Wetter | Karte anzeigen | Zur Reise hinzufügen | Fotos hinzufügen |




Um Athen wirklich würdigen zu können, sollte man einige Kenntnisse über die dramatische Stadtgeschichte haben. Ungleich der meisten Hauptstädte war die Vergangenheit Athens nicht von kontinuierlichem Wachstum geprägt, sondern von einer Glanzzeit, auf die der Niedergang und der fast vollständige Zerfall der Stadt folgten. Seit Athen im 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des unabhängigen Griechenlands erklärt wurde, ist die Stadt wieder aufgeblüht.
Die Ursprünge Athens sind untrennbar mit der Mythologie verwoben: Es ist oft schwierig, Sage und Realität voneinander zu unterscheiden. Man weiß jedoch, dass der Hügel der Akropolis mit seinen zwei üppigen Wasserquellen zu neolithischer Zeit schon besiedelt war. Später, in der Epoche der aufsteigenden Stadtstaaten, bot der Hügel der Akropolis eine hervorragende Verteidigungslage und um 1400 v. Chr. war Athen zu einer mächtigen mykenischen Stadt aufgestiegen.
Gegen 1200 v. Chr. begann eine dunkle Epoche, von der nur sehr wenig bekannt ist. Im 8. Jh. v. Chr. entwickelte sich das friedliche Athen jedoch zum künstlerischen Zentrum Griechenlands. Es folgte eine Periode sozialer Reformen, dann Zeiten der Unruhe und schließlich der Tyrannei. Bis 510 v. Chr., als Sparta zu Hilfe kam, konnte Athen sich nicht von der Unterdrückung befreien. Nach der Niederlage des Persischen Reichs wuchs die Macht Athens stark an. Auf der Insel Delos wurde ein Staatenbund geschlossen und Athen forderte von den Inseln Tributzahlungen für den Schutz vor den Persern. Mit den Einnahmen wurde die Umgestaltung der Stadt finanziert. Dies war die goldene Ära Athens: Monumentale Bauten entstanden auf der Akropolis, Theater und Literatur erlebten eine wahre Blütezeit. Äschylus, Sophokles und Euripides, Bildhauer wie Phidias und Myron, Historiker wie Herodot, Thuzydides und Xenophon lebten zu dieser Zeit.
Sparta war indessen nicht bereit, sich mit einer Nebenrolle zu begnügen, und wachsende Feindseligkeiten lösten 431 v. Chr. den Peloponnesischen Krieg aus. Nach den 27 Jahre währenden Kämpfen gewann Sparta die Oberhand und Athen verlor seinen Glanz. Aber trotz der Niederlage war das Jahrhundert kein völliger Verlust: Es brachte drei der größten Redner und Philosophen der westlichen Welt hervor: Sokrates, Platon und Aristoteles.
Unter römischer Herrschaft war Athen weiterhin ein bedeutender Ort des Studiums und die römischen Cäsaren in der Stadt errichteten zahlreiche prachtvolle Gebäude. Nach der Teilung in das West- und Oströmische Reich behielt die Stadt ihren Status als kulturelles und intellektuelles Zentrum bei, bis die Schulen der Philosophen 529 n. Chr. geschlossen wurden. Zwischen 1200 und 1450 wurde Athen von zusammengewürfelten Scharen von Glücksrittern überrannt, zu denen Franzosen, Katalanen, Florentiner und Venezianer gehörten. Die Türken eroberten die Stadt 1453 und herrschten 400 Jahre lang über sie.
In den erbitterten Kämpfen zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges (1821-29) wechselte die Oberherrschaft mehrfach zwischen den griechischen Freiheitskämpfern und Türken hin und her. 1834 ersetzte Athen Nafplio als Hauptstadt des unabhängigen Griechenlands und König Otho begann mit dem Aufbau der vom Krieg beschädigten Stadt. Bayrische Architekten schufen eine Stadt, zu der beeindruckende neoklassische Gebäude (die meisten inzwischen abgerissen) und baumgesäumte Alleen gehörten.
Das historische Ereignis, das mehr als alle anderen das Antlitz des heutigen Athens geprägt hat, war wohl der Austausch von griechischen und türkischen Bevölkerungsteilen in Folge des 1923 in Lausanne unterzeichneten Abkommens. Buchstäblich über Nacht verdoppelte sich die Bevölkerung der Stadt, die in eilig hochgezogenen Betonblocks untergebracht wurde.
Wie ganz Griechenland litt Athen erheblich unter der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg und dem darauf folgenden Bürgerkrieg. Die Expansion Athens beschleunigte sich während der 1950er und -60er Jahre, als die Umstellung von der agrarischen zur industriellen Gesellschaft ansetzte. Viele der bröckelnden, alten türkischen Häuser und neoklassischen Bauten wurden während der Militärdiktatur (1967-74) abgerissen, ohne jedoch Lösungen für die strukturellen Probleme der Stadt zu bringen, die durch das schnelle, chaotische Wachstum entstanden. Gegen Ende der 80er Jahre hatte die Stadt den traurigen Ruhm erworben, eine der meist verstopften und verschmutzten Städte Europas zu sein.
Seitdem – insbesondere in den 90er Jahren – haben grundlegende Veränderungen stattgefunden. Die Bevölkerung Athens ist heute deutlich wohlhabender, obwohl immer noch starke soziale Differenzen und spürbare Unterschiede zwischen Stadt und Land bestehen.
Die Behörden haben ein ehrgeiziges Programm zur Modernisierung der Stadt entwickelt, zu dem insbesondere die Erweiterung des Straßen- und U-Bahn-Netzes sowie der neue internationale Flughafen in Spata gehören. Es wurden enorme Summen in die Entwicklung der Stadt gesteckt und seit den erfolgreichen Olympischen Spielen 2004 hat Athen wieder etwas von seinem alten Ruhm zurückerobert.
Doch der Optimismus und die finanziell guten Zeiten waren nur von kurzer Dauer: Die globale Finanzkrise, die politische Malaise und eine weitgehende Unzufriedenheit mit der Regierung des Landes drücken zunehmend auf die Stimmung der Stadt. Die Ausschreitungen im Dezember 2008, ausgelöst durch die Erschießung eines Teenagers in Exarchia durch die Polizei, waren ein dunkler Fleck in der Geschichte Athens und die schlimmsten sozialen Unruhen seit Jahrzehnten.
Die meisten Besucher reisen über den hochmodernen internationalen Flughafen an, der – für Durchgangsreisende interessant! – sogar ein eigenes Museum hat. Auch das gut funktionierende Busnetz, die Züge und die Fähren zu den Inseln werden viel benutzt.
Das funkelnagelneue U-Bahn-System hat den Transport durch das Stadtzentrum enorm erleichtert. Von der weiteren Ausdehnung des Netzwerks erhofft man sich auch eine Entlastung der legendären Athener Verkehrsstaus. Zudem verfügt Athen auch über ein umfassendes Bus- und Trolleysystem (Oberleitungsbusse).
Der Flohmarkt Athens ist berühmt. Hier wird wirklich alles an den Mann (die Frau) gebracht – von Operngläsern bis zu Bouzoukis, von Perücken bis zu Schweißbrennern. Ein Besuch vermittelt auch die Erkenntnis, dass Griechenland führend in der Herstellung und im Verkauf von religiösem Kitsch ist.
Wenn Sie die Kartenaktualisierung aktiviert lassen, werden beim Bewegen der Karte neue Suchergebnisse angezeigt.
Ja, aktiviert lassen Nein, deaktivieren