'Deus e Brasileiro' – sagt das Sprichwort. Sollte Gott tatsächlich Brasilianer sein, dann stammt er bestimmt aus Rio ... Denn der Schöpfer der Welt hat in dieser Stadt die Elemente eines einzigartigen Kunstwerkes miteinander vereint: ein Meer von intensivem Blau, ein üppiges Waldgebiet inmitten der Stadt, ein freundliches und lebhaftes Volk und das ideale Klima, um all diese Freuden zu genießen.
In der Kunst des Genießens kann man sich in dieser wunderbaren Stadt bereits am Morgen üben. An der Copacabana oder dem Strand von Ipanema wird man in das wahre Lebensgefühl Rios eintauchen, wenn man ein eiskalt gezapftes Bier in einem der vielen Cafes oder Imbissstände der Strandpromenade bestellt und sich an den vielen gut aussehenden Cariocas (so werden die Einwohner Rios genannt) erfreut. Am späten Nachmittag ist der sommerliche Sonnenuntergang ein unvergessliches Erlebnis, das Sie sich ebenfalls nicht entgehen lassen sollten. Anschließend kann Ihr Weg Sie zur Lagoa Rodrigo de Freitas führen, an deren Ufern Imbissstände einen wahrhaft kulinarischen Erlebnispark bilden und häufig auch Live-Musik gespielt wird.
Es ist Nacht geworden, und weiterhin gibt es viel zu unternehmen und kennen zu lernen. Rio ist die musikalische Hauptstadt des Landes und täglich finden viele unterschiedliche Konzerte statt. Die großen und berühmteren Veranstaltungsorte sind das Canecão und die ATL Hall, das ehemalige Metropolitan, wo sowohl berühmte Interpreten der Música Popular Brasileira (die aus Samba und Bossa Nova hervorgegangene brasilianische Popmusik) als auch international bekannte Künstler auftreten. Für die wirklich ganz Großen kommen indessen auch das Maracanã-Stadion oder der Praça da Apoteose in Frage, wo bereits Frank Sinatra und die Rolling Stones Konzerte gegeben haben. Jedes Jahr im Oktober findet im MAM (Museu de Arte Moderna) eine der wichtigsten musikalischen Veranstaltungen Rios statt, das Free Jazz, welches brasilianische und ausländische Musiker, in dem jeweiligen Musikstil entsprechenden Ambientes, vereint. Es gibt auch kleinere und gemütlichere Orte, wo man gute MPB (Música Popular Brasileira) oder Jazz hören kann, z.B. das Teatro Rival, das Mistura Fina und die Casa de Cultura da Universidade Estácio de Sá, oder man lauscht im Cafe das Artes einem typisch brasilianischen Chorinho (Instrumentalmusik, die um 1915 in Rio entstand).
Eher touristisch orientiert sind die Darbietungen der farbigen Tänzerinnen des Plataforma I. Und wenn Sie ein wahrer Liebhaber des Sambas sind, sollten Sie nicht die Proben für die Parade des Karnevals verpassen, welche die Sambaschulen freitags, samstags und sonntags auf Schulhöfen abhalten.
Die mehr der klassischen Musik Zugewandten haben ebenfalls ihre Tempel: das Ehrfurcht gebietende Stadttheater für größere Orchester und die angenehme Sala Cecília Meirelles für Kammermusik und solistische Aufführungen. Nun zum Gebiet der visuellen Künste: Brasilien ist ein bedeutender Absatzmarkt der Filmindustrie, und obwohl der Charme der alten Kinos verloren gegangen ist, gewann Rio dafür in den letzten Jahren die Effizienz moderner Einrichtungen. Es entstanden Komplexe wie das Cinemark und das UCI, die zusammen auf 30 neue Säle kommen. Eher künstlerische Filme findet man in den Kinos der Grupo Estação, in den Cineclubes und in Kulturzentren wie dem CCBB und dem Instituto Moreira Salles.
Musik und visuelle Kunst verbinden sich im Tanz, einer Kunstrichtung, die Sie auf verschiedenen Bühnen der Stadt erleben können. Die berühmtesten Tanzensembles der Welt und Brasiliens pflegen im Stadttheater aufzutreten, während andere Tanzkompanien auch im Teatro Villa-Lobos und im Teatro João Caetano gastieren.
Ziehen Sie es jedoch vor, selbst das Tanzbein zu schwingen, stehen Ihnen hierfür die unterschiedlichsten Diskotheken, Gafieiras (Tanzlokale mit eher älterem Publikum und vorwiegend brasilianischer Musik) und weitere Einrichtungen zur Verfügung. Modisch und schick präsentiert sich das Publikum im Provisório, El Turf und Dado Bier. Eher individualistisch, alternativ und GLS Gesinnte besuchen die Feste und Partys des Cine Íris oder der Fundição Progresso. Wer typisch brasilianisches Tanzen kennenlernen möchte, sollte in die Gafieiras Elite oder Estudantina gehen, wo man sogar einige Schritte beigebracht bekommt. Und für Nostalgiker und Romantiker geht nichts über den engen Paartanz im Antonino oder im Rhapsody.
Rio selbst ist bereits ein Kunstwerk, doch lohnt es sich, auch seine Museen und Galerien zu besuchen. Interessante Ausstellungen finden sowohl im MAM – dessen ständige Ausstellung ebenfalls phantastisch ist – und im Paço Imperial als auch in der Casa França-Brasil, im Nationalmuseum der Schönen Künste und im Centro de Arte Helio Oiticica statt.
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