Geschichte
Rio de Janeiro wurde 1565 von den Portugiesen gegründet – ein Städtchen Fuße des
Zuckerhutes, um nach der Vertreibung der Franzosen dieses Gebiet gegen ausländische Eindringlinge zu verteidigen. Sein vollständiger Name, São Sebastião do Rio de Janeiro, wurde Rio als Ehrung des damaligen portugiesischen Königs zuteil. 1567 verlegte man die kleine Stadt auf den Hügel Morro do Castelo; zu dieser Zeit beherbergte sie lediglich 3000 Einwohner, in der Mehrzahl Indios. Die Haupterwerbsquellen waren der Fischfang und die Zuckergewinnung. Große Zuckerrohrplantagen und Zuckerfabriken erstreckten sich von Gávea und der Lagune
Rodrigo de Freitas bis in die Vororte.
Ende des 17. Jahrhunderts beschleunigte der Goldrausch im nordwestlich gelegenen Minas Gerais die Entwicklung Rios, und der starke Zustrom portugiesischer Einwanderer verwandelte es in den wichtigsten Hafen der Kolonie. Dieser wachsende Reichtum zog jedoch zahllose französische Piraten und Schmuggler an, welche die Stadt 1710 und abermals 1711 überfielen, bevor sie endgültig vertrieben werden konnten. Rio entwickelte sich mit eindrucksvoller Geschwindigkeit, und der Bevölkerungszuwachs erforderte eine rasche Verbesserung der Infrastruktur, um diesem Ansturm gerecht zu werden. 1793 wurde das berühmteste Aquädukt Rios, die
Arcos da Lapa erbaut. Diese riesigen Granitbögen sind dermaßen stabil, dass sie bis heute dazu dienen, die Straßenbahnen zu tragen, welche den Stadtteil
Santa Teresa mit dem Zentrum verbinden.
Mit der Ankunft der portugiesischen Königsfamilie 1808 wurde Rio vorübergehend Regierungssitz des portugiesischen Weltreiches und die Anzahl seiner Einwohner stieg auf 70 000. In dieser Zeit begann die bis heute vorherrschende geographische Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Stadtteile gemäß ihrer sozioökonomischen Verhältnisse. Die wohlhabenderen Familien bezogen die Gebiete zwischen dem Meer und dem Gebirge, bekannt als die Zona Sul, und die weniger Reichen ließen sich jenseits des Gebirges, in der Zona Norte nieder. Auch entstanden in diesem Zeitraum der Botanische Garten, die Nationalbibliothek und das Zollamt (die heutige
Casa França-Brasil).
1815 wurde Rio de Janeiro offiziell zur Hauptstadt Brasiliens erklärt. 1821 kehrte die königliche Familie heim nach Portugal und ließ den Prinzregenten Dom Pedro I. als Repräsentanten des Königshauses in der Kolonie zurück. 1822, nachdem er dem Befehl, ebenfalls nach Portugal zurückzukehren, nicht Folge geleistet hatte, erklärte Dom Pedro I. die Unabhängigkeit Brasiliens und krönte sich selbst zum ersten Kaiser des Reiches. Regierungssitz blieb weiterhin in Rio der nunmehr kaiserliche Stadtpalast
Paço Imperial.
Die erste verfassunggebende Versammlung Brasiliens wurde 1823 in Rio geschaffen, dort, wo sich heute der Palácio Tiradentes befindet. 1831 dankte Dom Pedro I. ab, doch erkannte man seinen Sohn Dom Pedro II. erst 1840 als Kaiser an. Während der Regierungszeit Dom Pedro II. erfuhr Rio de Janeiro bedeutende Veränderungen: zwischen 1854 und 1862 erhielt die Stadt Gasbeleuchtung, ein Trinkwasser- und Abwassersystem, überseeische Fernschreibverbindungen und Telefon. Durch die Nutzung von Straßenbahnen, Zügen und Fähren erweiterte man ebenfalls den öffentlichen Nahverkehr. 1884 wurde die Zahnradbahn auf den
Corcovado eingeweiht, und die Eröffnung des Tunnels zwischen Botafogo und
Copacabana im Jahre 1892 leitete die Abwanderung wohlhabenderer Familien an die Küste ein. Die Abschaffung der Sklaverei 1888 und die Ausrufung der Republik 1889 hatten ein bedeutendes industrielles Wachstum bei gleichzeitigem Niedergang der Landwirtschaft zur Folge.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgten viele Verbesserungen im Zentrum der Stadt, die Eröffnung der Prachtstraßen
Rio Branco und Beira-Mar und der Bau des Stadttheaters, der Akademie der Schönen Künste und der
Nationalbibliothek. In den dreißiger und vierziger Jahren drang die fortschreitende Besiedelung der Atlantikküste bis in die Stadtteile Ipanema und
Leblon vor, und Wolkenkratzer begannen, das Erscheinungsbild der Wohngebiete sowie des Zentrums zu bestimmen.
In den sechziger Jahren wurde die Hauptstadt nach Brasilia verlegt, doch blieb Rio de Janeiro weiterhin das kulturelle Zentrum Brasiliens, sowie die Hauptstadt des Bundesstaates Guanabara. Deutliche Veränderungen des Stadtbildes ergaben sich in den sechziger und siebziger Jahren durch das Landgewinnungsprojekt
Aterro do Flamengo, die Eröffnung von Tunneln, welche die Zona Norte mit der Zona Sul verbinden, die Konstruktion der
Brücke Rio-Niterói sowie der U-Bahn.
1975 löste man den Bundesstaat Guanabara auf, und Rio wurde Hauptstadt des Bundesstaates Rio de Janeiro.