt geworden und stellt eine der befahrensten Gegenden Madrids dar. Von hier aus liegt praktisch alles greifbar nahe: der Königliche Palast (Palacio Real) und das Viertel Los Austrias, die Läden und Kinos der Gran Vía, die Puerta del Sol und das Gebiet Argüelles.

Zuerst fährt man mit der U-Bahn bis zur Plaza de España. Die Station verfügt über viele Ausgänge, die jedoch alle zu demselben Winkel des Platzes führen. In der Mitte befindet das Denkmal von Cervantes, eine reizende Statue mit seinen universellsten Figuren, Don Quijote und Sancho Panza. Auf zwei Seiten des Platzes liegen zwei wichtige und relativ historische Gebäude, die Torre de Madrid (Turm von Madrid) und das Edificio España (Spanien-Gebäude). Als sie in den 50er Jahren errichtet wurden, waren sie die höchsten Bauwerke der Stadt. Der Platz bietet den Passanten heute eine Erholung von der Stadt, und es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen zum Ausruhen auf den Rasen legen oder auf eine Bank setzen, um das schöne Wetter zu genießen. Auf dem Platz werden von der Vorweihnachtszeit bis zu den Heiligen Drei Königen auch kleine Handwerksmessen organisiert.

Folgt man der Calle Princesa weg von dem Platz, kann man eine hohe Backsteinmauer sehen. An deren Ende sollte man eine Treppe hinaufsteigen, die zu einem kleinen Platz führt. Geht man geradeaus durch die gepflasterte Calle Conde Duque mit ihren Cafes, Bars und Restaurants einige Häuserblock weiter, so gelangt man bald an das Cuartel del Conde Duque. Früher diente das Gebäude der unter Philipp V. eingerichteten königlichen Wache als Quartier. Heute jedoch ist es ein Kulturzentrum, wo unter anderem fantastischen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, im Sommer Konzerte und Theateraufführungen unter freiem Himmel, sowie Workshops abgehalten werden. In dieser Gegend kann man viele kleine und ruhige Plätze zum Ausruhen finden.

Wieder zurück in der Calle Princesa sollte man sich nach rechts wenden, wo sich nur wenige Meter entfernt der Eingang zum Palacio de Liria befindet. Bei diesem Palast handelt es sich um die historische Residenz der Herzogin von Alba, deren Besichtigung organisiert werden muss. Das Gebäude beherbergt eine große Kunstsammlung, die den Aufwand der vorhergehenden Organisierung wahrlich wert ist.

Nun sollte man sich wieder in die Calle Princesa begeben und ihr nach rechts folgen. Am Corte Ingles angelangt befindet man sich bereits inmitten des Gebiets Argüelles, welches für seine Geschäfte und eine Unmenge an Studenten in seinen Straßen bekannt ist. Die Universität liegt nicht weit entfernt (Moncloa) und viele Studenten haben sich diese Zone als Wohngebiet ausgesucht. Wer nicht gerade an einem Einkaufsbummel interessiert kann einen Spaziergang auf diesen herrschaftlichen Boulevards voller Bäume machen, um Argüelles kennen zu lernen. Folgt man der Calle Marques de Urquijo, so gelangt man an deren Ende an den Parque del Oeste. Hierbei handelt es sich um einen riesigen und genialen Park, um den Lärm der Stadt zu entfliehen, die man gerade hinter sich gelassen hat. Genau am Eingang befindet sich eine Seilbahn (Teleferico), die schwindelfreien Menschen eine fantastische Möglichkeit bietet, diesen Teil der Stadt sowie die Casa de Campo von oben aus zu betrachten.

Biegt man auf dem Paseo del Pintor Rosales, einer der aufgrund der Aussicht von den Balkonen exklusivsten Straßen der Stadt, so kann man das älteste Gebäude in Madrid (wenn auch nicht-spanischen Ursprungs) sehen, den Templo de Debod. Dieser ägyptische, der Göttin Isis geweihte Tempel ist ein Geschenk aus dem Jahr 1960 der ägyptischen Regierung an Spanien. Das historische Monument wäre nach dem Bau des Asuan-Damms überschwemmt und zerstört worden, weshalb man es nach Madrid brachte. Es kann besichtigt werden.

Überquert man erneut den Paseo del Pintor Rosales, sollte man sich in die Calle Ventura Rodríguez begeben. Das Gebäude mit der Nummer 17 enthält das Cerralbo-Museum, einst Palast des Marquis von Cerralbo. Das Museum beherbergt eine sehr kostbare Kunstsammlung mit Gemälden von Goya, Zurbarán, El Greco und Van Dyck, sowie eine interessante Sammlung von Münzen, Möbelstücken und Porzellan.

Man kann entweder dieser Straße bis zur Calle Princesa folgen, wo sich die U-Bahnstation Ventura Rodríguez befindet, oder aber in der Calle Princesa nach rechts Richtung Plaza de España abbiegen. Nur zwei Blocks entfernt liegt die Plaza de los Cubos, die wegen ihrer Bars, Restaurants und Kinso sehr beliebt ist. An dem Platz und der dahinter liegenden Calle Martín de los Heros (Zugang über den Platz) befinden sich zahlreiche Kinos, in denen Filme in Originalversion mit spanischen Untertiteln gezeigt werden.



Tour 4: Das intellektuelle Madrid

Was haben Ernest Hemingway, Pío Baroja und Cervantes gemeinsam? Keine Angst, das wird in der Prüfung nicht drankommen. Die Antwort lautet: alle vier besuchten regelmäßig die als Las Musas (oder Parnass und „Erleuchteter“) bekannte Zone Madrids, welche man heute eher aufgrund ihrer Unmenge an Bars, Kneipen und Restaurants kennt, die die Plaza Santa Ana und die Calle Huertas umringen.

Fährt man mit der U-bahn bis zur Station Sol, sollte man den Ausgang zur Calle Carretas nehmen, von wo aus man direkten Zugang zur Puerta del Sol hat. Beim Verlassen der Station kann man die Casa de Correos (Posthaus) sehen, welche heute dem Stadtrat gehört. Die Uhr dieses Gebäudes ist die berühmteste in ganz Spanien, da hier von der Mehrheit der Spanier – entweder live oder mittels Fernsehen das neue Jahr gefeiert wird. Genau vor der Casa de Correos befinden sich die Statue von Karl III. und dahinter das Wahrzeichen Madrids: der Bär und der Erdbeerbaum.

Nun sollte man der Calle Carretas bis zu einem großen Platz (Jacinto Benavente) folgen und dort in die Calle del Prado (Plaza del Ángel) abbiegen. Nach wenigen Häuserblocks trifft man auf die Plaza de Santa Ana, wo die Literatur-Tour ihren Anfang nimmt.

Die Plaza de Santa Ana stellt vermutlich eine der lebhaftesten und unterhaltsamsten, nächtlichen Ausgehzonen dar. Was jedoch viele nicht wissen, ist, dass es sich hierbei einst um ein sehr lebendiges, literarisches Gebiet oder zumindest um eine Gegend handelte, die Inspiration vieler Schriftsteller war. Im Sommer sind die Bürgersteige und der Platz voller Tische und Menschen. Der Ort ist einfach genial, um sich mit Freunden zu treffen oder Leute kennen zu lernen. Tagsüber ist der Platz jedoch eher ruhig.

Auf der linken Seite müsste das Hotel Reina Victoria liegen. Dieses renovierte Gebäude ist wegen der Stierkämpfer berühmt, die hier einkehren, wenn sie einen Auftritt in Madrid haben. Auf der rechten Seite kann man eine kleine Straße mit dem Namen San Sebastián bzw. die Kirche gleichen Namens sehen. Sie ist ziemlich bekannt und kommt in vielen Werken vor, von denen das wichtigste vermutlich Misericordia (Erbarmen) von Perez Galdós ist. Die Kirche diente jedoch nicht nur als Quelle von Inspiration, sondern war Teil des Lebens und Todes vieler Schriftsteller: Hier heiratete beispielsweise der romantische Dichter Gustavo Adolfo Becquer. Ferner handelt es sich hierbei um den Ort, an dem die Sterbeurkunden von Cervantes, Lope de Vega, Ruiz de Alarcón und anderen aufbewahrt werden.

Zurück auf dem Platz sollte man der Calle del Prado folgen. Hier findet man eine Menge Bars und Restaurants, von denen das berühmteste Lokal am Platz die Cervecería Alemana (die „Deutsche Kneipe“ nahe des Teatro Español) ist. Dabei handelt es sich um einem Cafe im alten Stil – einem angenehmen Ort, um sich zu setzen, zu entspannen, eine Zeitung zu lesen und etwas zu trinken. Genau das war es, was der Schriftsteller Jardiel Poncela und der Maler Solana gerne taten. Anscheinend handelte es sich auch unter den Stierkämpfern um eine ziemlich beliebte Einrichtung.

Entlang der Calle del Prado kommt auf die Calle Echegaray. Auf der linken Seite liegt eine der bekanntesten Bars in Madrid (bekannt unter anderem für seine Dekoration): Los Gabrieles. An den Wänden befinden sich bemalte Kacheln, von denen jede ein anderes Thema zeigt. Der berühmteste Raum ist eine Hommage an das Gemälde Velázquez', „Los borrachos“. Tagsüber ist dieses Lokal ein Cafe, nachts eine sehr belebte Bar. Zwei Häuserblocks weiter rechts kommt man bereits in die sehr bekannte Calle Huertas. Tagsüber scheint sie sich nicht von den anderen Straßen dieser Gegend zu unterscheiden, aber nachts erfährt sie eine tiefgreifende Verwandlung, denn Huertas ist eine Straße für Drinks. Außerdem handelt es sich um eine sehr lange Straße – man sollte schon mal die Finanzen durchgehen! Eine kleine Warnung: Wie man sich vorstellen kann, ist die Straße durch die vielen Autos und Fußgänger sehr laut. Es ist nicht ungewöhnlich, dass um 3 Uhr morgens, wenn die Bars offiziell schließen, einige verärgerte Anwohner einen Eimer Wasser über den lautesten Störenfrieden ausleeren.

Bevor man in die Calle Huertas gelangt, muss man die kleine Calle Infante überqueren. Folgt man dieser, so gelangt man an die Ecke der Straßen Cervantes und León, wo Cervantes seine letzten Lebensjahre verbrachte. Leider wurde das Haus im 19. Jahrhundert zerstört, der großartige Schriftsteller jedoch ist in Madrid begraben. Seine Grabstätte befindet sich in dem Trinitarier-Konvent (Convento de Trinitarias) in der Calle Lope de Vega, das seine Pforten aber nur zu wenigen Anlässen dem Publikum öffnet. Cervantes war nicht der namhafte Schriftsteller, der in diesem Viertel lebte. Góngora und Quevedo, sowie Lope de Vega wohnten ebenfalls hier. Lope de Vega lebte in dem Haus mit der Nummer 11 in der Calle Cervantes, wo heute das Museumshaus Lope de Vega untergebracht ist. Man kann ebenfalls den kleinen Garten besichtigen, an dem er so hing.

Etwas weiter entlang der Calle Cervantes findet man die Calle Quevedo. Góngora mietete ein kleines Haus in dieser Straße und lebte hier 6 Jahre lang. Sin embargo, Quevedo aber kaufte das Haus und warf Góngora hinaus. Schon vor diesem Vorfall hatten sie sich nicht besonders gut verstanden – nachher noch viel weniger.

Zurück in der Calle del Prado kann man eines der Literatur-Monumente Madrids finden, den Ateneo (Nummer 21 dieser Straße). Er wurde 1835 von fortschrittlichen und liberalen Personen wie Ramón Mesonero Romanos erbaut, die glaubten, dass Madrid mehr Raum für kulturelle Aktivitäten benötige. Später besuchten Pío Baroja und weitere Schriftsteller regelmäßig dieses kulturelle Monument. Noch heute beherbergt es eine der besten Sammlungen von Zeitungen und Zeitschriften Madrids und veranstaltet Debatten und Ausstellungen.

Zuletzt sollte man die Filmothek (Dore-Kino) erwähnen, ohne deren Besuch man diese Tour nicht verlassen sollte. Hierbei handelt es sich um ein Kino, in dem internationale Filme gezeigt werden und sich Rückblicke mit Regisseuren wie beispielsweise Kurosawa, Bergman und Billy Wilder befassen. Dieser Ort ist ideal, um der Sommerhitze zu entwischen und außergewöhnliche Filme zu sehen. Das Cafe im Innenhof ist sehr angenehm, die vorhandene Buchhandlung ist eine der besten der Stadt. Das Kino liegt in der Nähe der U-Bahnstation Anton Martín in dem Gebäude mit der Hausnummer 3 der Calle de Santa Isabel.

Das Viertel – einst bekannt ob der Schriftsteller, Dichter und Maler, die hier wohnten, arbeiteten und sich ausruhten – ist heute ein unterhaltsamer Ort, um ein Wochenende hier zu verbringen. Wer weiß, unter Umständen arbeiten hier neue Schriftsteller, die sich geistige Notizen von den Menschen machen, welche durch die Straßen von Santa Ana spazieren.

Wieder oben in der Calle Bailen und über die Calle Mayor hinweg gelangt man rechts am Palast des Herzogs von Uceda (Palacio del Duque de Uceda) aus dem 16. Jahrhundert vorbei, in dem sich heute ein Hauptquartier des Generalkapitanats befindet. Einen Häuserblock weiter sieht man die Plaza de la Villa, an der besonders das Rathaus der Stadt aus dem 17. Jahrhundert hervorsticht. Der Platz ist umgeben von ehemaligen Palästen, wie der Casa de Cisneros und der Torre de los Lujanes (15. Jhd.), dem Palacio del Cordón und der Casa de Iván de Vargas, die heute allesamt Bürogebäude des Stadtrats sind. Vor allem die Casa de Cisneros (16. Jhd.) stellt ein gutes Beispiel plateresker Architektur dar. Dieser kleine Platz ist vor allem nachts sehr sehenswert.

Begibt man sich in die Calle Cordón, eine kleine Straße, welche den Flair einer anderen Zeit vermittelt, so sollte man die Calle Sacramento überqueren und bis zur Calle Segovia weitergehen. Genau gegenüber sieht man eine kleine runde Kirche, die Iglesia de San Pedro. Früher befand sich in dieser Gegend der päpstliche Nuntius. Einige der ehemaligen Herrenhäuser, Stallungen, etc. sind heute Cafes und Restaurants, wie beispielsweise das Cafe del Nuncio oder die Taberna de los 100 vinos, ein gutes Restaurant in einem ehemaligen Stall. Diese Zone hat sich erneut in einen Anziehungspunkt für die gehobene Mittelklasse verwandelt, erhält jedoch seinen alten Zauber aufrecht. Zu einer der schönsten Gegenden zählt die Plaza de Paja. Man gelangt dorthin, indem man die Calle Segovia hinabgeht und auf der rechten Seite die erste Straße nach der Kirche, dann die Calle Príncipe Anglona und schließlich die erste Straße links abbiegt. Schon befindet man sich auf der Plaza de la Paja (Strohplatz), wo – wie der Name zu verstehen gibt – einst Stroh verkauft wurde. Heute ist dies ein ruhiger Ort zum Ausruhen. Hier kann man auch die Capilla del Obispo (Bischofskapelle), ein gotisches Gebäude mit einem Retabel aus der Renaissance, besichtigen.

Von hier aus besteht die Möglichkeit, verschiedene Plätze zu besuchen, so z.B. die Plaza de San Andres, die Puerta de Moros und die Plaza de la Cebada. Die Gegend ist mit Bars, Restaurants und Terrassen, sowie Musikern und Auftritten aller Art belebt worden und vor allem an sonnigen Nachmittagen und den wochenendlichen Nächten sehr beliebt.

Folgt man der Cava Baja (nicht der Cava Alta), gelangt man zu einem der vermutlich schönsten Plätze in ganz Spanien, der Plaza Mayor. Noch vor Jahren war die Straße voller Hotels und Restaurants. Die Restaurants von heute sind etwas teurer, aber ideale Orte, um neue Tapas zu kosten. Eines der berühmtesten Restaurants ist die Posada de la Villa, ein echter Gasthof aus dem 17. Jahrhundert. Wieder in der Calle Segovia kann man ein Zementkreuz inmitten eines kleinen, als Puerta Cerrada bekannten Platzes sehen. Scheinbar schloss man dieses Tor, um den Bettlern den Zugang zur Stadt zu verwehren.

Biegt man links in die Calle Cuchilleros mit einer leichten Steigung ein, so gelangt man zum Eingang der Plaza Mayor, dem Arco de Cuchilleros, welcher sich über der Straße erhebt. An dieser Ecke befindet sich das Restaurant Cuevas de Luis Candelas, dessen Name auf einen Volkshelden Madrids Bezug nimmt. In dieser Straße liegen ebenfalls zahlreiche Gasthäuser und Restaurants (einschließlich des ältesten Restaurants der Welt, dem Botín), welche einst als Weinkeller und Lager dienten und heute einen Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische darstellen. Auf dem gepflasterten Platz angelangt kann man in dessen Zentrum die Statue von Philipp III. sehen.

Nachdem Madrid im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt des Imperiums geworden war, verwandelte man den einstigen Markt in den Schauplatz einiger der wichtigsten religiösen und kulturellen Veranstaltungen der Stadt (wie beispielsweise Prozessionen, Gerichte und Hinrichtungen während der Inquisition, sowie Stierkämpfe und Festivals). Heute finden hier im Frühling und Sommer Konzerte und Theateraufführungen statt. Sonntagsvormittags wird der Platz zum Paradies für Sammler von Briefmarken und Münzen, während man in der Weihnachts- und Karnevalszeit jegliche Art von Dekoration für Mensch und Heim finden kann. Dieser Platz stellt das Herz des alten Madrids und vielleicht auch das des modernen Madrids dar.

Weitere Gebäude und Parks in dieser Zone sind das Monasterio de las Descalzas Reales (ein Kloster nahe der Puerta del Sol), die Iglesia de San Isidro (die ehemalige Kathedrale), das Monasterio de la Encarnación aus dem 17. Jahrhundert (in der Nähe der Plaza de Oriente), der Palacio de Santa Cruz (an der Plaza Provincia, neben der Plaza Mayor), der Park Vistillas (für eine fantastische Aussicht auf die Altstadt, die Kathedrale, den Palast und die Casa de Campo, entlang der Calle Bailen, bevor man auf die Calle Segovia stößt) und unzählige kleine Gassen und Plätze, die ihren alten Zauber erhalten und darauf warten „entdeckt“ zu werden.

Tour 3: Plaza de España und Argüelles

Diese Tour beginnt an der Plaza de España. Dieser Platz ist zum neuen Tor der Stadt geworden und stellt eine der befahrensten Gegenden Madrids dar. Von hier aus liegt praktisch alles greifbar nahe: der Königliche Palast (Palacio Real) und das Viertel Los Austrias, die Läden und Kinos der Gran Vía, die Puerta del Sol und das Gebiet Argüelles.

Zuerst fährt man mit der U-Bahn bis zur Plaza de España. Die Station verfügt über viele Ausgänge, die jedoch alle zu demselben Winkel des Platzes führen. In der Mitte befindet das Denkmal von Cervantes, eine reizende Statue mit seinen universellsten Figuren, Don Quijote und Sancho Panza. Auf zwei Seiten des Platzes liegen zwei wichtige und relativ historische Gebäude, die Torre de Madrid (Turm von Madrid) und das Edificio España (Spanien-Gebäude). Als sie in den 50er Jahren errichtet wurden, waren sie die höchsten Bauwerke der Stadt. Der Platz bietet den Passanten heute eine Erholung von der Stadt, und es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen zum Ausruhen auf den Rasen legen oder auf eine Bank setzen, um das schöne Wetter zu genießen. Auf dem Platz werden von der Vorweihnachtszeit bis zu den Heiligen Drei Königen auch kleine Handwerksmessen organisiert.

Folgt man der Calle Princesa weg von dem Platz, kann man eine hohe Backsteinmauer sehen. An deren Ende sollte man eine Treppe hinaufsteigen, die zu einem kleinen Platz führt. Geht man geradeaus durch die gepflasterte Calle Conde Duque mit ihren Cafes, Bars und Restaurants einige Häuserblock weiter, so gelangt man bald an das Cuartel del Conde Duque. Früher diente das Gebäude der unter Philipp V. eingerichteten königlichen Wache als Quartier. Heute jedoch ist es ein Kulturzentrum, wo unter anderem fantastischen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, im Sommer Konzerte und Theateraufführungen unter freiem Himmel, sowie Workshops abgehalten werden. In dieser Gegend kann man viele kleine und ruhige Plätze zum Ausruhen finden.

Wieder zurück in der Calle Princesa sollte man sich nach rechts wenden, wo sich nur wenige Meter entfernt der Eingang zum Palacio de Liria befindet. Bei diesem Palast handelt es sich um die historische Residenz der Herzogin von Alba, deren Besichtigung organisiert werden muss. Das Gebäude beherbergt eine große Kunstsammlung, die den Aufwand der vorhergehenden Organisierung wahrlich wert ist.

Nun sollte man sich wieder in die Calle Princesa begeben und ihr nach rechts folgen. Am Corte Ingles angelangt befindet man sich bereits inmitten des Gebiets Argüelles, welches für seine Geschäfte und eine Unmenge an Studenten in seinen Straßen bekannt ist. Die Universität liegt nicht weit entfernt (Moncloa) und viele Studenten haben sich diese Zone als Wohngebiet ausgesucht. Wer nicht gerade an einem Einkaufsbummel interessiert kann einen Spaziergang auf diesen herrschaftlichen Boulevards voller Bäume machen, um Argüelles kennen zu lernen. Folgt man der Calle Marques de Urquijo, so gelangt man an deren Ende an den Parque del Oeste. Hierbei handelt es sich um einen riesigen und genialen Park, um den Lärm der Stadt zu entfliehen, die man gerade hinter sich gelassen hat. Genau am Eingang befindet sich eine Seilbahn (Teleferico), die schwindelfreien Menschen eine fantastische Möglichkeit bietet, diesen Teil der Stadt sowie die Casa de Campo von oben aus zu betrachten.

Biegt man auf dem Paseo del Pintor Rosales, einer der aufgrund der Aussicht von den Balkonen exklusivsten Straßen der Stadt, so kann man das älteste Gebäude in Madrid (wenn auch nicht-spanischen Ursprungs) sehen, den Templo de Debod. Dieser ägyptische, der Göttin Isis geweihte Tempel ist ein Geschenk aus dem Jahr 1960 der ägyptischen Regierung an Spanien. Das historische Monument wäre nach dem Bau des Asuan-Damms überschwemmt und zerstört worden, weshalb man es nach Madrid brachte. Es kann besichtigt werden.

Überquert man erneut den Paseo del Pintor Rosales, sollte man sich in die Calle Ventura Rodríguez begeben. Das Gebäude mit der Nummer 17 enthält das Cerralbo-Museum, einst Palast des Marquis von Cerralbo. Das Museum beherbergt eine sehr kostbare Kunstsammlung mit Gemälden von Goya, Zurbarán, El Greco und Van Dyck, sowie eine interessante Sammlung von Münzen, Möbelstücken und Porzellan.

Man kann entweder dieser Straße bis zur Calle Princesa folgen, wo sich die U-Bahnstation Ventura Rodríguez befindet, oder aber in der Calle Princesa nach rechts Richtung Plaza de España abbiegen. Nur zwei Blocks entfernt liegt die Plaza de los Cubos, die wegen ihrer Bars, Restaurants und Kinso sehr beliebt ist. An dem Platz und der dahinter liegenden Calle Martín de los Heros (Zugang über den Platz) befinden sich zahlreiche Kinos, in denen Filme in Originalversion mit spanischen Untertiteln gezeigt werden.



Tour 4: Das intellektuelle Madrid

Was haben Ernest Hemingway, Pío Baroja und Cervantes gemeinsam? Keine Angst, das wird in der Prüfung nicht drankommen. Die Antwort lautet: alle vier besuchten regelmäßig die als Las Musas (oder Parnass und „Erleuchteter“) bekannte Zone Madrids, welche man heute eher aufgrund ihrer Unmenge an Bars, Kneipen und Restaurants kennt, die die Plaza Santa Ana und die Calle Huertas umringen.

Fährt man mit der U-bahn bis zur Station Sol, sollte man den Ausgang zur Calle Carretas nehmen, von wo aus man direkten Zugang zur Puerta del Sol hat. Beim Verlassen der Station kann man die Casa de Correos (Posthaus) sehen, welche heute dem Stadtrat gehört. Die Uhr dieses Gebäudes ist die berühmteste in ganz Spanien, da hier von der Mehrheit der Spanier – entweder live oder mittels Fernsehen das neue Jahr gefeiert wird. Genau vor der Casa de Correos befinden sich die Statue von Karl III. und dahinter das Wahrzeichen Madrids: der Bär und der Erdbeerbaum.

Nun sollte man der Calle Carretas bis zu einem großen Platz (Jacinto Benavente) folgen und dort in die Calle del Prado (Plaza del Ángel) abbiegen. Nach wenigen Häuserblocks trifft man auf die Plaza de Santa Ana, wo die Literatur-Tour ihren Anfang nimmt.

Die Plaza de Santa Ana stellt vermutlich eine der lebhaftesten und unterhaltsamsten, nächtlichen Ausgehzonen dar. Was jedoch viele nicht wissen, ist, dass es sich hierbei einst um ein sehr lebendiges, literarisches Gebiet oder zumindest um eine Gegend handelte, die Inspiration vieler Schriftsteller war. Im Sommer sind die Bürgersteige und der Platz voller Tische und Menschen. Der Ort ist einfach genial, um sich mit Freunden zu treffen oder Leute kennen zu lernen. Tagsüber ist der Platz jedoch eher ruhig.

Auf der linken Seite müsste das Hotel Reina Victoria liegen. Dieses renovierte Gebäude ist wegen der Stierkämpfer berühmt, die hier einkehren, wenn sie einen Auftritt in Madrid haben. Auf der rechten Seite kann man eine kleine Straße mit dem Namen San Sebastián bzw. die Kirche gleichen Namens sehen. Sie ist ziemlich bekannt und kommt in vielen Werken vor, von denen das wichtigste vermutlich Misericordia (Erbarmen) von Perez Galdós ist. Die Kirche diente jedoch nicht nur als Quelle von Inspiration, sondern war Teil des Lebens und Todes vieler Schriftsteller: Hier heiratete beispielsweise der romantische Dichter Gustavo Adolfo Becquer. Ferner handelt es sich hierbei um den Ort, an dem die Sterbeurkunden von Cervantes, Lope de Vega, Ruiz de Alarcón und anderen aufbewahrt werden.

Zurück auf dem Platz sollte man der Calle del Prado folgen. Hier findet man eine Menge Bars und Restaurants, von denen das berühmteste Lokal am Platz die Cervecería Alemana (die „Deutsche Kneipe“ nahe des Teatro Español) ist. Dabei handelt es sich um einen Cafe im alten Stil – einem angenehmen Ort, um sich zu setzen, zu entspannen, eine Zeitung zu lesen und etwas zu trinken. Genau das war es, was der Schriftsteller Jardiel Poncela und der Maler Solana gerne taten. Anscheinend handelte es sich auch unter den Stierkämpfern um eine ziemlich beliebte Einrichtung.

Entlang der Calle del Prado kommt auf die Calle Echegaray. Auf der linken Seite liegt eine der bekanntesten Bars in Madrid (bekannt unter anderem für seine Dekoration): Los Gabrieles. An den Wänden befinden sich bemalte Kacheln, von denen jede ein anderes Thema zeigt. Der berühmteste Raum ist eine Hommage an das Gemälde Velázquez', „Los borrachos“. Tagsüber ist dieses Lokal ein Cafe, nachts eine sehr belebte Bar. Zwei Häuserblocks weiter rechts kommt man bereits in die sehr bekannte Calle Huertas. Tagsüber scheint sie sich nicht von den anderen Straßen dieser Gegend zu unterscheiden, aber nachts erfährt sie eine tiefgreifende Verwandlung, denn Huertas ist eine Straße für Drinks. Außerdem handelt es sich um eine sehr lange Straße – man sollte schon mal die Finanzen durchgehen! Eine kleine Warnung: Wie man sich vorstellen kann, ist die Straße durch die vielen Autos und Fußgänger sehr laut. Es ist nicht ungewöhnlich, dass um 3 Uhr morgens, wenn die Bars offiziell schließen, einige verärgerte Anwohner einen Eimer Wasser über den lautesten Störenfrieden ausleeren.

Bevor man in die Calle Huertas gelangt, muss man die kleine Calle Infante überqueren. Folgt man dieser, so gelangt man an die Ecke der Straßen Cervantes und León, wo Cervantes seine letzten Lebensjahre verbrachte. Leider wurde das Haus im 19. Jahrhundert zerstört, der großartige Schriftsteller jedoch ist in Madrid begraben. Seine Grabstätte befindet sich in dem Trinitarier-Konvent (Convento de Trinitarias) in der Calle Lope de Vega, das seine Pforten aber nur zu wenigen Anlässen dem Publikum öffnet. Cervantes war nicht der namhafte Schriftsteller, der in diesem Viertel lebte. Góngora und Quevedo, sowie Lope de Vega wohnten ebenfalls hier. Lope de Vega lebte in dem Haus mit der Nummer 11 in der Calle Cervantes, wo heute das Museumshaus Lope de Vega untergebracht ist. Man kann ebenfalls den kleinen Garten besichtigen, an dem er so hing.

Etwas weiter entlang der Calle Cervantes findet man die Calle Quevedo. Góngora mietete ein kleines Haus in dieser Straße und lebte hier 6 Jahre lang. Sin embargo, Quevedo aber kaufte das Haus und warf Góngora hinaus. Schon vor diesem Vorfall hatten sie sich nicht besonders gut verstanden – nachher noch viel weniger.

Zurück in der Calle del Prado kann man eines der Literatur-Monumente Madrids finden, den Ateneo (Nummer 21 dieser Straße). Er wurde 1835 von fortschrittlichen und liberalen Personen wie Ramón Mesonero Romanos erbaut, die glaubten, dass Madrid mehr Raum für kulturelle Aktivitäten benötige. Später besuchten Pío Baroja und weitere Schriftsteller regelmäßig dieses kulturelle Monument. Noch heute beherbergt es eine der besten Sammlungen von Zeitungen und Zeitschriften Madrids und veranstaltet Debatten und Ausstellungen.

Zuletzt sollte man die Filmothek (Dore-Kino) erwähnen, ohne deren Besuch man diese Tour nicht verlassen sollte. Hierbei handelt es sich um ein Kino, in dem internationale Filme gezeigt werden und sich Rückblicke mit Regisseuren wie beispielsweise Kurosawa, Bergman und Billy Wilder befassen. Dieser ort ist ideal, um der Sommerhitze zu entwischen und außergewöhnliche Filme zu sehen. Das Cafe im Innenhof ist sehr angenehm, die vorhandene Buchhandlung ist eine der besten der Stadt. Das Kino liegt in der Nähe der U-Bahnstation Anton Martín in dem Gebäude mit der Hausnummer 3 der Calle de Santa Isabel.

Das Viertel – einst bekannt ob der Schriftsteller, Dichter und Maler, die hier wohnten, arbeiteten und sich ausruhten – ist heute ein unterhaltsamer Ort, um ein Wochenende hier zu verbringen. Wer weiß, unter Umständen arbeiten hier neue Schriftsteller, die sich geistige Notizen von den Menschen machen, welche durch die Straßen von Santa Ana spazieren.Wcities

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