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Obwohl nicht allzu viel zur Urgeschichte Australiens bekannt ist, wird angenommen, dass die ersten Menschen vor 50.000 bis 70.000 Jahren ber das Meer aus Sdostasien hier ankamen. Es gab an die 38Stammesgruppen, die im Gebiet des spteren Staates Victoria lebten, als die Weien dort ankamen. Die Aborigines waren traditionelle Stammesangehrige, die in ausgedehnten Familiengruppen lebten und ihre Umwelt nachhaltig zu nutzen verstanden. Man geht davon aus, dass die Aborigines die ersten waren, die polierte Steinwerkzeuge mit abgeschliffenen Kanten verwendeten, ihre Toten verbrannten und Bildnisse von sich selbst und von Tieren in Stein arbeiteten und bemalten. Obwohl ihre Gesellschaft vom technologischen Standpunkt aus primitiv war, war sie kulturell sehr weit fortgeschritten. Sie wandten beispielsweise ein komplexes Zeremoniell an, das Religion, Geschichte, Gesetze, Kunst und einen Verhaltenskodex integrierte.
Die Aborigines im Gebiet des spteren Staates Victoria versuchten den Besiedlungen durch die Weien (die im Jahre 1803 begannen) Widerstand zu leisten, doch obwohl die Weien einige Siedlungen wieder aufgeben mussten, vermochten die Ureinwohner mit ihrer Auflehnung nur das Unausweichliche hinauszuzgern. Schon bald nach der Besiedlung durch die Weien waren die Aborigines von ihrem Land vertrieben, von eingeschleppten Krankheiten niedergestreckt und zu Tausenden massakriert. Schtzungen zufolge lebten vor dem Kontakt mit den Weien zwischen 60.000 und 100.000 Aborigines im Gebiet des spteren Staates Victoria. Zwischen 1834 und 1860 sank diese Ziffer von 15.000 auf 2.000, in den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts lebten gerade noch knapp ber 800 Aborigines in Victoria.
Melbourne wurde 1835 von einer Gruppe tasmanischer Unternehmer errichtet und ist weltweit die jngste Stadt dieser Gre. Obwohl die Siedlung bis 1837 keinen offiziellen Namen trug, wurde die charakteristische Rasteranordnung der Straen durch Robert Hoddle, einen Landvermesser des Militrs, eingefhrt. Um 1840 hatte das Gebiet bereits ber 10.000 Menschen angelockt. Die Kolonie Victoria wurde 1851 gegrndet und Melbourne wurde als Hauptstadt festgelegt, was passenderweise mit der Entdeckung erster Goldvorkommen zusammenfiel - einem Ereignis, das sowohl die Stadt als auch die Kolonie unaufhaltsam und schnell verndern sollte.
Der Goldrausch brachte einen groen Strom an Immigranten aus der ganzen Welt mit sich, und mit dem dadurch entstehenden Reichtum wurde eine Stadt mit auergewhnlichen Proportionen erschaffen. In 30Jahren wurde durch die khnen Vorstellungen begabter Architekten, die Fertigkeiten unzhliger europischer Hndler und die Widmung groflchiger ffentlicher Parkgebiete das erschaffen, was heute als Fabelhaftes Melbourne - das Paris der Antipoden bekannt ist. Der scheinbar unaufhaltsame Fortschritt wurde allerdings 1889 durch den ersten von vielen verheerenden finanziellen Zusammenbrchen, die die Stadt erschtterten, vorbergehend gestoppt. Am 1.Januar1901 wurde ein vereinigtes Australien mit Melbourne als Hauptstadt ausgerufen. Im Jahr 1927 wurde Melbourne jedoch abgelst und Canberra zur neuen Hauptstadt gemacht.
Die ethnische Zusammensetzung der Bevlkerung Melbournes hatte stets einen starken Einfluss auf den Charakter der Stadt: Im 19. Jahrhundert drngten chinesische und irische Goldgrber in der Hoffnung auf Reichtum in groen Zahlen ins Land, nach dem Weltkrieg kam es durch eine Flchtlings- und Migrantenwelle aus allen Lndern Europas (vor allem aus Griechenland, Italien, Jugoslawien, der Trkei und Polen) zu einem weiteren starken Zuwachs. Etwas spter ereignete sich eine weitere Zuwandererwelle, diesmal kamen die Immigranten aus Vietnam und Kambodscha. All diese Zuwandererstrme haben zu einer kulturellen Vielfalt in einem Land beigetragen, das sich ohne sie wohl in eine konservative, weniger leidenschaftliche englische Gesellschaft entwickelt htte. Diese Einflsse machen sich in Melbournes robusten und vielseitigen Architekturstilen, Restaurants, Festivals und Entertainmentangeboten bemerkbar.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Melbourne unter einer konservativen Regierung eine lang andauernde stabile, manchmal sogar apathische Phase. Obwohl das politische Establishment in Melbourne seine Stadt gerne als das Machtzentrum des Landes ansah, bernahm in Wirklichkeit Sydney auf nationaler Ebene nach und nach die Rolle der bedeutendsten Stadt, bis in den 1960ern allmhlich fr jedermann klar wurde, dass der Stern der politischen Bedeutung Melbournes inzwischen am Untergehen war. Die starke Rivalitt zwischen den beiden Stdten keimt auch heute manchmal noch auf.
Die Konservativen dominierten bis in die 1980er Jahre, dann bernahm die Labor Party das hchste Amt und die Stadt begann erneut zu erblhen. Die Land- und Immobilienpreise stiegen bis 1990 unaufhaltsam an, als der Markt pltzlich erneut zusammenbrach. Im Jahr1992 bernahm der radikale konservative Autokrat Jeff Kennett das Amt des Premiers von Victoria, was ihm anscheinend in gleichem Ausma die Bewunderung und den Zorn seiner Brger einbrachte. Unter Kennett musste Melbourne sich vom Sozial- und Gesundheitssystem verabschieden und erhielt dafr den Grand Prix und das Crown Casino.
Kennetts liberale Regierung wurde bei den nchsten Wahlen in Victoria 1999 abgewhlt und eine modernisierte Labor Party bernahm wieder die Kontrolle im Staat. Diese hat das letzte Jahrzehnt damit zugebracht, Victoria mit einer mig progressiven, stark wirtschaftsfrdernden, gemigt linken Regierung im Stile Tony Blairs neu zu erfinden. Die groen Bauprojekte werden mit unverminderter Vehemenz weitergefhrt, was unweigerlich wieder zu einem dieser regelmig einsetzenden Immobilienbooms fhrt, durch die seit der Grndung der Stadt immer wieder groe Vermgen angehuft wurden und wieder verloren gingen. An vielen Stellen im innerstdtischen Geschftsbezirk wurden Gebude saniert oder neu aufgebaut. So ist der Federation Square beispielsweise ein architektonisch innovatives, aber auch umstrittenes Projekt zur Nutzung der ffentlichen Kulturflche, und die Southern Cross Station (die frhere Spencer Street Station) wurde umgestaltet und ausgebaut. Auerdem wurden die einstigen Docks umgebaut und werden jetzt von Betrieben, Geschften und als Wohngebiet genutzt.
Im Dezember 2010 wurde Ted Baillieu von der konservativen Liberal Party zum Premierminister gewhlt.
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