TOUR 1: Das Stadtzentrum
Centro – die Geburtsstätte Rio de Janeiros. Das Herz der Stadt mit hohen Büro- und Geschäftsgebäuden, überfüllten Straßen, auf denen die Menschen geschäftig hin- und herlaufen, und einem nahezu immer chaotischen Verkehr. Und doch verbergen sich hier Kirchen und Klöster, historische Regierungsgebäude, alte Stadthäuser, enge Straßen und Gassen – vielfältige Erinnerungsstücke an die Kolonialzeit.
Was als Stadtzentrum betrachtet wird, ist ein recht umfangreiches Gebiet. Um es wirklich gut kennen zu lernen, wären drei ganze Tage notwendig. Eine erste Erkundung kann im Zentrum des Centros, auf dem Praça Quinze de Novembro beginnen und auf direktem Weg zum Morro de São Bento führen.
Am Praça Quinze befindet sich der Paço Imperial, 1743 als Regierungssitz der Gouverneure Rios und des umliegenden Gebietes erbaut und heute ein Kulturzentrum mit Ausstellungsräumen, Geschäften und Restaurants. Ebenfalls auf dem Platz würdige man den Chafariz da Pirâmide einer näheren Betrachtung. Die schönen Steinmetzarbeiten dieses Brunnens schuf Meister Valentim 1780 auf den damaligen Hafenkais – denn bis hierher erstreckte sich früher das Meer. Überqueren Sie den Platz und gehen Sie unter dem Arco do Telles hindurch in die Travessa do Comercio, einem Überbleibsel des alten Rio, in dem sich Stadthäuser in portugiesischem Kolonialstil (Sobrados) aneinander reihen. In dieser Straße erreichen Sie bald ein echt barockes Schmuckstück, die erst kürzlich restaurierte Kirche Nossa Senhora da Lapa dos Mercadores. Weiter der Travessa do Comercio folgend, kommen Sie auf der rechten Seite zur Casa França-Brasil, dem ehemaligen Zollhaus. Links von Ihnen befindet sich das Centro Cultural Banco do Brasil, das größte und vollständigste Kulturzentrum Lateinamerikas.
Biegt man nach dem Verlassen des Centro Cultural links in die Avenida Presidente Vargas ein, kommt man zur Igreja de Nossa Senhora da Candelária, Rios größter Kirche aus der Kolonialzeit, welche 1609 von portugiesischen Einwanderern gegründet wurde. Nächste Station: das Mosteiro de São Bento. Der Weg dorthin ist etwas länger und man muss eine steile Straße hinaufsteigen, da sich dieses Kloster auf der Anhöhe Morro de São Bento befindet. Doch die Anstrengung lohnt sich. Von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, lässt seine schlicht und sparsam gestaltete Fassade im manieristischen Stil nicht vermuten, dass sich im Innern herrliche Holzschnitzereien in den Stilen des Barock und Rokoko verbergen. Sonntags werden in der Messe Gregorianische Choräle gesungen.
TOUR 2: Rio – mehr als überfüllte Strände und historische Bauten
Auch wenn seine berühmtesten Postkartenmotive dort zu finden sind, besteht Rio nicht nur aus seinen südlichen Bezirken und dem Stadtzentrum. Eingezwängt zwischen Meer und Gebirge, breitete die Stadt sich immer weiter gen Westen aus. Wer ihr in dieser Richtung folgt, wird es nicht bereuen. Um am meisten von diesem Ausflug zu haben, sollten Sie sich ein Auto mieten. Verlassen Sie Leblon auf der Avenida Niemeyer und genießen Sie den Ausblick auf das Meer mit dem Gávea-Felsen im Hintergrund. Wenn das Wetter es erlaubt, können Sie die wie bunte Tupfen am Himmel schwebenden Drachenflieger bewundern. Auf einer ungefähr 40-minütigen Reise fahren Sie nun an den Stränden Barra da Tijuca und Recreio dos Bandeirantes entlang und schließlich die Estrada da Grota Funda hinauf.
Beim Hinunterfahren des Berges erreichen Sie die Estrada da Pedra da Guaratiba, in der sich das Sítio Burle Marx befindet. Ursprünglich Sítio Santo Antônio da Bica genannt, wurde dieses Landgut 1949 vom Landschaftsarchitekten und bildenden Künstler Roberto Burle Marx aufgekauft und in eine Art ökologisches Heiligtum mit über 3500 tropischen und subtropischen Pflanzenarten verwandelt. Gleich bei Ihrer Ankunft sollten Sie sich zur Rezeption begeben, da dort die ungefähr ein und eine halbe Stunde dauernde Führung beginnt. Außer den wunderschönen Gärten lohnt es sich auch, die im 17. Jahrhundert erbaute Kapelle Santo Antônio und das Wohnhaus und Atelier von Burle Marx zu besichtigen. Letzteres beherbergt Kunstwerke von Burle Marx selbst und eine Sammlung von Glaswaren, barocken Bildern, präkolumbianischen Tonwaren und primitiver Keramik aus dem Jequitinhonha-Tal.
Anschließend an Ihren Besuch verlassen Sie den Landsitz, überqueren die Straße und begeben sich zum Restaurant Cesar, so benannt nach dem ehemaligen Koch von Burle Marx. Nehmen Sie an einem der Tische im Freien Platz, und kosten Sie eine originale Caipirinha, während Sie auf Ihre Meeresfrüchte warten. Aber trinken Sie nicht zu viel, denn dem nächsten Halt sollten Sie besondere Aufmerksamkeit widmen.
Nicht weit entfernt befindet sich die Casa do Pontal, das größte Museum brasilianischer Volkskunst mit etwa 5000 Skulpturen von über 200 Künstlern aller Landesteile. Lassen Sie sich Zeit für die verschiedenen Ausstellungsräume und genießen Sie die in den Kunstwerken zum Ausdruck kommende Seele des brasilianischen Volkes.
Es dürfte nun bereits später Nachmittag sein. Wenn Sie noch nicht allzu müde von so viel Kunst sind, fahren Sie nach Prainha, und setzen Sie sich ans Meer. Das Rot der untergehenden Sonne, das Blau des Atlantiks und das Grün der Wälder – hier kann man dem größten Künstler danken, dem, der diese wundervolle Farbpalette geschaffen hat.
TOUR 3: Die Stadt ausgedehnter Waldgebiete
Mit Rio de Janeiro assoziiert man sofort sommerliches Strandleben. Dieses azurblaue Wasser, diese schönen Frauen, diese am Meer trainierenden muskelbepackten Männer, diese Sonne und diese Hitze... Nur – die Natur Rios besteht durchaus nicht nur aus Strand und Meer. Rio besitzt das größte städtische Waldgebiet der Welt, mit weit gefächerter Fauna und Flora, und was noch wichtiger ist, mit viel Schatten und frischer Luft. Also, ziehen Sie bequeme Kleidung und gute Schuhe an, und vergessen Sie nicht den Fotoapparat – wir werden die Wälder erkunden!
Diese Tour beginnt am nördlichen Ausgang des Rebouças-Tunnels, führt hinauf nach Silvestre und erreicht als ersten Halt den Gipfel des Corcovado (des 'Buckligen'). Lassen Sie sich auf der Aussichtsplattform vom Rundblick über die gesamte Stadt gefangen nehmen, welche von dort oben eher wie ihr eigenes Modell erscheint, und versuchen Sie, die Ihnen bereits bekannten Orte ausfindig zu machen. Wenn Sie nach solch atemberaubend schönem Anblick – und nach so vielen Treppenstufen – wieder zu Atem gekommen sind, führt die Reise Sie weiter zur Paineiras, einer an Wochenenden für Autos gesperrten Waldstraße, auf der die Einwohner Rios dann ausgiebig Sport treiben. Die Straße endet in Alto da Boa Vista, wo sich der Eingang zum Tijuca-Nationalpark befindet. Halten Sie auf dem Parkplatz in der Nähe des Wasserfalls und werfen Sie einen Blick auf die Karte. Man kann allerlei interessante Orte und Sehenswürdigkeiten zu Fuß oder mit dem Auto besuchen. Verlassen Sie anschließend den Park durch den Ausgang, der auf die Straße zum Museu do Açude führt – Ihrem nächsten Halt. Besuchen Sie diesen hübschen Landsitz, und erfreuen Sie sich an den ausgestellten Kunstwerken. Von dort aus nehmen Sie die Straße zum Vista Chinesa. Auf diesem Weg kommen Sie auch am Aussichtspunkt Mesa do Imperador vorbei. Fahren Sie immer weiter bergab, bis Sie den Botanischen Garten erreicht haben. Ist es bereits Zeit zum Mittagessen? Zwei nahe gelegene Möglichkeiten sind das Couve-flor und das File de Ouro. Machen Sie auf den ruhigen Wegen des Botanischen Gartens einen Verdauungsspaziergang; und versäumen Sie weder einen Besuch im Orchideenhaus noch den Duft des Rosengartens. Um einen dermaßen erfrischenden Tag zu beenden, sollten Sie auf einen Sprung in die Eisdiele Mil Frutas gehen, oder sich im Caroline Cafe ein eisgekühltes Bier bestellen. Hier haben Sie außerdem die Möglichkeit, in den Regalen des Buchladens Ponte de Tábuas zu stöbern oder die reizvollen Dinge des Garagenverkaufs zu bewundern. Schließlich sind Sie ja in die Zivilisation zurückgekehrt!
TOUR 4: Rio und die Kunst
Rio entwickelte seine Liebe zur Kunst bereits, als es noch portugiesische Kolonie war. Theater, Museen und eine Nationalbibliothek wurden damals geschaffen. Und diese Tradition setzte sich auch nach Ausrufung der Republik fort. Heutzutage sind in den Museen der Stadt nicht nur anspruchsvolle Dauerausstellungen zu bewundern, sondern sie beherbergen auch wichtige Wanderausstellungen, z.B. die der Werke Monets, Rodins und Dalis.
Eine der vollständigsten Sammlungen moderner Kunst befindet sich im MAM – dem Museum für Moderne Kunst, welches im Parque do Flamengo liegt, einer vom Landschaftsarchitekten Burle Marx gestalteten Gartenanlage, die erst kürzlich wiederhergestellt wurde. Vom MAM aus erreichen Sie zu Fuß den Stadtteil Cinelândia, wo ein schönes Ensemble europäisch beeinflusster Architektur beisammen steht: das Stadttheater, das Nationalmuseum der Schönen Künste und die Nationalbibliothek.
Gehen Sie nun in Richtung des U-Bahnhofs Carioca, und Sie erreichen die Rua Professor Lelio da Gama, von wo aus die Straßenbahn Bonde de Santa Teresa in einen Stadtteil fährt, den viele für das Montmartre Rios halten. Regelmäßig findet dort an Wochenenden das Festival "Santa Teresa de portas abertas" (Santa Teresas Tag der offenen Tür) statt, für das die verschiedenen Künstler des Stadtteils ihre Werke ausstellen und ihre Ateliers zur Besichtigung öffnen. Die Straßenbahnfahrt macht großen Spaß, und die Überquerung des ehemaligen Aquädukts Arcos da Lapa gleicht einer Reise durch die Zeit. Bewundern Sie die Häuser und Straßen Santa Teresas und gedenken Sie des Rio de Janeiros vergangener Tage. In diesem Stadtteil befinden sich auch einige empfehlenswerte Restaurants, z.B. die Adega do Pimenta, die Bar do Arnaudo und das köstliche Aprazível.
Versäumen Sie nach dem Mittagessen nicht, das Museu da Chácara do Ceu (Museum des Kleinen Hauses im Himmel) und den in seiner Nachbarschaft gelegenen Parque das Ruínas (Ruinenpark) kennen zu lernen, wo regelmäßig Kunstausstellungen und Konzerte stattfinden. Wenn der Nachmittag sich seinem Ende zuneigt und Sie sich noch dort befinden, sollten Sie sich den Sonnenuntergang und den Einbruch der Dunkelheit von Santa Teresa aus ansehen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, die wechselnden Farbspiele der Guanabara-Bucht und das Aufleuchten all der vielen Lichter der unter Ihnen liegenden Stadt zu beobachten.
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