Geschichte
Die Entstehung Die Urahnen des ruhmreichen römischen Volkes waren Bauern und Schäfer, die sich auf der linken Uferseite des Tiber oder genauer genommen direkt auf dem Hügel Palatin und dem umstehenden Land niederließen; leider gibt es von diesen Ansiedlungen nur wenige Nachweise. Bis heute konnte nicht geklärt werden, weshalb die Latiner gerade in diesem Gebiet halt machten und man kann davon ausgehen, dass auch die Überlieferungen antiker römischer Geschichtsschreiber nicht nur auf geschichtlichem Hintergrund basieren, sondern, dass ihre Beschreibungen der Entstehungsgeschichte der Stadt und somit des römischen Volkes zum Ziel hatten, den
Mythos Roms zu nähren. Die bekannteste der zahlreichen Legenden, die uns zu Ohren gekommen ist, erzählt von den Trojanern, die auf der Flucht aus ihrer eigenen zerstörten Stadt, unter der Führung Äneas, nach Latien kamen, sich niederließen und mit den ansässigen Latinern vermischten.
Aus diesem neuen Stamm geht das römische Volk hervor. Ascanius, Sohn Äneas, gründete die Stadt Alba longa aber sein jüngster Sohn, Amulius, stürzte seinen älteren Bruder, Numitor, vom Thron und zwang dessen Tochter, Rhea Silvia seine Vestalin zu werden. Diese war jedoch die Geliebte des Gottes Mars und brachte heimlich die Zwillinge
Romolus und Remus auf die Welt. Diese wurden, um dem sicheren Tode zu entgehen, in einem Kasten auf dem Tiber ausgesetzt und die Strömung trieb diesen in der Nähe des Palatin an Land. Die Neugeboren wurden auf wundersame Weise gerettet; eine "
Wölfin", später Symbol der Stadt, säugte sie und ein Schäfer der sie fand, zog die Beiden mit Hilfe seiner Frau auf. Den Streit um das Gründerrecht der Stadt gewann Romolus, der seinen Bruder Remus erschlug und laut Legende 753 a.C. Rom gründete. Das Datum erscheint aber nicht sehr glaubwürdig.
Die Zeit der Monarchie In den Legenden kann man jedoch auch Spuren der Wahrheit erkennen. Hierfür möchten wir ein Beispiel geben. Es scheint zwar unglaubhaft, dass es während der ersten Regierungsform der Stadt, der Monarchie, nur sieben
Könige Roms gegeben haben soll, da diese Zeit drei Jahrhunderte andauerte, aber wahrscheinlich ist jeder einzelne ein Symbol für einen unterschiedlichen Zeitpunkt der Geschichte, zu dem sich die Stadt in einer bestimmten Phase der Evolution befand. Bereits damals, gab es politische Institutionen, aus denen die emanzipierte, führende, aristokratische Klasse hervorging, die den Übergang von der Monarchie zur Republik förderte. Der Durchbruch dieser neuen Regierungsform - als Zeitpunkt hierfür wird die Vertreibung Tarquinius Superbus, dem letzten der drei etruskischen Könige, die Rom regierten, angegeben - geschah in der Realität nicht so plötzlich, sondern erfolgte über einen wesentlich längeren Zeitraum.
Die Republik Die Zeit der Republik kennzeichnete sich durch harte Kämpfe, der Plebs konnte sich behaupten und somit die führende Klasse erneuern. Diese Veränderungen im Innern, führten dann auch zu einer Ausbreitung der Stadt, die Stück für Stück ganz Latien, die gesamte Halbinsel und schließlich das Mittelmeerbecken eroberte.
Über vier Jahrhunderte hinweg, bekräftigte Rom seine Machtstellung und gründete ein starkes, standhaftes Reich, das ewig dauern sollte. Eine Eroberung folgte der anderen. Nach den Kriegen gegen die Samniten und Tarentiner kam es zum Kampf mit Karthagern und Syrakus. Rom begann, sich nicht nur auf dem Land, sondern auch auf dem Meer auszubreiten. Es kam zu den punischen Kriegen. Rom wurde zur bestimmenden Macht im Mittelmeer und erreichte, wozu kein Volk je zuvor fähig war, die Vereinigung von Morgen- und Abendland. Rom eroberte nicht nur, sondern wurde auch selbst von den Kulturen der besiegten Völker beeinflusst und vermischte diese mit der eigenen. Die römische Machtstellung wurde zur Kaiserzeit unanstreitbar und die Größe Roms lag nicht nur beim Militär und seiner Politik, sondern auch in seiner Kultur und Kunst.
Die Kaiserzeit Sie erreichte in den ersten zwei Jahrhunderten des römischen Reiches ihren Höhepunkt, aber so, wie jede Epoche den Samen ihres Verfalls in sich trägt, konnte man bereits zu seiner größten Glanzzeit die ersten Anzeichen eines endgültigen Niedergangs erkennen.
Die Kaiserzeit wurde mit einer langen Friedenszeit eingeleitet, die vor allem
Augustus (vor der Ernennung zum Kaiser Octavian genannt) zu verdanken war und der Senat, der Augustus für den größten Friedensstifter seiner Zeit hielt, ließ ihm zu Ehren einen Altar, den
Ara Pacis errichten. Dieser Altar ist sowohl ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich nach Jahrzehnten scheinbar unendlicher Kämpfe und Kriege, der Wunsch nach großer Ruhe und Frieden spürbar machte, als auch ein Zeugnis der Entwicklung der Stadt und der Monumente, die zu dieser Zeit in Rom möglich war (weitere Beispiele hierfür sind das Forum Augustus und das Theater
Teatro di Marcello). In diesen Jahrhunderten saßen die Nachfolger der Dynastien auf dem Thron. Die
Iulisch-Claudische war die erste Dynastie; darauf folgten die
flavische, die
antonianische und die
severische. Die Regierungszeit von Octavian (=Augustus) bis Caracalla kann man als einheitlich betrachten, da in diesem Zeitraum die Einheit des Reiches garantiert werden konnte, die danach immer mehr ins wackeln kam und schließlich mit dem Fall des römischen Reichs im Jahre 476 p.C. (laut Überlieferungen) endete.
Das Ende des römischen Reichs und die momentane Machtübernahme seitens der Kirche Es gab viele und auswegslose Gründe für den Niedergang. Die durch die großen Ausmaße des Reichs bedingte, überwiegend absolutistische, militärische Herrschaft war die Hauptursache des Endes. Weitere Gründe waren die Veränderungen in ökonomischer und sozialer Hinsicht; die Ankunft der Barbaren, die mit Präpotenz in die Geschichte einfielen und immer mehr zu den absoluten Protagonisten wurden und schließlich die Verbreitung des
Christentums, das sich bald darauf als religiöser Verbündungsfaktor für die Imperatoren entpuppte, die versuchten, ihr Reich wieder zusammenzufassen. Hierzu möchten wir nur an den Kaiser
Konstantin erinnern, ein Mitglied aus dem flavischen Kaiserhaus der zweiten Dynastie, der im Jahr 313 durch das Mailänder Edikt dem Christentum (auch den heidn. Kulten) Religionsfreiheit zusicherte. Aber wenn dies ein Grund zur Vereinigung war, so kann man dasselbe nicht von der Verlagerung der Hauptstadt des Reiches nach Konstantinopel behaupten. Diese Verlagerung erwies sich als einer der Hauptgründe der Spaltung zwischen Ost- und Westreich und die Schädigung der Einheitsmacht blieb irreversibel. Die Zunehmende Bedeutung des Ostreiches stärkte die Position der Kirche, die allein die latinische Tradition weiterführte. Diese versuchte deshalb, nicht nur die geistliche, sondern, mit Hilfe der Politik der Allianzen, auch die weltliche Macht an sich zu reißen. Anfangs verbündeten sich die Päpste in einer Allianz mit den Longobarden gegen die Byzantiner, und sonderten so das Byzantinische Reich ab. Danach schlossen sie eine Allianz mit den Franken gegen die Longobarden und so kam es zum Ende der longobardischen Herrschaft in Italien. Nicht aus Zufall ließ sich
Karl der Große im Jahr 800 von Papst Leo III in der Basilika
San Pietro krönen. Er wollte auf diese Weise seinen Titel, den des römischen Kaisers, von der Kirche bestätigen lassen und eine Allianz mit dem Papst schließen. Von diesem Zeitpunkt an bis ins 14. Jahrhundert, als die Residenz des Papsttums ins Exil nach Avignon verlegt wurde, kennzeichnete die Machtherrschaft der Kirche die Geschichte der Stadt. Die Päpste errangen das Recht, hohe öffentliche Ämter zuzuteilen, die jedoch auch weiterhin nur Mitgliedern der obersten Schicht vorbehalten waren. Hierzu gehörten Orsini, Caetani, Colonna, Annibaldi, Savelli, die sich um die Machtstellung stritten, bis das Pontifikat in Rom durch Gregorius XI im Jahr 1377 wiederhergestellt wurde. Auch bedingt durch die Zusammenstöße der Fraktionen aufgrund des Schismas des Abendlandes, dauerte es 40 Jahre, ehe sich die Stadt wieder erholte und zur Normalität zurückkehrte. Dies geschah genauer genommen im Jahr 1420, als der vom Reformkonzil von Konstanz erwählte Papst Martin V, das Schisma sanktionierte und die Primatsidee (der absoluten Weltherrschaft) des Papsttums in Rom wiederherstellte.
Vom XVI Jahrhundert zur Hauptstadt Rom Die absolute, zentralisierte Machtstellung des Papsttums wirkte sich auch auf die Kultur aus. Die Päpste und Kardinale machten ab Mitte des 15. Jahrhunderts, bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Rom zum Zentrum künstlerischen Schaffens. Die Stadt wandelte sich und wurde immer schöner und reicher. Paläste, Villen und öffentliche Plätze wurden errichtet; Kirchen und neue Straßennetze gebaut und die Basilika San Pietro restauriert. Berühmte Persönlichkeiten, die Mäzen
Giulio II und
Leone X, riefen die großen Künstler ihrer Zeit
Raffaello,
Michelangelo,
Bramante und
Giuliano da Sangallo nach Rom. Die Plünderung Roms im Jahre 1527 war eine Belehrung für das Papsttum, das bis dahin überwiegend seine weltlichen Interessen vertrat und hatte anfangs verheerende Auswirkungen, alle Künstler verließen die Stadt. Aber bald darauf schlossen sich die Wunden wieder und ein neuer Lebensgeist und eine erneute Entwicklung keimten in Rom auf.
Es entstanden neue Stadtteile und Strassen wie die
Via Sistina, die
Via Giulia und Rom bevölkerte sich wieder.
Auch das 17. Jahrhundert war für Rom eine Epoche der Ausbreitung und Verschönerung. Dies verdankt die Stadt vor allem zwei grandiosen Künstlern:
Gian Lorenzo Bernini und
Francesco Borromini. Der erstgenannte schuf Piazza S.Pietro mit seinen wundervollen Säulen; plante die Brücke
Ponte di Castel Sant'Angelo, über der sich herrlich schöne Engel erheben, die Brunnen auf der
Piazza Navona und der
Piazza Barberini, um nur einige zu nennen; der andere schuf die Kirchen
S.Ivo alla Sapienza,
San Carlino alle Quattro Fontane, die Basilika von San Giovanni in Laterano, Sant'Andrea delle Fratte und
Sant'Agnese in Agone, eine große Anzahl an Gebäuden wie z. B. das Propaganda Fide, den
Palazzo Falconieri und den Palazzo Spada. Zur gleichen Zeit arbeiteten in Rom auch die berühmten Architekten
Pietro da Cortona und
Carlo Rainaldi. Die Geschichte Roms war damals sehr mit seinem künstlerischen Schaffen verbunden. Das Papsttum verlor jedes Interesse für internationale Streitigkeiten und ersparte Rom so bedeutende militärische Angriffe. Es gab jedoch Streitigkeiten zwischen der faulen Adelsschicht, die sich immer stärker vermehrte, und dem Volk. Die Gravierungen des bekanntesten und stark engagierten Illustrators des Settecento (18. Jhd.),
Giovan Battista Piranesi, stellen das Leben in Rom zu jener Zeit dar. Das Glück des Papsttums kam zur Zeit Napoleons ins Schwanken, als die Kirchenreichtümer beschlagnahmt und neu verteilt wurden; das gleiche galt für die Macht, die in die Hände der französischen und nicht konfessionellen italienischen Offiziere fiel. Die Stadt blieb fast das ganze 19. Jahrhundert, mit Ausnahme der kurzen Zeit der römischen Republik, bis zum Sturz Napoleons III und zur Anexion Italiens unter französischem Regime.
Das moderne Rom Am 20 September des Jahres 1870 wurde Rom zur
Hauptstadt ernannt. An diesem Tag wurden die Truppen des Papstes besiegt und die Truppen des Königreichs Italien, welche das Tor Porta Pia eingenommen hatten, marschierten in Rom ein. Nach der Ernennung zur Hauptstadt, kam es zu einer Massenzuwanderung, die zu einem schnellen und unregelmäßigen Ausbau Roms führten. Auch zur Zeit des Faschismus, der Rom eine Rückentwicklung brachte, besserte sich das System der Bebauung nicht. Der erste Weltkrieg traf Rom nicht direkt, aber im zweiten wurde die Stadt hart getroffen; zuerst durch die Bombardierungen der amerikanischen Truppen, die besonders in der Gegend des Veranound des Tors
Porta Maggiore ungeheure Schäden verursachten (damals wurde auch die Kirche
Basilica di S.Lorenzo fuori le Mura fast gänzlich zerstört). Danach durch die Besetzung der Deutschen bis zum Ende des Krieges. In dieser Zeit wurde Rom zum Mittelpunkt der Resistenzkräfte. Das tragischste Ereignis, das bekannt ist, war das Massaker der Ardeatinusgräben, das nach dem Attentat in der Via Rasella von den Deutschen angeordnet worden war. Am 2. Juni 1946 wurde die Monarchie durch die Republik ersetzt, dessen Hauptstadt Rom wurde.
Rom ist heute eine europäische Großstadt, die ihre Monumente und künstlerischen Werke bewahren konnte. Trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer "stark belasteten Geschichte" wurde sie nicht so starken Modernisierungen unterzogen, wie andere europäische Städte.